Sonntagspredigt

Predigt am 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C, 7. August 2022

Lesung: Hebräerbrief 11,1-2.8-12                                 Evangelium: Lukas 12,32-48

 

Liebe Gläubige!

 

 

„Glaube heißt, nichts wissen!“, hören wir gelegentlich sagen. Und es klingt da immer ein bisschen Spott mit, Zynismus. Und gläubige Menschen, als solche habe ich Sie angesprochen, liebe Gläubige, fühlen sich da bisweilen ein wenig gekränkt oder aber auch in ihrem Glauben herausgefordert, hinterfragt. Ist das wirklich so, dass glauben nichts wissen bedeutet?

Der Hebräerbrief liefert uns in der heute gehörten Lesung eine andere Definition: „Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nichts sieht.“

Und er liefert uns auch gleich Anschauungsmaterial mit. Er verweist auf Abraham, den Vater des Glaubens, wie er genannt wird, und zwar nicht nur von uns. Die Juden und die Moslems sehen in Abraham mit uns Christen den Vater des Glaubens, einen Menschen, der uns vorbildlich zeigt, was glauben bedeutet.

Abraham und seine Frau Sara waren alte Leute, die in Ur in Chaldäa gelebt haben, in Mesopotamien, dem heutigen Irak. Da spricht Gott zu ihm: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.“ Und, so berichtet uns die Bibel weiter: „Da zog Abraham weg, wie der Herr ihm gesagt hatte. Abraham war fünfundsiebzig Jahre alt, als er fortzog.“

Er tat, was Gott ihm gesagt hatte, ohne irgendwelche Beweise zu haben, einer inneren Eingebung folgend, in der Gott zu ihm gesprochen hat. Die Leute werden vielleicht gelacht haben über ihn: Der spinnt, der Alte! In seinem Alter geht er noch weg von zu Hause und erwartet sich Kinder! Da geht doch schon lange nichts mehr!

Abraham ist festgestanden in dem, was er erhoffte, in dem, was ihm verheißen war. Er war überzeugt von den Dingen, die er nicht sah. Das ging sogar so weit, dass er dann auch bereit war, seinen einzigen Sohn, Isaak, der ihm tatsächlich noch geschenkt worden ist, zu opfern, wie Gott ihm ebenfalls aufgetragen hatte. Er war zu allem bereit, ohne dass er verstehen konnte, wie das alles vor sich gehen soll und kann – einfach so, weil Gott es ihm gesagt, ihm verheißen hat.

Wir kennen ja vermutlich alle die Geschichte: Wie Abraham seinen Sohn schlachten will, gebietet ihm ein Engel, einzuhalten und statt des Sohnes einen Widder zu opfern. Gott hat gesehen, dass Abraham blindlings bereit war, zu tun, was er ihm sagte. 

„So stammen tatsächlich von einem einzigen Mann, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann“, berichtet uns die Bibel weiter, weil er geglaubt hat, weil er felsenfest festgestanden ist in dem, was er erhoffte, weil er überzeugt war von Dingen, die man nichts sieht, weil er vertraut hat den Verheißungen, die ihm gegeben waren.

Von einer wunderbaren Verheißung ist auch im Evangelium die Rede: Der Herr selbst wird sich gürten, seine treuen Diener am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. 

Da geht es um das himmlische Hochzeitsmahl, um ein Festmahl mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen, wie etwa der Prophet Jesaja schwärmt.

Und, diese Verheißung gilt uns allen, allen, die wache Menschen sind, die bereit sind für das Wiederkommen des Herrn. Diese Verheißung gilt allen, die wie der treue und kluge Verwalter dem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilen 

Diese Verheißung gilt allen Menschen, die heute bereit sind, das zu tun, was Gott ihnen sagt.

Viele Menschen leben heute so, als ob es Gott nicht gäbe, als ob sie von Gott nie etwas gehört hätten. Viele Menschen leben heute so, als ob sie von den Verheißungen nichts wüssten. Sie leben so wie der eine Knecht, von dem es heißt, dass er die Knechte und Mägde schlug, aß und trank und sich berauschte. Viele Menschen heute leben völlig egoistisch, nur auf das eigene Wohl und das Vergnügen bedacht, ohne das Leid so vieler Menschen auf dieser Welt zu sehen. 

Und wir sehen, wohin es führt, wenn jeder nur mehr auf sich selber schaut. Da wird das Leben unerträglich und kalt. Da gehen die Werte verloren, da weiß niemand mehr, woran er sich wirklich orientieren kann. Da wächst das Leid und die Not vieler Menschen auf dieser Welt, vor allem derer, die sich selber nicht helfen können, die angewiesen sind auf die Hilfe verantwortungsvoller Menschen.

Umgekehrt wird das Leben dort lebenswert, wo Menschen füreinander da sind, füreinander Sorge tragen und dem Mitmenschen geben, was er braucht. 

Da wird heute schon ein Stück Himmel auf Erden spürbar, da können wir heute schon die liebende Nähe Gottes erfahren, bruchstückhaft das himmlische Hochzeitsmahl verkosten.

Und eines Tages, so dürfen wir wissen, wird sich das beim Wiederkommen des Herrn vollenden, wenn er kommt, um uns selbst zu verwöhnen an der himmlischen Festmahlstafel.

Glaube heißt: Feststehen in dem, was man erhofft, überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht.

Wollen wir wirklich Gläubige sein, dürfen, ja müssen wir hoffen auf das, was Gott uns verheißt. Wenn wir wirklich Gläubige sind, werden wir alles tun, um eines Tages für würdig befunden zu werden, auf dass der Herr sich auch für uns gürtet, uns am Tisch Platz nehmen lässt und uns der Reihe nach bedient.

Das wird ein Festmahl werden! Und wir werden heute schon davon profitieren, wenn wir einander so begegnen, wie es dem Herrn gefällt.

So lasst uns wie Abraham wirklich Gläubige sein: Menschen, die feststehen in dem, was man erhofft, die überzeugt sind von Dingen, die man nichts sieht - zumindest jetzt noch nicht sieht, die sich aber offenbaren werden, wenn der Herr einst wieder kommt.

 

 

 

 

Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer

 

 

 

Was jetzt wichtig ist,

einmal wird es vergehen.

Was jetzt ängstigt,

einmal wird es sich lösen.

Was jetzt erstrebenswert ist,

einmal wird es unbedeutend sein.

 

Einmal werden sich die Dinge ordnen.

Da wird mir genommen,

woran ich jetzt festhalte.

Da fällt von mir ab,

was mich jetzt beunruhigt.

Da werde ich vor dir stehen

in deinem Licht.

Dein Blick wird

das Gerade und das Krumme

meines Lebens offenbar machen.

 

Wie wird dein Urteil

über mich ausfallen?

Ich bin angewiesen

auf deine Barmherzigkeit

heute und morgen

und in der Stunde

meines Todes.

 

 

             Hildegard Nies