Sonntagspredigt

 

Predigt Taufe des Herrn, Lesejahr C, 9. Jänner 2022

Lesung: Jesaja 42,5a.1-4.6-7    Evangelium: Lukas 3,15-16.21-22

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 


   Die Taufe war für Jesus ein einschneidendes Ereignis. Gott bestätigt Ihn vor den Menschen als Seinen geliebten Sohn. Jesus tritt gleichsam aus der Anonymität heraus und beginnt Sein öffentliches Wirken. Bald schon sollen die Menschen erkennen, dass in Ihm Gott selbst am Werk ist, dass Er tatsächlich der ist, auf den sie so lange gewartet haben. Er hat sich gezeigt als der, der die Verheißungen erfüllt. Er hat gezeigt, dass Er das verheißene Licht der Völker ist, dass Er sich gesandt weiß, „um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, aus der Haft“, wie es der Prophet Jesaja in der gehörten Lesung angekündigt hat.

   Was bedeutet es für uns, dass wir getauft sind? War die Taufe auch für uns ein ähnlich einschneidendes Ereignis?

   Die meisten von uns sind als Säuglinge getauft worden. Wir haben keine Erinnerung daran. Bestenfalls gibt es ein paar Photos.

   Und dennoch will die Taufe auch für uns ein prägendes Ereignis sein. Da hat uns der Priester mit Chrisam, heiligem Öl gesalbt und gesagt: „Du wirst mit dem heiligen Chrisam gesalbt, damit du für immer ein Glied Christi bleibst, der Priester, König und Prophet ist in Ewigkeit.“ Da haben wir Anteil bekommen am Dienst und an der Sendung unseres Herrn Jesus Christus. Da sind wir berufen und gesendet worden, wie Jesus im Namen Gottes Priester, Prophet und König zu sein. Das heißt wie Jesus sind wir wie Könige gesandt, aufeinander zu schauen, fürein-ander Sorge zu tragen, den Glauben zu leben. Wie Jesus sind wir gesandt, Propheten zu sein, das Wort Gottes weiterzugeben. Und wie Jesus sind wir gesandt, Priester zu sein, Opfer darzubringen – das Lob Gottes, uns selbst zu schenken, hinzugeben an Gott und die Menschen. Durch die Taufe haben wir alle Anteil an der Sendung Jesu Christi.

   Ich habe im Oktober schon einmal ausführlicher auf die Synode aufmerksam gemacht, die Papst Franziskus im Herbst begonnen hat und die das ganze Gottesvolk einbeziehen soll. Sie will drei große Themen der Kirche beleuchten: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung. Ziel ist es, am Ende der Synode die pastoralen Entscheidungen zu treffen, die Gottes Willen am meisten entsprechen.

   Die für die Synode Verantwortlichen haben einen Zeitrahmen vorgegeben, um sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen. Das erste Thema „Gemeinschaft“ sollte eigentlich schon abgehakt sein. Durch die verschiedenen Maßnahmen bezüglich des Coronavirus sind wir ja in allem, was Gemeinschaft betrifft, sehr eingeschränkt. Wir dürfen keine pfarrlichen Treffen organisieren und können auch sonst nur eingeschränkt zusammenkommen. Wie soll da Gemeinschaft entstehen, wachsen, gepflegt werden?

   Mit dem heutigen Fest soll die Kirche weltweit in den zweiten Schritt gehen und sich mit dem Thema Teilhabe auseinandersetzen. Teilhabe meint eben, Anteil zu haben an der Sendung Jesu, eingebunden zu sein in das Leben der Kirche, mitzutun in der Kirche, teilzunehmen am Leben der Kirche.

   Unser Bischof hat dazu ein Ermutigungsschreiben verfasst, das Sie unter anderem in unserer Kirchenzeitung nachlesen können. Da schreibt er: „Dieses Thema der Teilhabe soll uns bis Ostern ganz intensiv beschäftigen. Es soll uns helfen, „die Gaben, die wir vom Heiligen Geist empfangen haben, einzusetzen, um einander zu dienen.“

   Lassen Sie sich ein auf Gespräche mit Menschen, die – so ferne sie überhaupt in die Kirche kommen – am Rande der Gemeinschaft stehen. Es geht dabei um ein Zuhören und nicht um ein Bewerten oder Beurteilen. Teilhabe wäre falsch verstanden, wenn diese wiederum nur von jenen Menschen praktiziert wird, die ohnehin integriert, akzeptiert und innerhalb der Pfarre das Sagen haben. Teilhabe, wie Papst Franziskus es meint, bedeutet über den eigenen pfarrlichen Bereich hinaus zu jenen Menschen zu gehen, die der Kirche aus den unterschiedlichsten Gründen den Rücken zugekehrt haben.

   Hier braucht es viel Zeit und viele Gespräche, um wahrzunehmen, wer interessiert sein könnte mitzumachen und um die Menschen anzuhören und ihre Sorgen, ihre Wut, ihre Ängste und Nöte miteinander zu teilen.

   Möglicherweise helfen dabei Fragen, wie: Was kann ich für Sie tun? Womit könnte die Pfarre Sie unterstützen? Was müsste geschehen, dass Sie sich von der Kirche, von unserer Pfarre, so sehr angesprochen fühlen, dass Sie regelmäßig zum Gottesdienst kommen würden? Was ist der Grund, warum Sie der Pfarre ferne bleiben?

   Papst Franziskus möchte alle einbeziehen, die dem Volk Gottes angehören. Ihnen soll Gehör geschenkt werden. Ihre Stimme ist in diesem Prozess ganz besonders wichtig. Genau jenen Menschen, die in und mit der Kirche schlechte Erfahrungen gesammelt haben, soll zugehört werden. Sie sollten angehört werden, denn sie haben etwas zu sagen, das man sonst vermutlich nie mehr hören wird.
   Die Kirche lebt davon, dass alle, die zu ihr gehören wollen, teilhaben können.

„In einer synodalen Kirche ist die ganze Gemeinschaft in der freien und reichen Verschiedenheit ihrer Mitglieder zusammengerufen, um zu be-ten, zu hören, zu analysieren, miteinander zu sprechen, zu unterscheiden und sich zu beraten, um die pastoralen Entscheidungen zu treffen, die Gottes Willen am besten entsprechen. Es bedarf ernsthafter Kraftanstrengungen, um jene einzubeziehen, die ausgegrenzt sind oder sich ausgeschlossen fühlen“, so steht es im Vademecum zum synodalen Prozess.

   Niemand darf ausgegrenzt werden. Wenn dies dennoch geschehen ist, dann gilt es diesen Menschen nachzugehen, sie wieder herein zu holen und ihnen einen guten Platz einzuräumen. Dazu braucht es Ideen und liebevolle Kreativität, damit es gelingen kann, die entfernten, verletzten oder verlassenen Menschen innerhalb der Pfarre teilhaben zu lassen.

   Ich lade Sie ein, liebe Schwestern und Brüder, gemeinsam zu überlegen, wo in Ihrer Pfarre, wo in der Diözese Menschen leben, die der Kirche den Rücken zugekehrt haben und/oder, die ungerecht behandelt wurden. Überlegen Sie, wie wir sie wieder in die Teilhabe führen können.“

   Um die Meinung der Menschen zur Kirche zu erfragen, wird es unter anderem eine Fragebogenaktion geben. Und im Dekanat und in der Pfarre werden wir überlegen müssen, wie wir mit den fernstehenden Mitmenschen ins Gespräch kommen können.
   Eine Möglichkeit der Teil-habe ist die Wahl eines neuen Pfarrgemeinderates, die uns am 20. März bevorsteht. Da können Sie mitentscheiden, wer in unserer Pfarre mitverantwortlich sein soll. Im idealen Fall können Sie sich selbst als Kandidat/in zur Verfügung stellen. Wir werden bei dieser Wahl - anders als zuletzt - eine Kandidatenliste erstellen. Wir bitten Sie aber, uns Personen zu nennen, die Sie sich im Pfarrgemeinderat vorstellen können, die Sie gerne im Pfarrgemeinderat haben würden. Wir haben in der Kirche Zettel aufgelegt, wo Sie Kandidat/inn/en vorschlagen können. Da können Sie auch draufschreiben, wenn Sie selbst in der Pfarre mitarbeiten wollen. Nehmen Sie bitte diese Zettel mit und überlegen Sie, wer für den Pfarrgemeinderat in Frage kommen könnte. Und überlegen Sie, ob nicht auch Sie in der Pfarre mitarbeiten könnten und dadurch Ihre Teilhabe an der Sendung Jesu Christi konkret leben.

   Wir alle sind getauft und dadurch berufen, unsere Teilhabe an der Sendung Jesu Christi konkret zu leben.
   Möge die Gottesmutter uns erbitten, dass diese Synode für die Weltkirche und für unsere Pfarre in Mank eine fruchtbare Zeit sein möge, dass wir mehr und mehr erkennen, welche pastoralen Entscheidungen dem Willen Gottes am meisten entsprechen.



Dechant
KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer in Mank