Sonntagspredigt

 Predigt am Aschermittwoch, 17. Februar 2021

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 


„Wie viel muss ich jetzt in der Fastenzeit jeden Tag beten?“ So hat mich gestern, am Faschingsdienstag, scherzhaft ein Freund gefragt.

Und ich denke, die Fastenzeit, die wir soeben beginnen, stellt uns alle vor die Frage: Wie nütze ich diese Zeit richtig? Was will diese Zeit? Was ist wichtig? Was ist unwichtig?

Wir alle wissen: Viele nützen diese Zeit zum Abnehmen; viele trinken keinen Alkohol oder rauchen nicht; viele verzichten auf Süßes und andere Naschereien.

Das alles kann gut sein. Ich sag´s, glaube ich jedes Jahr: Das alles kann tatsächlich gut sein, aber mit der christlichen Fastenzeit hat es zunächst einmal nicht wirklich viel zu tun.

Meinem Freund habe ich auf seine Frage, wie viel er jetzt jeden Tag beten muss, gesagt: Es geht nicht um die Menge; es geht um die Qualität, es geht um die Qualität der Beziehung.

Ja, in der Fastenzeit geht es um die Beziehung, um die Pflege der Beziehung. Es geht vor allem und zuallererst um die Beziehung zu Gott, und dann auch um die Beziehung zu meinen Mitmenschen und um die Beziehung zu mir selbst.

So heißt es auch in der Lesung, die wir soeben, gleich am Beginn der Fastenzeit, gehört haben, gleich am Anfang: „Kehrt um zu mir! Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen! Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum HERRN, eurem Gott!“

Das ist das Entscheidende: Zu Gott umzukehren, sich Ihm zuzuwenden, die Beziehung zu Ihm zu pflegen.

Er ist es, der sich Seinerseits immer neu den Menschen zuwendet, der die Menschen, der uns, der Dich und mich, sucht, uns nachgeht, so wie der Hirte, der ein Schaf verloren hat. Gott kann nicht glücklich sein, wenn wir nicht bei Ihm sind.

Mancher möchte jetzt vielleicht sagen: „Ja, ich hab mich ja gar nicht abgewendet von Gott. Warum soll ich mich neu Ihm zuwenden?“

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir alle immer wieder sündigen, dass wir alle immer wieder Sünder sind, dass wir alle immer wieder Sünde auf uns laden. In dem Wort Sünde steckt das „Sondern“ drinnen, das sich Absondern, das sich Entfernen, das sich Absondern von Gott. Und das sich Absondern zeigt immer etwas von einer gestörten Beziehung, von einer gestörten Beziehung zu Gott. So braucht es immer wieder neu eine Umkehr, einen Neubeginn.

Ich weiß schon: Viele werden jetzt sagen: „Was soll ich groß gesündigt haben? Ich hab niemanden umgebracht, ich hab nichts gestohlen, ich gehe brav in die Kirche, ich verrichte meine täglichen Gebete.“
„Ja“, könnte Gott sagen, „aber bist Du auch mit Deinem Herzen bei Mir, wenn Du betest? Bist Du mit Deinem Herzen bei mir, wenn Du Deinen Mitmenschen begegnest, dem Fremden, dem Asylsuchenden, der mühsamen Nachbarin, der kranken Mutter, dem lästigen Kind? Du sagst, Du hast nichts gestohlen. Teilst Du, was Du hast, mit denen, die am Verhungern sind oder kein Dach über dem Kopf haben? Teilst Du oder gibst Du Almosen, um Dein Gewissen zu beruhigen? Hilfst Du, wenn jemand Deine Hilfe braucht? Verzeihst Du, wenn Dich jemand gekränkt hat? Hast Du Zeit, wenn Dich jemand braucht, oder ist Dir da das Fernsehen wichtiger oder das Computerspielen oder sonst etwas?“

Überall da, wo wir uns von unseren bedürftigen Mitmenschen abwenden, wo sie zu kurz kommen, stimmt auch unsere Beziehung zu Gott nicht. „Was Ihr dem Geringsten meiner Brüder nicht getan habt, habt Ihr mir nicht getan!“

Darauf kommt es in der Fastenzeit an: Die Beziehung zu Gott zu pflegen. Das wirkt sich immer auch auf die Beziehung zu meinen Mitmenschen aus.

Ich kann keine gestörte Beziehung zu meinen Mitmenschen haben, wenn ich eine ungestörte Beziehung zu Gott haben will. Fastenzeit will Beziehungspflege sein.

Das Fasten, das Beten, das Teilen kann und will Hilfe sein, meine Beziehung zu Gott zu pflegen, diese Beziehung zu vertiefen, neu herzustellen.

Wenn ich faste, auf Unnötiges verzichte, spare ich Geld, das ich den Bedürftigen geben kann. Wenn ich faste und auf das Computerspielen verzichte oder auf das stundenlange Surfen im Internet, spare ich Zeit, die ich meinen Mitmenschen widmen kann. Oder ich spare Zeit, die ich mit Gott verbringen kann. Ich kann wieder einmal in der Heiligen Schrift lesen und neu erkennen, wie sehr Gott mich liebt. Ich kann mir Zeit zum stillen persönlichen Gebet nehmen und Gott erzählen, wie es mir geht. Und ich kann hinhören auf das, was Er mir sagt. Da wird meine Beziehung zu Gott wachsen und sich vertiefen und ich werde spüren, wie sehr Er, Gott, mich liebt.

Darauf kommt es eigentlich an, das, worauf ich verzichte, was ich einspare, sinnvoll zu nützen, mit dem Ersparten die Beziehung zu Gott und zu meinen Mitmenschen verbessern.

Schön, wenn ich dabei selber ein paar Kilo verliere oder meiner Gesundheit Gutes tu!
Wenn das auch nicht der eigentliche Sinn der Fastenzeit ist, ist es eine schöne Begleiterscheinung, die mich vielleicht noch mehr motiviert, zu fasten, umzukehren zu Gott.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gute und gesegnete Fastenzeit!

Mögen Sie neu spüren, wie sehr Gott Sie liebt! Und mögen Sie diese Liebe immer mehr beantworten können durch die Liebe zu Ihm, unserem Schöpfer, und zu denen, in denen Er uns täglich begegnet, in unseren Brüdern und Schwestern, besonders in denen, die unserer Hilfe bedürfen!


 


Dechant
KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer in Mank

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B, 17. Februar 2021

Lesung: Levitikus 13,1-2.43ac.44ab.45-46                    Evangelium: Markus 1,40-45

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 


Wie Sie vermutlich wissen, musste ich im November vergangenen Jahres 10 Tage in Quarantäne gehen, weil ich Kontakt zu einem Mann hatte, der mit dem Coronavirus infiziert war. Ich hab damals gleich einen Test gemacht, der - Gott sei Dank - negativ gewesen ist. Dennoch musste ich durch die zehntägige Quarantäne hindurch. Ich sag immer: Da bin ich mir vorgekommen wie ein Aussätziger. Ich musste die physische Begegnung mit anderen Menschen vermeiden, durfte das Haus nicht verlassen und niemanden bei mir empfangen. Obwohl ich wusste, dass ich gesund bin, bin ich mir wie ein Aussätziger vorgekommen.

Seither kann ich mir ein bisschen besser vorstellen, wie es den Aussätzigen ergangen sein muss, von denen uns die Evangelien berichten. Der Aussatz ist eine Hautkrankheit, die damit beginnt, dass sich Flecken auf der Haut bilden. Diese Körperstellen werden dann mit der Zeit gefühllos und sterben in der Folge ab, sodass man nach und nach die Gliedmaßen verliert oder die Nase oder die Ohren, je nach dem. Noch dazu ist diese Krankheit sehr ansteckend. Und: Zur Zeit Jesu gab es keine Heilung vom Aussatz. So kam es, dass man die mit dieser Krankheit Infizierten aus der Gesellschaft ausgeschlossen hat. Sie mussten außerhalb der Dörfer und Städte irgendwo in der Natur hausen und mussten jeden Kontakt mit den Mitmenschen vermeiden. Sie durften sich niemandem nähern, und sie durften niemanden an sich heranlassen.

Insofern geht es uns heute tatsächlich so ähnlich wie den Aussätzigen damals, wenn wir in Quarantäne müssen, abgesehen davon, dass wir nach wie vor im bequemen Bett zu Hause schlafen dürfen und auch sonst nicht wirklich etwas entbehren müssen außer den physischen Kontakt zu den Menschen. Ich hatte dafür viel Zeit zum Nachdenken, zum Lesen, zum Fernsehen, zum Beten. Bei all dem hab ich deutlich gespürt, wie weh es tut, wenn man zehn Tage lang mit niemandem direkten Kontakt haben darf. Und das, obwohl ich viel telefoniert habe oder mich mit den Mitmenschen per Mail oder Handy unterhalten konnte. Das haben die Aussätzigen zur Zeit Jesu alles nicht gehabt.

So unangenehm so eine Absonderung ist, so notwendig ist sie wohl auch, wenn nicht alle erkranken sollen. Um die Mitmenschen zu schützen, muss man die Unannehmlichkeiten einer Absonderung auf sich nehmen. Nicht zufällig ist schon in der Bibel verordnet, dass die am Aussatz Erkrankten abzusondern sind, dass sie sich absondern müssen. So hart das für die Betroffenen war, so notwendig war es wohl auch, um die Gesellschaft zu schützen. Heute ist es nicht viel anders. Es ist eine Verpflichtung, im Fall des Falles die Absonderung der Quarantäne auf sich zu nehmen. Ich sehe es auch als Verpflichtung, die Maske zu tragen, Abstand zu halten, unnötige Kontakte so gut es geht zu meiden. Je mehr wir uns daran halten, umso schneller werden wir die Pandemie besiegen.

Mit dieser Aussage steh ich nicht alleine da. Ich weiß mich in guter Gesellschaft mit unserem Papst Franziskus und mit unseren Bischöfen, die davon reden, dass wir als Christen ethisch dazu verpflichtet sind, alles uns Mögliche zu tun, um die Pandemie möglichst schnell zu überwinden.

Wenn manche meinen, man müsse sich nur auf Gott verlassen, so möchte ich sagen: Gott heilt auch durch die Hygienevorschriften und die verordneten Quarantänevorschriften, die uns die Vernunft vorgeben. Gott heilt auch durch die Ärzte, Gott heilt auch durch die Medizin, Gott heilt auch durch die Impfung.

Natürlich dürfen wir als Christen auch auf die Hilfe Gottes bauen und diese Hilfe erbitten. Wir dürfen Gott alles zutrauen, so wie der Aussätzige im Evangelium, der auf Jesus zugekommen ist. Er hat Jesus alles zugetraut, auch das Unmögliche, dass Er ihn vom Aussatz gesund machen kann. Jesus hat ihn nicht zurückgewiesen, Jesus ist ihm nicht aus dem Weg gegangen. Jesus hat ihn in seiner Verzweiflung an sich herangelassen. Und Er hat ihn tatsächlich geheilt.

So dürfen auch wir voller Zuversicht beten und bitten. Und die Kirche lädt uns dazu natürlich auch ein. Zugleich müssen wir alles uns Mögliche tun, damit wir die Pandemie möglichst schnell besiegen. Es gilt wie so oft: so zu beten, als ob alles von Gott abhinge, und so zu leben und zu handeln, als ob alles von uns abhinge. Beides, Gebet und vernünftiges, verantwortungsbewusstes Handeln ist notwendig und gottgefällig.
Bitten wir Gott, dass Er uns bald von dieser Pandemie mit all ihren unangenehmen Begleiterscheinungen befreien möge. Und bitten wir Ihn um Kraft und Vernunft, das Unsrige dazu beizutragen, dass die Pandemie tatsächlich bald zu Ende gehen kann!

 


 


Dechant
KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer in Mank

 

 

 

 

 

 

 

Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B, 7. Februar 2021

Ijob 7,1-4.6-7                                                                 Evangelium Markus 1,29-29

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 


In diesem Kalenderjahr 2021 wird uns das Markusevangelium verkündet. An den vergangenen Sonntagen haben wir gehört, wie Jesus Jünger berufen hat, wie er einen Besessenen in der Synagoge in Kapharnaum geheilt hat; und heute wird uns berichtet, wie er viele Kranke heilt.

Markus erzählt uns das nicht um der Sensation willen, so wie man uns in den Zeitungen Tag für Tag kleinere oder größere Sensationen erzählt. Markus berichtet uns die verschiedenen Begebenheiten aus dem Leben Jesu, weil er zeigen will, wie Gott zu den Menschen ist, wie er sich durch seinen Sohn der Menschen erbarmt – damals und heute. Markus berichtet uns die verschiedenen Begebenheiten, weil er unseren Glauben stärken will, weil er uns sagen will, wie Gott auch heute an den Menschen handelt.

So hören wir: Wie Jesus im Haus des Petrus und seines Bruders Andreas zu Gast war, lag die Schwiegermutter des Petrus mit Fieber im Bett. Wie sie über sie reden, geht Jesus zu ihr, nimmt sie an der Hand und richtet sie auf. Er berührt sie, und sie wird gesund – sofort und ganz, so gesund, dass sie aufsteht, ihren häuslichen Pflichten nachgeht und für Petrus und seinen Gast, Jesus, sorgt.

So einfach geht das. Jesus berührt einen Menschen, und er wird heil. Jesus reicht einem Menschen die Hand, und er wird gesund.

Weiters berichtet Markus: Am Abend werden alle Kranken und Besessenen zu Jesus gebracht, und er heilt viele, die an allen möglichen Krankheiten leiden, und er treibt viele Dämonen aus. So, sagt uns Markus, handelt durch Jesus Gott an den Menschen – damals und heute.

Markus will uns sagen: Wer von Jesus berührt wird, wird heil, wird gesund, bekommt neue Kraft.

Das darf ich immer wieder erleben, wenn ich kranke Menschen besuche und ihnen die heilige Kommunion bringe oder die Krankensalbung gebe. Ich erinnere mich, wie mein erster Chef, Pfarrer Buchberger in Gmünd, vor einer schweren Krebsoperation gestanden ist. Es war nicht seine erste Operation, und es ging um Leben und Tod. Er war unruhig und hatte, wie alle anderen Menschen auch, große Angst. Da durfte ich, ein junger Priester, ihm die Krankensalbung geben. Ich glaube, es war die erste Krankensalbung, die ich  überhaupt gegeben habe. Nach dem Empfang der Sakramente war er ruhig und gelassen. Er ist von Jesus berührt worden. Er hat sich ihm anvertraut. Und Jesus hat ihn aufgerichtet und ihm neue Kraft, neue Zuversicht, Ruhe und Frieden geschenkt. Ähnliche Erfahrungen mache ich immer wieder; dass Menschen nach dem Empfang der Krankensakramente Ruhe finden, neue Kraft und Zuversicht. Auch wenn sie körperlich nicht geheilt werden, erfahren sie eine große innere Heilung, inneres Heil. Die selbe Erfahrung machen viele schwer Kranke, die nach Lourdes fahren oder sonst an einen Wallfahrtsort. Auch wenn sie körperlich nicht geheilt werden, erfahren sie Heilung und Heil.

All das will uns alle ermutigen, liebe Mitchristen. Wenn Sie selber krank sind, wenn sie körperlich oder auch seelisch darniederliegen, bitten Sie doch immer wieder voll Vertrauen den Herrn um seine Nähe. Bitten Sie ihn, dass er auch Sie berühren möge. Strecken Sie sich aus nach ihm und halten Sie ihm Ihre Hände entgegen, damit er auch Sie berühren und aufrichten möge.

Interessant ist im Evangelium auch, dass Markus berichtet, dass man alle Kranken und Besessenen zu Jesus gebracht hat. Angehörige, Freunde, Verwandte haben die Kranken geschnappt und zu Jesus hingebracht. Auch das ist Einladung, dasselbe zu tun. Wenn Sie Kranke haben in Ihrer Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, bringen Sie sie zu Jesus. Tragen Sie die Kranken im Gebet hin zu Jesus, dem Heiland, dem Arzt. Und lassen Sie den Priester kommen, damit er ihnen im Namen Jesu die Hände auflegt und das Heil Gottes für sie erbittet.

Da hört man oft den Einwand: Ja, wenn wir zu unseren Kranken den Priester rufen, glauben sie gleich, sie müssen sterben. Glauben Sie mir, wenn ein Kranker sterben muss, spürt er es so und so, ob der Priester kommt oder nicht. Die Kranken wissen meist selber am besten, wie es um sie steht, auch wenn sie es vielleicht nicht sagen. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kranker durch die Aufregung gestorben ist. Ich habe aber immer wieder erlebt, wie Menschen durch die Krankensalbung tatsächlich aufgerichtet werden und mit neuer Kraft und einem tiefen Frieden beschenkt werden. Wir sollten ihnen das nicht vorenthalten

Das Evangelium lädt uns ein: Tragen Sie die Kranken hin zu Jesus. Lassen sie Jesus hin zu ihnen. Haben Sie den Mut und das Vertrauen, dass Gott auch Ihre Kranken aufrichten und mit seinem Heil beschenken wird.

Ich möchte in diesem Zusammenhang erwähnen, dass wir in unserer Pfarre regelmäßig die Kranken besuchen, um ihnen die heilige Kommunion zu bringen oder auch die Krankensalbung zu spenden. Wenn Sie in Ihrer Familie, in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis kranke oder alte Mitmenschen kennen, die nicht mehr in die Kirche kommen können, melden Sie das bitte im Pfarramt, und wir werden gerne auch zu diesen Leuten kommen.

Ich denke: Mehr können Sie für Ihre kranken Angehörigen nicht tun, als dass Sie sie immer wieder im Gebet zu Jesus tragen und die Begegnung Jesu in den Sakramenten vermitteln.

Er ist es, der Heil schenkt und Heilung für Leib und Seele.

 


 

KR Mag. Wolfgang Reisenhofer

Pfarrer in Mank