Sonntagspredigt

Predigt am 2. Adventsonntag, 5. Dezember 2010

Lesung: Jesaja 11,1-10           Evangelium: Matthäus 3,1-12

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 


   „Kein Ohr hat je gehört, kein Auge gesehen, was Gott denen bereitet, die ihn lieben.“

   Diese Worte der Heiligen Schrift fallen mir ein, wenn ich die heute gehörte Lesung betrachte. Gott macht alles neu, wenn er wiederkommt; er macht alles gut. Trostvolle Worte, die uns da heute verkündet werden.

   Der Kommende richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nach dem Hörensagen. Er richtet den Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Da kommt der Kleine, Schwache, Arme, Hilf-lose nicht mehr unter die Räder. Da kann sich´s der Reiche, Große, Mächtige nicht mehr richten.

   Trostvolle Worte sind das für uns alle, die wir alle immer wieder einmal verkannt werden in unserem Bemühen, in unserem Ringen, in unserem Tun und Lassen. Gott kennt unser Ringen, unser Streben, unser Bemühen. Er weiß um unser Leid und um unsere Verwundungen. Er weiß, warum wir so sind wie wir sind, warum uns oft nicht gelingt, wonach wir streben, warum wir oft das Gute nicht tun können, obwohl wir es eigentlich tun wollen.

   Trostvolle Worte für uns alle, wenn uns bisweilen durch unsere Mitmenschen Unrecht geschieht. Gott weiß und richtet gerecht.
   Und Gott macht alles neu: er schafft eine neue Welt, in der es nichts Böses mehr gibt, in der kein Verbrechen mehr geschieht. Der Wolf wird dann beim Lamm wohnen, der Panther beim Böcklein liegen, Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten.

   Herrliche Bilder, ein wunderbarer Traum, den Gott wahr werden lassen wird, den Gott uns erfüllen wird, wenn er wiederkommt.

   Ein Traum ist das, der heute schon bruchstückhaft Wirklichkeit werden kann, wenn die Menschen heute schon als neue, veränderte Menschen leben.

   Dieser Traum geht heute schon überall dort in Erfüllung, wo die Menschen heute schon nach der Erkenntnis Gottes streben, wo sie heute schon nach seinem Willen fragen und sich bemühen, diesen seinen Willen zu tun.

   In der Taufe, so sagt die Kirche, sind wir alle neu ge-schaffen worden nach dem Bild Jesu Christi. Wir sollen ihm jetzt schon ähnlich werden und ablassen von allem Bösen und das Gute tun.

   Wenn Menschen danach ringen, heute schon wie Gott am jüngsten Tag, für den Armen, Hilflosen, ungerecht Behandelten einzutreten, da wird heute schon ein Stück dieses Traumes wahr.
   Wo Menschen Abstand davon nehmen, sich für alles zu rächen, dem Anderen alles zurückzahlen zu müssen, wo sie heute schon Gedanken des Friedens denken und der Liebe, da wird heute schon der Traum von der neuen Welt Wirklichkeit.
   Der Prophet Jesaja zeigt uns diese Bilder, um uns einerseits zu trösten, wenn uns Unrecht geschieht. Und er zeigt uns diese Bilder, damit wir danach streben, diese Wirklichkeit jetzt schon zu erreichen.

   Dieser Traum ist eine Einladung an uns alle: Lasst euch ein auf diese neue Wirklichkeit. Baut mit an einer neuen und besseren Welt. Baut mit an einer Zivilisation der Liebe, wie Papst Johannes Paul II. das genannt hat.

   Versucht, diesen Traum zu leben, ihm Gestalt zu geben – schon jetzt wird Vieles neu, wenn ihr euch einlasst auf diesen Traum und den Mut habt, ihn zu träumen, ihn im Leben Wirklichkeit werden zu lassen.

   Lasst Gott hinein in euer Leben, und es wird jetzt schon von der Herrlichkeit Gottes erleuchtet!

   Ähnliches sagt uns Johannes der Täufer im Evangelium: Bereitet dem Herrn den Weg. Lasst ihn ankommen bei euch. Räumt alles weg, was seinem Kommen im Weg steht!
   Und Johannes warnt deutlich die Selbstbewussten, die Pharisäer und Sadduzäer, die Scheinheiligen, die meinen, es sei ohnedies alles in bester Ordnung, sie bräuchten Gott nicht und die Umkehr zu ihm, weil sie ohnedies dem auserwählten Gottesvolk angehören.
   Seid euch eures Heiles nicht zu sicher, warnt sie Jesus. Seid euch eures Heiles nicht zu sicher, warnt er auch uns. Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!
   Das ist wohl die Voraussetzung dafür, dass Gott uns eines Tages seine Herrlichkeit zuteil werden lässt, dass wir redlich danach streben, wie er barmherzig und gerecht zu sein, dass wir für die Hilflosen eintreten und für die Armen im Land. „Wer redlich sich bemüht, den können wir erlösen“, sagt der Dichter.
   Unsagbar Großes bereitet Gott denen, die ihn lieben. Streben wir danach, liebe Mitchristen, in diesen Tagen des Advents, im Advent unseres Lebens, das zu erreichen, was Gott für uns alle bereit hält, indem wir umkehren zu ihm und seinen Willen tun, indem wir ihm den Weg bereiten und uns in aller Unvollkommenheit seiner Barmherzigkeit unterstellen.


 

Dechant
KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer in Mank

 

 

Advent

 

ADVENT - das heißt: 
Wachsam sein und erwarten, 
daß etwas Neues geschieht, 
Begegnung stattfindet, 
die das Herz berührt 
und das Leben von innen her 
verwandelt.

 

Advent - das heißt 
Zukunft steht offen, 
auch jenseits der Tränen 
wird liebendes Lächeln möglich 
und durch Schmerzen hindurch 
kann neue Hoffnung 
geboren werden.

 

Advent - das heißt: 
Heil ist nahe. 
Trotz aller Zerrissenheit 
in Herz und Seele 
wird Ganzheit erwachsen, 
die Erfüllung verspricht.

 

Christa Spilling-Nöker, Von einem Engel zart berührt. Geschichten, Gedichte und Meditationen zur Weihnachtszeit. Quell Verlag, Stuttgart 1998

 

 

Schreiben der Österreichischen Bischöfe zum Advent 2022

 


Werft eure Zuversicht nicht weg!

Verunsicherung, Ängste und das diffuse Gefühl, einer schwierigen Zukunft entgegenzugehen, prägen das Leben vieler Menschen in unserem Land. Der spürbare Klimawandel, die noch nicht überwundene Pandemie, der Krieg in der Ukraine, Energiekrise, Teuerung und Inflation führen immer mehr dazu, dass das Leben für viele zur Überlebensfrage geworden ist. Nicht wenige fühlen sich überfordert und reagieren darauf mit Resignation oder Aggression. Klar ist: Krisensituationen erfordern Entscheidungen – in Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben, aber auch von der Zivilgesellschaft. Vor allem braucht es von uns allen die klare Entscheidung zum Miteinander, sodass niemand übersehen wird oder auf der Strecke bleibt. Auch darin erweist sich, ob wir eine „synodale Kirche“ sind, wie es uns Papst Franziskus deutlich vorgegeben hat, eine Kirche in aufmerksamer Weggemeinschaft mit den Menschen. Zu Beginn des Advents wollen wir vier Grundhaltungen benennen, damit die Quelle der Zuversicht in unserer Gesellschaft nicht versiegt.

Einfühlung und Solidarität

Nach vielen sozialen Verwerfungen und gegenseitigen Beschuldigungen, die es in der Zeit der Pandemie gegeben hat, ist es wichtig, das Vertrauen zueinander neu zu lernen. Wir haben gesehen, dass gegenseitige Verurteilungen sowie rücksichtslose Worte und Gesten uns auseinandertreiben und entfremden. Mitgefühl hingegen lässt uns erkennen, dass wir zusammengehören. Das Menschsein verbindet uns – mit aller Schönheit und Begrenztheit, Würde und Zerbrechlichkeit. Die Karmelitin Edith Stein, eine der großen heiligen Frauengestalten des 20. Jahrhunderts, wurde vor 80 Jahren in Auschwitz ermordet. Sie hat als Jüdin und Christin, Pädagogin und Frauenrechtlerin den Begriff der „Einfühlung“ geprägt und selbst danach gelebt. Einfühlung bedeutet, sich in die Situation anderer Menschen hineinzudenken und deren Bedürfnisse und Grenzen in den Blick zu nehmen – ihre Schmerzen und Ängste, ihre Freuden und Kränkungen. Durch wirkliche Einfühlung kommt es zu aufmerksamen Begegnungen, die auch in schwierigen Situationen aufrichten.

Der Apostel Paulus schreibt in einem seiner Briefe: „Einer trage des anderen Last.“ (Gal 6,2a) Dazu braucht es lebendige und belastbare Gemeinschaften – Familien, Freundschaften, Pfarrgemeinden, Vereine und soziale Initiativen. In Gemeinschaft erleben wir, dass wir manchmal diejenigen sind, die andere durch schwierige Zeiten hindurchtragen. Und manchmal sind es wir selbst, die Hilfe brauchen. Diese „tragenden Gemeinschaften“ wollen wir stärken. Nichts scheint angesichts der Bedrängnisse unserer Zeit wichtiger zu sein, als das Verbindende zu suchen und zu stärken. Solidarität ist damit kein Fremdwort mehr.
Zuversicht und Gottvertrauen

Es fällt niemandem leicht, die momentane Ungewissheit und die vielen offenen Fragen auszuhalten. Woher kommt denn eine ver­lässliche Hoffnung, woher eine echte Lebensfreude? Das Gefühl der Ohnmacht und Ermüdung kennen wir alle. Zuversicht ist jedenfalls mehr als ein naiver Optimismus. Wer zuversichtlich lebt, hat einen klaren Blick auf den Ernst einer Situation, lässt sich aber nicht davon lähmen. Zuversicht gibt Mut zum Handeln und wirkt ansteckend auf andere. Mit großer Dankbarkeit blicken wir auf die vielen Menschen, die in Beruf oder Ehrenamt anpacken, trösten, begleiten, helfen oder durch ihre Spende Menschen in Not unterstützen. Sie sind für uns alle eine Quelle der Hoffnung.

„Werft eure Zuversicht nicht weg.“ Diese Ermutigung aus dem Hebräerbrief (10,35) möchten wir uns und allen ans Herz legen, besonders jenen, die gerade schwierige Zeiten erleben. Zuversicht ist eine innere, stille, von Gott geschenkte Kraft, die neue Energien des Herzens freilegt. Zuversichtliche Menschen stärken sich gegenseitig und wirken heilsam auf ihre Umgebung. Sie haben Augen und Herzen, die konkrete Not und Trostlosigkeit wahrnehmen – und diese im Gebet Gott anvertrauen. Er weiß, was uns nottut. Werfen wir daher unsere Zuversicht nicht weg. Vertrauen wir auf das Gute, vertrauen wir auf Gott!
Sich und andere aufrichten
Der Advent ist für uns alle die kostbare Zeit, um das Vertrauen in die tröstende Gegenwart Gottes zu erneuern. Darin erschließt sich uns die Quelle aller Zuversicht. Sie ist kein leeres Versprechen, denn Gott mischt sich von Neuem in unser verwundetes und nervöses Leben ein. Inmitten aller Schieflagen und Verwerfungen unserer Zeit schauen wir auf zu Jesus, dem Herrn. Er ist unsere Zuversicht in Person! In ihm hat sich Gott angreifbar und verwundbar in unsere menschliche Geschichte eingeschrieben. Mit ihm ist jederzeit ein Neubeginn möglich, jederzeit Vergebung. In Jesus ist auch unsere Zuversicht begründet, dass nicht Hass und Krieg das letzte Wort haben, sondern ein Friede, der jede Entzweiung überwinden kann. Mit dieser Gewissheit können wir uns selbst und andere aufrichten.
Allen Menschen in unserem Land wünschen wir in diesem Sinn einen gesegneten Advent!


 

 

 

 

 

 

 

 

Herr, komme bald –

 


hinein in unser Leid,
mitten unter die streitenden Parteien,
an die Seite aller,
die alleine sind,
in die Gedanken derer,
die forschen und beraten,
in die Herzen aller, die vergiftet sind
vom Hass vieler Generationen;
in den Blick derer,
die nur noch sich selber sehen.

 

Herr, komme bald -
als Bruder oder Schwester;
als der, der Einheit stiftet,
als der, der mitten unter uns lebt,
als der, der uns vollendet.

der Herr kommt bald!

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt am Christkönigsonntag, Lesejahr C, 20. November 2022

 

Lesung: Kolosser 1,12-20                                      Evangelium: Lukas 23,35b-43

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 


   Christkönigsonntag. Wenn wir an einen König denken, denken wir wohl alle an mächtige Herrscher in dieser Welt, die in einem herrlichen Palast residieren und viel Geld haben.

   Wenn wir heute Jesus als König feiern, müssen wir sagen: Palast hat Er keinen, Geld hat Er auch nicht, und Macht in dieser Welt? Warum nützt Er Seine Macht nicht, um eine perfekte, heile Welt zu schaffen?

   Und doch ist keiner auf dieser Welt so mächtig wie Er. Wer könnte Seinem Mitmenschen sagen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Jesus kann es, und Er tut es.

   Jesus tut es, weil Er barmherzig ist. Das ist die wichtigste Eigenschaft dieses Königs, den wir heute feiern. Er ist ein menschenfreundlicher, ein barmherziger König. Er zeigt uns die Barmherzigkeit dessen, der Ihn gesandt hat. Er zeigt uns die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes.

   Gott schenkt uns Seine Barmherzigkeit in Seinem Sohn, der sich jedem liebevoll zuwendet, der Ihn um Seine Zuwendung bittet, der Seiner Zuwendung besonders bedarf.

   Der da mit Jesus am Kreuz gehängt ist, das war kein Heiliger, das war ein Verbrecher, vermutlich ein Terrorist, der zu Recht bestraft worden ist. Bei uns hätte er vermutlich „lebenslänglich“ bekommen. Dieser Verbrecher hat aber erkannt, dass Jesus mehr ist als alle Menschen dieser Welt. Er hat in Jesus den Sohn des barmherzigen Vaters im Himmel erkannt. Und er hat Jesus gebeten: „Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“

   Jesus hat nicht lange überlegt, ob der es überhaupt wert ist, dass Er an ihn denkt. Er hat nicht lange gefragt, ob er auch bereut, was er getan hat. Er hat ihm zugesagt: „Heute noch wirst du mit Mir im Paradies sein.“ Da zeigt sich, wie barmherzig Gott ist. Und da zeigt sich, welche Macht Jesus hat.

   So kann auch der Apostel Paulus in der gehörten Lesung schreiben: „Durch Jesus haben wir die Erlösung, die Vergebung der ‚Sünden.“ Und weiter: „Gott wollte mit Seiner ganzen Fülle in Ihm wohnen, um durch Ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte Er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch Sein Blut.“

   Paulus erkennt, welche Macht diesem Jesus durch Gott gegeben ist. Und er erkennt, dass Gott das Heil der Menschen will, dass Er den Menschen durch Jesus die Vergebung der Sünden schenkt, durch Seine grenzenlose Barmherzigkeit.

   Das, liebe Mitchristen, ist es, was wir am Ende des Kirchenjahres feiern. Das ist es, was uns verkündet wird. Das ist es, was uns alle aufbauen und trösten will angesichts der Schuld, der Unvollkommenheit, unter der wir alle immer wieder leiden. Gott rechnet nicht kleinlich ab. Gott schenkt Vergebung. Wir alle dürfen immer wieder beten: „Jesus, denk an mich. Erbarme dich. Schenke auch mir Dein Erbarmen.“ Und ich lade Sie alle ein: Tun Sie das auch immer wieder, bitten Sie Jesus immer wieder um Sein Erbarmen, um Seine Vergebung. Und lassen Sie sich diese Vergebung auch immer wieder zusagen in einer guten Beichte, in der Sie Ihr Herz ausschütten dürfen, sich aussprechen können, sich befreien können von allem, was Sie bedrückt und belastet. Da sagt Jesus auch Ihnen Seine Vergebung zu: „Deine Sünden sind dir vergeben, geh in Frieden!“ Das erleichtert, das befreit. Und niemand anderer als Jesus kann Sie befreien von Ihrer Schuld und Ihrer Sünde. Er allein hat die Macht. Und Er schenkt Ihnen Seine Versöhnung gerne; denn Sein Name ist Barmherzigkeit.

   So danken wir Gott heute an diesem letzten Sonntag dieses Kirchenjahres. Danken wir Ihm für Seine Barmherzigkeit, für Seine Liebe, die Er uns schenkt in Seinem Sohn Jesus Christus.

   Und bitten wir Ihn zugleich, dass auch wir immer mehr barmherzig sein können wie Er es ist.

   Wenn Gott uns Seine Barmherzigkeit schenkt, uns annimmt, wie wir sind, uns immer wieder all unsere Schuld vergibt, müssen dann nicht auch wir barmherzig sein? Ja, wir müssen! „Seid barmherzig, wie Ich euer Gott barmherzig bin“, sagt uns Jesus. Das muss sich zeigen in unserem Um-gang mit unseren Mitmenschen, vor allem mit den Bedürftigen, mit den Notleidenden, mit denen, die sich selbst nicht helfen können, die auf Hilfe angewiesen sind, die zumeist darunter leiden, dass sie auf Hilfe angewiesen sind, dass sie gleichsam nicht auf eigenen Beinen stehen können. Wer von uns lässt sich schon gerne helfen? Wem von uns wäre es nicht peinlich, auf Hilfe angewiesen zu sein? Genauso geht es vielen von denen, die der Hilfe bedürfen.

   Es tut mir ehrlich gesagt oft weh, wenn ich mitbekomme, wie lieblos, hartherzig und unchristlich oft über Menschen geredet wird, denen geholfen wird, weil sie diese Hilfe brauchen. Ganz gleich, ob das Behinderte sind oder Asylanten, Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, weil sie dort verfolgt werden.
   Müssten nicht gerade wir Christen großherzig sein wie Gott es ist? Müssten nicht gerade wir Christen dankbar sein, wenn wir keiner Hilfe bedürfen, wenn es uns so gut geht, dass wir im Überfluss haben? Müssten wir nicht dankbar sein, dass wir in der Lage sind, helfen zu können und nicht selbst Hilfe zu brauchen?

   Danken wir Gott heute für Seine Liebe, die Er uns schenkt, für Seine Barmherzigkeit, mit der Er uns begegnet. Und bitten wir Ihn heute am letzten Sonntag des alten Kirchenjahres: Gott, lass uns barmherzig sein wie Du es bist. Hilf uns und allen Christen dieser Welt, Deine barmherzige Liebe hineinzutragen in unsere Gesellschaft, hinein in unsere Welt, damit immer mehr Dein Reich sichtbar werden kann in unserer Welt von heute, Dein Reich der Liebe und der Barmherzigkeit. „Jesus, denk an uns!“



Dechant
KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

 

Pfarrer in Mank

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt am 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C, 30. Oktober 2022

 

Lesung: Weisheit 11,22-12,2                                               Evangelium: Lukas 19,1-10

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 


   Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir, dass Sie die Nachrichten gar nicht mehr hören wollen. „Ich dreh den Fernseher gar nicht mehr auf“, hat mir kürzlich jemand gesagt. Immer nur schlechte Nachrichten, schlechte Prognosen, furchterregende Kommentare. Manche meinen gar das Ende der Welt nahe.

   Und da hinein wird uns heute verkündet: Gott liebt diese Welt. Würde Er sie nicht lieben, so würde es sie nicht geben.

…Eine wunderbare Botschaft, die uns verkündet wird, eine Botschaft, die staunen lässt.

   Vor Gott, so heißt es da, ist die ganze Welt wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt. Für Gott ist die ganze Erde eigentlich nichts; im Vergleich zu Seiner Größe kann man sie vergessen.

   Dieser erhabene Gott aber, der alles vermag, dem nichts unmöglich ist, Er liebt alles, was Er erschaffen hat. Er ist ein Freund des Lebens. Alles, was da ist, alles, was existiert, ist Ihm ein Herzensanliegen. Wenn es nicht so wäre, dann hätte Er es nicht erschaffen.

   Sind das nicht großartige Aussagen, wunderbare Gedanken? Es sind Gedanken, die uns Mut machen können und Hoffnung schenken - gerade in dieser unserer Zeit, in der sich im Herbst jetzt bisweilen ein wenig Wehmut breit zu machen droht, wo man öfter einmal ans Sterben erinnert wird, in unserer Zeit auch, in der viele meinen, die Welt stünde nicht mehr lange, sie sei ernsthaft vom Untergang bedroht.

   Der große katholische Journalist Hubert Feichtlbauer hat einmal bei einem Vortrag gesagt: „Als gläubige Christen haben wir immer Hoffnung für diese Welt. Gott wird sie nicht einfach untergehen lassen. Als Christen können wir nicht glauben, dass Gott diese Welt einfach in den Ruin führt und auch nicht in den Ruin gehen lässt, wenn wir bedenken, mit wie viel Liebe und Sorgfalt Er sie erschaffen hat, mit wie viel Liebe Er sie auch am Leben erhält.“ Das darf sicherlich nicht heißen, dass wir die besorgniserregenden Zeichen unserer Zeit übersehen dürfen, die es tatsächlich gibt - Umweltverschmutzung, Treibhausklima, das Schmelzen der Gletscher, furchtbare Kriege. Ganz sicherlich müssen wir sehr sorgsam umgehen mit dieser Welt und manches Verhalten ändern, ja sogar radikal ändern. Zugleich aber dürfen wir als gläubige Menschen immer Hoffnung und Zuversicht haben. Denn: Gott liebt diese Welt und alles, was da ist.

   Und: Gott liebt ganz besonders den Menschen. Und Er liebt jeden Menschen, auch den Sünder. „Er sieht über die Sünden der Menschen hinweg“, haben wir in der Lesung gehört, „damit sie sich bekehren. Er bestraft die Sünder nur nach und nach; Er mahnt sie und erinnert sie an ihre Sünden, damit sie sich von ihrer Schlechtigkeit abwenden und an Ihn glauben.“ Ja, Gott bemüht sich besonders um den Sünder, der seine Hilfe braucht, und Er freut sich über seine Umkehr. „Nicht der Gesunde braucht den Arzt“; sagt Jesus einmal, „sondern der Kranke.“

   So wie sich gute Eltern um ein schwieriges oder krankes oder behindertes Kind ganz besonders bemühen, weil sie wissen, dass gerade dieses Kind ihre besondere Liebe braucht, so wendet sich Gott mit besonderer Liebe dem Sünder zu.

   Das zeigt sich unter anderem im Evangelium, das wir gehört haben.

   Da gibt es in Jericho einen gewissen Zachäus, einen Zolleintreiber, der brav in seine eigene Tasche gewirtschaftet hat, den keiner mag, um den jeder einen großen Bogen macht. Wie Jesus nach Jericho kommt, möchte Zachäus ihn sehen, vielleicht nur aus bloßer Neugierde. Und wie´s ums Mittagessen geht, da kehrt Jesus nicht bei den Braven und Frommen ein, nicht beim Pfarrer, nicht beim Bürgermeister, nicht bei den Pfarrgemeinderäten, nein, ausgerechnet bei diesem Zachäus will Er essen. Er weiß, dass der ihn ganz besonders braucht.

   Diese unverhoffte Ehre, die ihm zu Teil wird, diese unerwartete Zuwendung dieses Jesus, verändert den Zachäus. Dass dieser Jesus ausgerechnet bei ihm einkehren will, das geht ihm so zu Herzen, dass er beschließt, sich total zu ändern. Die liebevolle Zuwendung Jesu ermöglicht es ihm, ein neuer Mensch zu werden. „Die Hälfte meins Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemandem zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück“, sagt er spontan.
   Hätte Jesus ihm gedroht, ihn wie alle anderen auch mit Verachtung bestraft, hätte er wahrscheinlich nichts bewegt. Das hat dieser Zachäus schon alles gekannt.
   Dass aber einer gut zu ihm war, das war ihm neu, das hat ihn bewegt, berührt, verändert.

   Das, liebe Gläubige, ist die Pädagogik Gottes. Er schaut über die Sünden hinweg und ermöglicht gerade dadurch Veränderung, Umkehr. Er weiß: Nur wer Liebe geschenkt bekommt, kann Liebe schenken.

   Das ist die Frohe Botschaft auch für dich und für mich: Wenn dich andere verachten, wenn du glaubst, vor den Mitmenschen und vor Gott nicht bestehen zu können, wenn du dich vielleicht dann und wann selber nicht leiden kannst, wenn du dir selbst Vorwürfe machst, Gott liebt dich.

   Das dürfen wir uns immer wieder bewusst machen, uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, und wir werden uns leichter tun, uns selbst anzunehmen.
   Wenn wir uns das immer wieder bewusst machen, werden wir auch Kraft haben, andere zu lieben, auch wenn sie nicht unbedingt immer so liebenswert sind.

   Das Evangelium lädt uns ein: Mach´s wie Jesus. Schenke auch du denen deine Zuwendung, die sich´s vielleicht, menschlich gesehen, gar nicht verdienen, die unbequem sind, um die andere einen großen Bogen machen, die von anderen verurteilt und verachtet werden. Und du wirst sehen, wie diese Menschen sich verändern und sich öffnen.

   Die ganze Welt ist vor Gott wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen am Morgen. Und dennoch liebt Er seine Schöpfung. Und Er liebt jede und jeden einzelnen von uns.


 

 


Dechant
KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer in Mank

 

 

 

Dank

 


Nicht an Sprüchen
gemessen werden.
Keine Schau
abziehen müssen.

 

Den Schild
absetzen dürfen,
ohne
verwundet zu werden.

 

Keine Entschuldigung
nötig haben.
Nichts erklären,
nichts beweisen müssen.

 

Verstanden;
angenommen sein,
wie man ist,
wortlos.


 

 

Detlev Block

 

Predigt am 29. Sonntag im Jahreskreis, 16. Oktober 2022

Lesung: Exodus 17,8-13 Evangelium: Lukas 18,1-8

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Zwei schöne Geschichten, die uns da in den Schrifttexten heute verkündet werden.

Da hören wir von Mose, der im Kampf gegen die gottlosen Feinde betend seine Hände über das Schlachtfeld hält. So lange er die Hände erhoben hat, ist Israel am Siegen.

Und im Evangelium hören wir von einer Witwe, die um ihr Recht kämpft, beim Richter aber kein Gehör findet. Sie bedrängt ihn so lange, bis er ihr endlich Recht verschafft. Er will endlich Ruhe haben und hat Angst, dass sie am Ende vielleicht auch noch handgreiflich wird.

Und, so sagt uns Jesus dann sinngemäß: „Wenn dieser gottlose Richter der Beharrlichkeit dieser Witwe nachgegeben hat, um wie viel mehr wird Gott seinen Auserwählten zu ihrem Recht verhelfen, die Tag und Nacht zu ihm schreien. Betet also allezeit und lasst darin nicht nach! Gott hört und erhört euch.“

„Schön wär´s“, wird jetzt mancher unter uns denken. „Wie viel habe ich gebetet, damit Gott den und den gesund werden lässt! Wie viel habe ich gebetet, dass die und die Situation gut ausgeht! Wie viel habe ich gebetet, dass ....“ Jedem und jeder wird jetzt eine Situation einfallen, in der er oder sie viel gebetet hat, und nichts hat´s geholfen.
Das selbe könnte auch Jesus sagen: „Wie sehr habe ich im Ölgarten gebetet, dass der Kelch an mir vorübergeht! Blut hab ich geschwitzt. Und nichts hat´s geholfen! Ans Kreuz haben sie mich geschlagen.“

Jesus hat seinem Bitten allerdings auch den Satz angefügt: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille soll geschehen.“ Und er hat damit das Vertrauen ausgedrückt, dass Gott alles zum Guten wenden wird. Er hat darauf vertraut, dass Gott schon wissen wird, was er tut und was er da zulässt. Er hat darauf vertraut, dass Gott besser weiß, was jetzt gut und notwendig ist als er selbst in seiner Todesangst.

Tatsächlich hat Jesus durch sein Sterben den Tod besiegt. Er ist durch den Tod hindurch ins Leben gegangen. Und er hat mit seinem Leiden und Auferstehen uns allen das Tor in den Himmel geöffnet.

Gewiss lässt sich jetzt fragen: Hätte der allmächtige Gott nicht auch andere, leichtere, bequemere Wege finden können, um das Tor in den Himmel zu öffnen?

Und es lässt sich fragen: Wozu soll das gut sein, dass ein kleines unschuldiges Kind an einer unheilbaren Krankheit elendiglich zu Grunde geht und seine Eltern und Angehörigen hilflos zuschauen müssen? Und wir werden wohl alle miteinander sagen müssen: „Ich weiß es nicht.“ Gottes Wille ist bisweilen unerforschlich und nicht zu verstehen.

Am Ende des gehörten Evangeliums steht die Frage: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“

Ich denke, darauf will Jesus hinaus, dass wir trotz aller ungeklärten Fragen, trotz aller enttäuschenden Erfahrungen glauben; dass wir trotz allem darauf vertrauen, dass Gott uns hört und dass er es gut mit uns meint. Er will, dass wir ihm dennoch vertrauen in allem, was uns bedrängt. Das heißt ja glauben: Gott vertrauen; ihm vertrauen, ihm zutrauen, dass er alles zum Guten wenden kann, dass er schlussendlich tatsächlich alles zum Guten wenden wird.

Dieses Vertrauen gibt Kraft und Zuversicht. Es lässt hoffen gegen alle Hoffnung. Dieses Vertrauen zeigt sich unter anderem im Gebet, im unablässigen Gebet: „Gott, ich glaube! Ich vertraue darauf, dass du alles gut machen wirst. Nicht mein Wille, dein Wille soll geschehen.“

Ich denke, dieses Gebet und dieses Vertrauen haben Jesus Kraft gegeben, trotz allem das Kreuz zu tragen. Dieses Vertrauen hilft auch heute den Menschen, ihr Kreuz zu tragen, Gottes unerforschlichen Willen anzunehmen.
So ist das Gebet etwas, was uns zum Leben hilft. Gott braucht unsere Gebete nicht, aber wir brauchen das Gebet. Was könnten und sollten wir in schwierigen Situationen auch anderes tun als zu beten?

Wunderbar sind all diese Gedanken auch in dem Lied ausgedrückt: „Was Gott tut, das ist wohlgetan.“

Da heißt es:

„Er ist mein Gott,
der in der Not
mich wohl weiß zu erhalten; drum lass ich ihn nur walten. Er führet mich auf rechter Bahn,
so lass ich mir genügen
an seiner Huld
und hab Geduld;
er wird mein Unglück wenden; es steht in seinen Händen. Was Gott tut, das ist wohlgetan;
er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann;
ich will mich ihm ergeben
in Freud und Leid.
Es kommt die Zeit,
da öffentlich erscheinet,
wie treulich er es meinet.
Es mag mich auf die raue Bahn
Not, Tod und Elend treiben;
so wird Gott mich ganz väterlich
in seinen Armen halten;
drum lass ich ihn nur walten.“

Das wünsch ich Ihnen und uns allen, dass wir in allen Widerwärtigkeiten des Lebens unaufhörlich beten und auf Gott vertrauen. Und ich wünsch uns, dass wir immer wieder auch erfahren dürfen, wie gut er es mit uns meint, weil die eine oder andere Bitte doch auch Erhörung findet.

Bitten wir um dieses Vertrauen! Bitten wir um einen unerschütterlichen Glauben!

 

KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer in Mank

 

 

Hirtenbrief zum Weltmissionssonntag, 23.10.2022

 

LIEBE BRÜDER UND SCHWESTERN IM HERRN!
Das Jahr, in dem wir uns befinden, stellt uns vor einige Herausforderungen. Die ganze Welt ist von einer Situation umfasst, die wirtschaftlich wie sozial sehr unsicher
ist. Und doch schenkt uns Gott mitten in dieser Situation ein großes Vorbild vor Augen: Denn vor 200 Jahren setzte eine 22-Jahre junge Frau, Pauline Marie Jaricot, eine geniale Idee mutig in die Tat: Sie gründete das Werk der Glaubensverbreitung,
das wir heute als „Päpstliche Missionswerke“ oder kurz „Missio“ kennen.


Ihr werdet meine Zeugen sein! (Apg 1,8)
Wer könnte besser diesen Satz verbildlichen als diese junge Frau. Es ist sicher kein Zufall, dass uns der Papst heuer gerade diesen Vers der Bibel als Motto für den Weltmissions-Sonntag schenkt. Es soll uns Mut geben. Wir alle können Zeugen sein.
Mut verändert die Welt.
Pauline Marie Jaricot ist zwar vielen unbekannt, dennoch hat sie einen großen Einfluss auf die Kirche – und das bis heute! Sie war Tochter eines reichen Seidenhändlers. Sie kam 1799 auf die Welt. Die Kirche war schwach und verfolgt, Pauline musste geheim getauft werden. Als Kind brav und fromm, ändert Pauline mit
der Pubertät ihre Gesinnung völlig und wurde zu einer Modepuppe. Bis sie mit 18 eine Predigt hört, die sie erschüttert. Ein Priester wird für sie zum Zeugen der Barmherzigkeit Gottes. Pauline legt bei ihm die Beichte ab und beginnt für Jesus zu
wirken. Mit 22 Jahren gründet sie eine Organisation, die sie „Das Werk der Glaubensverbreitung“ nennt. Das Prinzip ist einfach: Jede Woche spendet jedes Mitglied ein Sou – das war damals der Preis einer Semmel – und betet ein Gesätzchen Rosenkranz für die Weltmission. Und jedes Mitglied wirbt 10 weitere
Mitglieder.

Auf diese Weise vereint sie mehrere Millionen Franzosen und ermöglicht dutzende missionarische Initiativen, die Europa mit allen Missionsländern verbinden.
Pauline war mutig: Sie hat in ihrer Zeit nicht nur einen regelrechten Enthusiasmus der Gläubigen für die Weltmission ausgelöst, sondern diese Begeisterung auch in eine
Organisationsform von Gebet und Spende gegossen. Die dunkle Zeit, als die Kirche Frankreichs äußerlich zerstört darniederliegt, ist zugleich der Beginn einer inneren Erneuerung, eines Aufbruchs, eines ungeahnten Wachstums. Der Mut der jungen
Frau wird zum Zeugnis für Millionen. Ihr Eifer entzündet viele Herzen.
Wir sind für die Mission zuständig.
Jeder von uns kann etwas tun. Von Pauline Jaricot sollten wir zuerst lernen, dass Mission von unserer inneren Gesinnung abhängt. Von dem berühmten französischen
Schriftsteller Antoine des Saint-Exupéry stammt der Satz: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die
Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer!“

Pauline Jaricot hatte eine solche Sehnsucht, ja sie hatte die größtmögliche Sehnsucht, die es überhaupt gibt: die
Sehnsucht Gottes nach der Liebe aller Menschen. Und sie zeigt uns: Allein diese Sehnsucht ist imstande, Zeugnis der Liebe Gottes abzulegen – ein Zeugnis, das bis an die Grenzen der Erde reicht.
Sind wir mutig genug, um in uns diese Sehnsucht aufkommen zu lassen? Sind wir so mutig, dass wir die Sehnsucht auch in anderen wecken? Es ist die Sehnsucht nach der Liebe Gottes, die Sehnsucht nach seiner Gegenwart, die uns dazu anspornt, diese
Liebe auch anderen mitzuteilen.
Wir schenken, um beschenkt zu werden.
Darin enthüllt sich auch der tiefste Sinn der Mission: Wir möchten die Liebe schenken, die wir selber empfangen haben. Das Sammeln für die Notleidenden und für die Weltmission ist deshalb alles andere als „betteln“. Eine Gabe für die
Weltmission schenken zu dürfen ist eine schöne und heilige Pflicht, denn die Nächstenliebe ist neben der Gottesliebe unser oberstes Gebot. Wir Christen geben freudig, weil uns das Geben die Chance eröffnet „unsere Liebe als echt zu erweisen“
– wie der hl. Paulus im 2. Korintherbrief schreibt (2 Kor 8-9). Das war die Absicht der seligen Pauline Jaricot damals, und das sollte unsere Absicht heute sein. Mit unseren Spenden treten wir in die Fußspuren dieser großen Frau. Lassen wir uns von
ihrer Frömmigkeit, ihrem Mut und ihrer Innovationskraft inspirieren.
Denn das, was uns Pauline sagt, ist: Mission ist keine Einbahnstraße. Mission ist keine zusätzliche Belastung für unsere Kirche, wir sollen uns vielmehr von den jungen Kirchen begeistern lassen. Hier geht es um die Zukunft der Kirche: Wir
schenken eine materielle Gabe. Was uns die Kirchen in den Ländern des globalen Südens schenken, sind Begeisterung und Freude am Glauben. In diesem gegenseitigen Austausch können wir uns gegenseitig auf verschiedenen Ebenen Zeugen der Liebe Gottes werden.
Werden wir doch missionarisch.
Liebe Schwestern und Brüdern, auch wir müssen uns nicht mit der Situation einer leeren Kirche bloß abfinden. Werden wir selbst missionarisch, lassen wir uns von dem Feuer der jungen Kirche entzünden und suchen wir Gelegenheiten, um dieses
Feuer weiterzugeben.
Jesus ermutigt uns: „Ihr seid meine Zeugen!“ und der Heilige Vater legt uns diese Ermutigung besonders ans Herz. Werden wir jeden Tag mehr zu Zeugen der Liebe und zu Missionaren der Hoffnung.


Mit der Bitte um Gottes Segen, Werner Freistetter, Referatsbischof Weltkirche