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Gedanken zur Woche 20, Dr. Matthias Martin

Mit den drei, knapp bis sehr knapp formulierten, Gleichnissen werden wir im Sonntagsevangelium nach der bei uns üblichen Leseordnung wieder einmal in Richtung Landwirtschaft einschließlich Fischerei gewiesen. Beide Tätigkeitsfelder gehören ja zum Primären Bereich der Volkswirtschaft, in welchem bis zur Industriellen Revolution der ganz überwiegende Teil der beruflich aktiven Menschen beschäftigt war. 
So ist es leicht nachvollziehbar, dass die Landwirtschaft einschließlich damit verbundene und oft nicht zu trennende Bereiche wie Garten- und Weinbau, Fortwirtschaft und Fischerei in der Bibel immer wieder Stoff für Gleichnisse wie den allgemeineren Handlungshintergrund abgeben. Dementsprechend passt es in größere Bild biblischer Überlieferung, dass wir mit dem ersten Gleichnis auf den Ort landwirtschaftlicher Arbeit schlechthin hingewiesen werden: den Acker. So geht es hier um einen Schatz, der in einem Acker vergraben war und den ein Mann dort entdeckte. Beim dritten Gleichnis werden wir zur Fischerei hingeführt. Da wird ja das Himmelreich mit einem Netz beim Fischfang verglichen.
Es mag uns in den Sinn kommen, dass im Schlusskapitel des Johannesevangeliums der auferstandene Herr Jesus Christus den Jüngern am See von Tiberias erscheint, als diese beim Fischfang sind. Nachdem die beteiligten Jünger in der vorgehenden Nacht als der eigentlich typischen Zeit für das Fischen nichts gefangen hatten, sind sie nach dieser Erzählung in Anwesenheit des Auferstandenen höchst erfolgreich. Im Anschluss an ein Essen erfolgt dann die besondere Beauftragung des Simon Petrus in ihrer dreifachen Form. Simon Petrus war selber ein Fischer, also ein Mann aus ganz einfachen Verhältnissen, wie natürlich sein Bruder, der Apostel Andreas, auch.      
So heißt e zur Berufung dieser beiden ersten Apostel, wie auch der beiden als nächstes berufenen, im Matthäusevangelium:

„(4,18) Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas;
sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer.
(19 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach!
Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
(20) Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.
(21) Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder,
Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes;
sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her.
Er rief sie (22) und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach“.

Im Markus- und im Lukasevangelium finden wir eine sehr ähnliche, eine parallele Erzählung. Für so wichtig wurde offensichtlich diese Berufung einfacher Fischer eingestuft! Besonders eindrücklich ist für viele Menschen, dass es zu Weihnachten einfache Hirten waren, welche den Weg zur Krippe fanden. Man muss sich hier vergegenwärtigen, dass die Lebenssituation solcher Hirten damals nichts mit irgendwelcher Hirtenromantik zu tun hatte. Diese Hirten standen in der gesellschaftlichen Rangordnung weit unten, manche sagen, ganz unten. Aber gerade ihnen wird durch den Engel der Weg zu Krippe gewiesen, nicht Vertretern „besserer“ Kreise, nicht Sprösslingen „feiner“ Familien. Zumindest ist es so im Lukasevangelium nachzulesen. Oder denken wir an den Jakobusbrief mit seiner Warnung vor der Bevorzugung der Reichen in ihrer prächtigen Kleidung und mit goldenen Ringen und seiner Verurteilung jeder Geringschätzung der Armen. Dabei beginnt das Eintreten für die Geringgestellten schon ganz vorne im Alten Testament, dem Ersten Testament. Für menschenwürdigen Lebensunterhalt auch der Armen und dass deren Rechte nicht verletzt werden dürfen wird dort bereits Stellung bezogen. Solches finden wir schon in den Büchern Mose.
Ganz anders ist immer wieder schon im Alten Testament die Position gegenüber den Höhergestellten in der Gesellschaft. Heftig wird die gesellschaftliche Oberschicht gerade im Buch Amos kritisiert und ihr so etwas wie ein göttliches Strafgericht angedroht. In anderen Büchern des Alten/Ersten Testaments wird vor der Einführung des Königtums gewarnt und wird immer wieder das Fehlverhalten eines Monarchen offen angesprochen, ja angeprangert. Davon wird auch Salomon nicht ausgenommen, welcher in der ersten Sonntagslesung eigentlich noch gut wegkommt. So heißt es im selben Ersten Buch der Könige, dass Salomon unter dem Einfluss ausländischer, anderen Kulten zugeneigter, Frauen dem einen Gott Israels die Treue gebrochen habe. Schon im Ersten Buch der Könige heißt es dazu scharf:

„(10,9) Der Herr aber wurde zornig über Salomo,
weil er sich sein Herz von ihm, dem Gott Israels, abgewandt hatte,
der ihm zweimal erschienen war
(10) und ihm verboten hatte, fremden Göttern zu dienen.
Doch Salomo hielt sich nicht an das,
was der Herr von ihm verlangt hatte“.

Später war es dann wieder ein König, der berüchtigte Herodes, welcher die Bezeichnung „der Kindermörder von Bethlehem“ erhielt.   
Die Bibel macht also immer wieder deutlich, dass Menschen aus einfachen Verhältnissen mit Respekt und Aufgeschlossenheit zu begegnen, bei sogenannten besseren Kreisen, etwa königliche Herrschaften, eine kritische Haltung angesagt ist.

1. Lesung: 1 Kön 3,5.7-12
2. Lesung: Röm 8,28-30
Evangelium: Mt 13,44-52

 

 

Gedanken zur Woche 20-b, Dr. Matthias Martin

Der bei uns übliche liturgische Kalender weist uns in dieser Woche auf einen  eigenen, gewichtigen Bereich des kirchlichen Lebens hin, den des Ordenslebens, auf die zahlreichen Ordensgemeinschaften und ordensähnlichen Gemeinschaften. So wird zumindest auf regionaler Ebene am 27. Juli des verehrten Abtes von Garsten, Berthold, gedacht. Später in der Woche stehen der heilige Ignatius von Loyola und der heilige Alfons von Liguori auf dem Programm.
Beide sind Ordensgründer. Verfolgte der heilige Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert zunächst eine militärische Karriere in den sich allmählich zum Staat Spanien vereinigenden Königreichen der Iberischen Halbinsel außerhalb Portugals, so wurde er schließlich zum Gründer des Jesuitenordens. Im 18. Jahrhundert wirkte der heilige Alfons von Liguori. Mit dem damals so bedeutenden Königreich Neapel als Ausgangspunkt schuf er die „Kongregation des allerheiligsten Erlösers“, oft Redemptoristen genannt. Rasch verbreitete sich die neue Gemeinschaft in den dem Königreich Neapel benachbarten Kirchenstaat und von dort in weitere Gebiete hinein.  
Ob eine einzelne selbstverwaltete Abtei im damaligen Ersten Deutschen Reich, ob der Jesuitenorden, die Redemptoristen oder eine andere ordensähnliche oder Ordensgemeinschaft, jede von diesen hat ihr eigenes Profil, zeichnet sich durch ganz besondere Akzente aus. Nach den massenhaften zwangsweisen Klosterauflösungen unter dem Habsburgerherrscher Joseph II. mit den sehr oft übersehenen Klosterauflösungen unter seiner Mutter Maria Theresia als Vorspiel und dann den Verheerungen der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege kam es im 19. Jahrhundert zu einer beeindruckenden Erneuerung des Ordenslebens. Zahlreiche neue Gemeinschaften wurden gegründet, gerade solche für Frauen. Solche Ordensgemeinschaften wirkten vielfältig mit ihren jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten, sei es in der Mission, im Bildungswesen, in den verschiedenen Zweigen sozialer Tätigkeit. Erneute Angriffe auf Klöster noch während des 19. Jahrhunderts nicht zuletzt in Spanien, der Kulturkampf in Mitteleuropa und die fortwährende Diskriminierung der Katholikinnen und Katholiken im britischen und im russischen Machtbereich konnten diesen beeindruckenden Aufwärtstrend nicht brechen. So konnten sich gerade auch Jesuiten- und Redemptoristenorden sehr ausdehnen. Der Aufschwung des Ordenswesens dauerte bis ins 20. Jahrhundert hinein fort, Verfolgungen samt Zwangsauflösungen etwa in Frankreich ab 1901 zum Trotze.

Die Bedeutung des Ordenswesens wurde dadurch bestätigt, dass das von 1962-1965 tagende II. Vatikanische Konzil dem Ordenswesen ein eigenes Dekret widmete. Es wird nach seinen lateinischen Anfangsworten „Perfectae caritatis“ und gehört zu den recht wenig kritisierten Ergebnissen dieser Kirchenversammlung, ist aber doch irgendwie ziemlich in Vergessenheit geraten. Liest man den Text dieses Konzilsdekretes, so gewinnt man den Eindruck, dass seine Erarbeitung von einem großen Optimismus getragen wurde. Als das große Ziel wurde die „zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens“ angegeben. Die Eigenheiten der jeweiligen „Ordensgemeinschaften sowie . . . der Gesellschaften des gemeinsamen Lebens ohne Gelübde und der Weltinstitute“ (1. Artikel)wurden anerkannt. Immer wieder wird deutlich, dass es eine Vielfalt und Vielzahl solcher Gemeinschaften gibt. So ist in dem Dekret davon die Rede, dass es „die gänzlich auf die Kontemplation hingeordneten Institute <gibt>, deren Mitglieder in Einsamkeit und Schweigen, anhaltendem Gebet und hochherziger Buße für Gott allein da sind“ (7. Artikel). Etwas später heißt es: „Zahlreich sind in der Kirche die Kleriker- und Laieninstitute, die sich mannigfachen apostolischen Aufgaben widmen. Ihre Gaben sind verschieden gemäß der ihnen verliehenen Gnade. . . . In diesen Instituten gehören die apostolische und die caritative Tätigkeit zum eigentlichen Wesen des Ordenslebens“ (8. Artikel). Insgesamt stellt dieses Dekret über das Ordenswesen einen noch heute lesenswerten Text dar.

Es ist aber eine Tatsache, dass das Ordenswesen sich seit Jahrzehnten in einer dramatischen Krise befindet. Papst Franziskus hat dies längst in deutlichen Worten thematisiert und die Deutsche Ausgabe der offiziellen Zeitung des Vatikans, des Osservatore Romano, hat diese seine Worte eigens wiedergegeben. Schon vorher ließ der damalige Kardinal Joseph Ratzinger und spätere Papst Benedikt XVI. in dem theologischen Bestseller „Zur Lage des Glaubens“ als drastisches Beispiel für die Krise des Ordenslebens festhalten:

„Tatsächlich war noch vor zwanzig Jahren, zu Beginn der sechziger Jahre, Quebec die Region mit den meisten Ordensfrauen, bezogen auf die Einwohnerzahl von sechs Millionen. Zwischen 1961 und 1981 sind die Ordensfrauen infolge von Austritten, Todesfällen und Stagnation des Nachwuchses von 46933 auf 26294 zurückgegangen. Also ein Schwund um 44 Prozent, und es ist noch kein Ende abzusehen. Die neuen Berufungen sind im gleichen Zeitabschnitt immerhin um gut 98,5 Prozent zurückgegangen“.

 

Tatsächlich ist dieser Schrumpfungsprozess des Ordenslebens in dem mehrheitlich französischsprachigen und Quebec genannten Teil Kanadas weitergegangen. Inzwischen zeichnete die Bischofskonferenz der USA zusammen mit dem Dachverband der meisten dortigen Frauenorden ein ungeschminkt drastisches Bild. Die Beispiele ließen sich fortsetzen. Möge das Gedenken an Ordensleute wie den Abt Berthold, den heiligen Ignatius von Loyola und den heiligen Alfons von Liguori zumindest das Interesse am Ordenswesen wieder etwas fördern.

 

Gedanken zur Woche 19, Dr. Matthias Martin

 

Es sind wohl zwei der bekannteren biblischen Gleichnisse, welche uns in der ungekürzten Fassung des Evangeliums zum 16. Sonntag im Jahreskreis geboten werden. Handelt es sich beim ersten dieser beiden Gleichnisse doch um das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und beim zweiten um das Gleichnis vom Senfkorn. Abgerundet werden diese durch das vielleicht nicht so bekannte, aber auch höchst bemerkenswerte Gleichnis vom Sauerteig oder Gleichnis von der Frau und dem Sauerteig, einer anschließend stark auf das Alte Testament hinweisenden Überleitung und dann eine eigene Deutung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen.

Um die Aussageabsicht dieser Gleichnisse besser verstehen zu können, solche Bibelstellen in das größere Ganze christlicher oder auch jüdisch-christlicher Überlieferung einordnen zu können, ist es gut, wenn man sich zumindest etwas den sozio-kulturellen Hintergrund vergegenwärtigt, den geschichtlichen Zusammenhang in den Blick nimmt. So wurde sicher nicht umsonst, schon in den ersten christlichen Jahrhunderten noch vor der Konstantinischen Wende, in der Kirche Wert auf eine Ausbildung nicht zuletzt in Geschichte und Philosophie gelegt. Auf je eigene Weise wurde diese geistig-intellektuelle Ausrichtung bestätigt in neuerer Zeit beispielsweise durch das V. Laterankonzil, welches von 1512 bis 1517 tagte und durch das mit Unterbrechungen von 1545 bis 1563 tagende Konzil von Trient. Es war dann das I. Vatikanische Konzil von 1869 bis 1870, welches die Behauptung, nur der Glaube habe zu zählen und der Vernunft komme nicht ihre eigene Bedeutung zu, ausdrücklich verurteilte. In Hinblick auf die Unverzichtbarkeit von Geschichtskenntnissen hat die Wochenzeitung der Diözese St. Pölten KIRCHE BUNT in ihrer Ausgabe vom 10. Mai 2020 eigens auf mich mit meinem Herkommen und Wirken hingewiesen. Dabei wurde mein Hinweis auf das II. Vatikanische Konzil berücksichtigt, wie dieses mit seiner Tagungszeit von 1962 bis 1965 den Wert historischer Kenntnisse noch einmal verdeutlichte. Man mag natürlich auch an den heiligen Papst Pius X. denken, wie er in seiner heftigen Auseinandersetzung mit damaligen Geistesströmungen und der Politik in Frankreich mahnte, dass ohne solide Kenntnisse in Philosophie und eben auch in Geschichte keine ernstzunehmende Theologie möglich sei.

Da wird es dann eben umso verständlicher, dass die beiden ersten Gleichnisse im Sonntagsevangelium aus dem Bereich der Landwirtschaft und das dritte aus der Haushaltsarbeit genommen sind. So waren bis zur Industriellen Revolution die allermeisten Menschen in der Landwirtschaft tätig, einschließlich damit verbundenen und nicht wirklich zu trennenden Bereichen wie Garten- und Weinbau, Forstwesen und Fischerei.
Haushaltsarbeit gab es schon, als die Menschen noch in Höhlen in wohnten, unsere Vorfahren also noch überwiegend Höhlenmenschen waren. Dies gilt, egal ob unsereiner und unsereine heutzutage etwas mehr oder weniger Erbgut von Cro-Magnon-Menschen, von Neandertalern bis hin zu Denisova-Menschen mit sich herumträgt. 
Das mit der heute sogenannten Hausarbeit, lange eigentlich Höhlenarbeit, setzte sich dann fort, als immer mehr Menschen in Häusern gleich welcher Bauweise wohnten. Natürlich gab es bis vor vergleichsweiser kurzer Zeit noch keine elektrischen Geräte im Haushalt, was das Gleichnis vom Sauerteig bzw. der Frau und dem Sauerteig unterstreicht.

Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass in dem einem Gleichnis, dem vom Unkraut unter dem Weizen, ein Mann der im guten Sinne der Haupthandelnde und beim anderen, dem vom Sauerteig, eine Frau die Haupthandelnde ist. Damit haben wir bei dieser Gruppe von Gleichnissen bereits eine eigene Frauenquote von 50 Prozent! Das überrascht aber nicht, wenn wir uns bewusst sind, dass schon im Alten Testament, dem Ersten Testament, ganze biblische Büchern nach Frauen benannt wurden und überhaupt Frauen immer wieder als bedeutende Handlungsfiguren auftreten.

Natürlich spricht es für die innere Kraft solcher Gleichnisse, dass sie auch nach rund 2000 Jahren immer noch Menschen eine Motivation vermitteln können. Das ist ja eine offenkundige Tatsache für Menschen über ethnische, sprachliche und politische Grenzen hinweg, egal ob bestimmte Menschen in diesen oder jenen Wohnverhältnissen leben.

 

1. Lesung: Weish 12,13.16-19
2. Lesung: Röm 8,26-27
Evangelium: Mt 13,24-43

 

 

 

Gedanken zur Woche 19-b, Dr. Matthias Martin

 

Nach dem bei uns heutzutage üblichen liturgischen Kalender gedenkt die Kirche in der 16. Woche im Jahreskreis einer Reihe ganz bemerkenswerter Heiliger. Natürlich verdient jede und jeder dieser Heiligen Beachtung und jede und jeder von ihnen kann uns bestimmte Akzente glaubwürdig gelebten Christseins verstehen helfen. 
Dabei ist es eine Tatsache, dass die Päpste der jüngsten Zeit gerade die Bedeutung zweier bestimmter heiliger Frauen herausgestrichen haben.

Da ist zum einen die heilige Maria Magdalena. Sie wird in der Bibel, genauer dem Neuen, dem Zweiten, Testament ausdrücklich erwähnt als eine starke Persönlichkeit, welche entschlossen war, dem Herrn Jesus Christus zu folgen und ihn in seinem Wirken zu unterstützen. In „Gedanken zur Woche V“ und „Gedanken zur Woche XI“ wurde bereits angeschnitten, dass schon in der frühen Zeit die heilige Maria Magdalena mit dem Ehrentitel „Apostelin der Apostel“ bedacht wurde. Ja mitunter wurden in den frühen Jahrhunderten der Christenheit insgesamt die Frauen, die wie die heilige Maria Magdalena in der Früh des Ostermorgens zum Grab des Herrn aufbrachen „Apostelinnen der Apostel“ genannt. Papst Franziskus hat es nun unternommen, den bei sehr vielen Menschen in Vergessenheit geratenen Ehrentitel der heiligen Maria Magdalena, „Apostelin der Apostel“, wieder zu Bewusstsein zu bringen. In heutigen geschichtsvergessenen Zeiten, wo man sich oft des eigenen kulturellen Erbes nicht annähernd bewusst ist, stieß dieser Schritt des Papstes auf Überraschung. Alle möglichen Leute und nicht zuletzt in den Medien sich verbreitende Zeitgenossen und Zeitgenossinnen meinten, welch revolutionären Schritt da der Papst doch gesetzt hätte. Die freudige bis wutentbrannte Erregung in gewissen Kreisen war aber überflüssig. Tatsächlich hatte Papst Franziskus ja nur wieder ein Element altkirchlich bezeugter Überlieferung wieder deutlich gemacht. So sehr man diesen Schritt begrüßen kann als Beitrag zur Pflege christlichen Erbes und zum Abbau von Missverständnissen, so bedeutete er nichts revolutionär Neues in der Sache. Interessanterweise waren es mitunter betont traditionsorientierte Katholikinnen und Katholiken gewesen, die sich in unaufgeregter Weise erfreut über diesen Schritt zur erneuerten Würdigung der heiligen Maria Magdalena äußerten.

Ebenso verdient natürlich auch die heilige Birgitta von Schweden, deren in dieser Woche im Jahreskreis gleichfalls gedacht wird, Ehre und Beachtung. War die heilige Birgitta zunächst verheiratet und wurde Mutter von acht Kindern, so wurde sie nach dem Tod ihres Ehemannes selber Ordensgründerin. In ihrer Ordensregel entwarf die heilige Birgitta das Konzept eines Doppelklosters für Frauen und Männer, bei dem die Gesamtleitung der jeweiligen Äbtissin zustehen sollte. Manch eine und manch einer mag sich in diesem Zusammenhang an die starke Stellung erinnern, die Reichsäbtissinnen im Ersten Deutschen Reich innehaben konnten. Damit des guten bei der heiligen Birgitta aber noch nicht genug. Sie setzte sich energisch für eine Rückkehr des Papsttums aus dem unter französischem Einfluss stehenden, wenn auch damals noch lange nicht zum französischen Staatsgebiet gehörenden Avignon, nach Rom ein. Im Jahr 1999 wurde die heilige Birgitta von Schweden zusammen mit der heiligen Katharina von Siena und der heiligen Edith Stein, Ordensnamen Theresia Benedicta vom Kreuz, zur Patronin Europas erhoben. Jede dieser drei Patroninnen Europas hat ihre eigene Aussagekraft, ihren jeweiligen Zeugnischarakter. Alle drei verdeutlichen, welch enorme Bedeutung Frauen schon vor Jahrhunderten in der Kirche und von da ausgehend mitunter überhaupt in der Gesellschaft haben konnten. Die heilige Birgitta von Schweden ruft dazu in Erinnerung, dass Schweden einmal ein katholisches Land war. Die vom dortigen Königtum durchgesetzte Reformation änderte dies, ähnlich wie in den anderen skandinavischen Ländern. Es hat aber gerade in Teilen Schwedens sehr lange gedauert, bis unter massivem Einsatz staatlicher Gewalt, katholisches Leben wirklich zerstört war. Interessante Elemente katholischen Erbes haben sich aber in Schweden erhalten, so etwa in der Liturgie und in Aspekten der Kirchenverfassung der offiziellen lutherischen Landeskirche. Nicht zuletzt trägt die schwedische Nationalfahne weiterhin das christliche Kreuz. Dies gilt auch für Nationalfahnen der anderen Staatswesen in Skandinavien: Finnland, Norwegen, Dänemark, den Ålandinseln, Island und Färöer. Bei den Mitgliedern zwischenstaatlichen Zusammenschluss des Nordischen Rates hat lediglich Grönland kein Kreuz auf der Nationalfahne, anders als die bereits genannten Mitgliedsstaaten. Grönland gehört aber eigentlich schon zu Nordamerika und nicht zu Skandinavien. Seine schrittweise Emanzipierung von der Kolonialmacht Dänemark schuf aber auch hier gerade für die katholische Kirche erneute Möglichkeit. Das Fest der heiligen Birgitta mag uns anregen, immer wieder auch der Katholikinnen und Katholiken weiter im Norden zu gedenken.

 

 

Gedanken zur Woche 18, Dr. Matthias Martin

 

Es ist wohl eines der bekannteren Gleichnisse aus der Bibel und speziell dem Neuen, dem Zweiten Testament, welches uns die übliche Leseordnung im deutschen Sprachraum für den 15. Sonntag im Jahreskreis bietet. Es ist schließlich das Gleichnis vom Sämann bzw. das Gleichnis vom Sämann und der Saat. Dass hier das Gleichnis aus dem Bereich der Landwirtschaft genommen ist, ist kein Einzelfall. Sprachliche Bilder, Vergleiche aus der Landwirtschaft einschließlich aus dem Weinbau begegnen uns immer wieder im Neuen Testament, mitunter auch schon im Alten Testament, dem Ersten Testament in der Bibel. Wir mögen da im Neuen Testament an das Gleichnis vom Baum denken, der bisher keine Früchte trug und den sein Eigentümer zunächst umhauen lassen will oder an das Gleichnis vom Weinberg und den bösen Winzern. Kurz nach dem Gleichnis vom Sämann und der Saat findet sich wie dieses im Matthäusevangelium das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und im unmittelbaren Anschluss daran das Gleichnis vom Senfkorn. Das Gleichnis vom Sämann bzw. vom Sämann und der Saat ist so wichtig, dass eine eigene Deutung dazu im fortlaufenden Text des Matthäusevangeliums geboten wird.         
Es finden sich wie gesagt auch schon Gleichnisse im Alten Testament, also dem Ersten Testament, wie das Gleichnis vom Bauern im Buche Jesaja und mehr als jeweils ein Gleichnis in den Prophetenbüchern Ezechiel und Jeremia. In diesem Sinne wird uns beispielsweise auch etwas im Buche Jesus Sirach geboten.  
Für gleichnishafte Rede als besonders eindrücklich haben Menschen immer wieder die Erzählung, die Fabel von der Versammlung der Bäume empfunden, die wir im Buch der Richter finden. Geboten wird hier im neunten Kapitel eine bildhaft-poetische Warnung vor der Einführung der Monarchie, welche es im Volk des Alten Bundes, bei den Israeliten, anders als bei den Heidenvölkern zunächst nicht gab und von der bereits vorher in der Bibel eine Abgrenzung vorgenommen wurde:

„(7) . . . Hört auf mich, ihr Bürger von Sichem, damit Gott auf euch hört!
 (8) Einst gingen die Bäume hin, um sich einen König zu salben,
und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König!
(9) Der Ölbaum sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon mein Fett aufgegeben,
das Götter und Menschen an mir ehren,
und werde hingehen, um über den Bäume zu schwanken?
(10) Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: Geh du hin, sei unser König!
(11) Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon meine Süßigkeit
und meine guten Früchte aufgegeben und werde hingehen, 
um über den Bäumen zu schwanken?
(12) Da sagten die Bäume zum Weinstock: Geh du hin, sei unser König!
(13) Der Weinstock sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon meinen Most aufgegeben,
der Götter und Menschen erfreut, und werde hingehen, 
um über den Bäumen zu schwanken?
(14) Da sagten alle Bäume zum Dornenstrauch: Geh du hin, sei unser König!
(15) Der Dornenstrauch sagte zu den Bäumen:
Wenn ihr mich wirklich zu eurem König salben wollt, kommt,
bergt euch in meinem Schatten!
Wenn aber nicht, dann soll vom Dornenstrauch Feuer ausgehen 
und die Zedern des Libanon fressen“.

Zum König steigt also in dieser gleichnishaften Erzählung der übelste der möglichen Kandidaten auf. Es ist dabei bemerkenswert, dass auch hier die sprachliche Darstellung aus dem Bereich Landwirtschaft einschließlich Weinbau genommen ist. Dabei ist zu bedenken, dass in früheren Zeiten rund vier Fünftel der Bevölkerung in diesem Bereich tätig waren. Heute sind das in westlichen Industrieländern mitunter nur noch zwei bis drei Prozent. Es kann also nicht mehr von so etwas einer spontanen Verständlichkeit beim allergrößten Teil der Bevölkerung ausgegangen werden. Schon während meines Studiums erfuhr ich mehr als einmal, dass etwa Schulkinder sich bei einem Unterrichtsausgang wunderten, dass die Kühe gar nicht lila seien, wie sie das bei der Werbung für eine Schokoladenmarke gesehen hatten!

So stellt es natürlich gerade in unseren Zeiten eine Herausforderung dar, den Inhalt, die Aussageabsicht von Teilen der Bibel den Menschen nahezubringen und selber in diesem Sinne offen zu sein. Es gilt, dies bei sich selber und im Rahmen kirchlicher Gemeinschaft positiv und engagiert aufzugreifen.

 

1. Lesung: Jes 55,10-11
2. Lesung: Röm 8,18-23
Evangelium: Mt 13,1-23

 

 

Gedanken zur Woche 18-b, Dr. Matthias Martin

Gerade für die Menschen im deutschen Sprachraum, aber auch sonst in der Welt, mag ein Blick auf das von der katholischen Kirche als heilig verehrte Kaiserehepaar Heinrich II. und Kunigunde von Interesse sein.

Da ist zum einen der Umstand bemerkenswert, dass ein Ehepaar, die beiden Ehepartner gemeinsam, als Heilige verehrt werden. Dies verdeutlicht die große Wertschätzung, welche die Ehe im Allgemeinen in der jüdisch-christlichen Überlieferung und im Besonderen in der katholischen Kirche genießt. Die ersten Menschen in der Bibel werden uns im Buche Genesis als Ehepaar vor Augen gestellt. Dort können wir auch die interessante Formulierung lesen:

(3,20) Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen“.

Das ist ja eine ganz starke Würdigung für den weiblichen Teil des ersten Ehepaares im Text der Bibel! Thematisiert wird das richtige Verhalten in Ehe und Familie dann eindrücklich in den Zehn Geboten. In alttestamentlichen Büchern wie Rut, Tobit und Jesus Sirach wird zum einen der Wert guten Ehe- und Familienlebens und zum anderen gerade die Bedeutung einer guten, engagierten Ehefrau herausgestellt. Dies setzt sich im Neuen Testament, dem Zweiten Testament in der Bibel, fort.

In Treue zur Heiligen Schrift hat dann die Katholische Kirche namentlich die Gleichrangigkeit beider Ehepartner, Frau und Mann, stets verteidigt. Wie schon in „Gedanken zur Woche 16“ angeschnitten, verdient diesbezüglich etwa das IV. Laterankonzil noch heute Beachtung. Dass eine Eheschließung nur dann gültig ist, wenn ihr beide Partner aus freien Stücken zustimmen, sich in Freiheit füreinander entscheiden, wurde kirchlicherseits über die Jahrhunderte immer wieder betont. So hielt bereits im Jahre 866, also Jahrhunderte vor dem IV. Laterankonzil, Papst Nikolaus I., mitunter genannt „der Große“ fest:

„Nach den Gesetzen soll allein die Einwilligung derer genügen, um deren Verbindung es sich handelt; wenn bei Hochzeiten allein diese Einwilligung fehlen sollte, so ist alles übrige, auch wenn es mit dem Beischlaf selbst begangen wurde, vergebens, wie der große Lehrer Johannes Chrysostomus bezeugt, der sagt:  ‘Die Ehe macht nicht der Beischlaf, sondern der Wille‘“.

Es ist wird hier deutlich, dass es stets gleichrangig um den freien Willen der Frau wie des Mannes geht! Der von Papst Nikolaus I. so ehrenvoll angeführte Johannes Chrysostomus wirkte vom Vierten zum Fünften Jahrhundert auch als Kritiker des oströmischen Kaiserhofes und wird als Kirchenvater verehrt.         
Im Jahre 1439 bezeichnete dann ganz in diesem Sinne das Konzil von Florenz „die gegenseitige Zustimmung“ als die „Wirkursache der Ehe“. Das Konzil von Trient betonte seinerseits in scharfen Worten, dass es diese freie Zustimmung beider Ehepartner ist, welche die Gültigkeit der Eheschließung bedingt. Die Betonung der Gleichberechtigung der Ehefrau wird auch daran ersichtlich, dass das Konzil von Trient ausdrücklich die Behauptung verurteilte, ein christlicher Mann dürfe mehrere Frauen haben. Die Gleichberechtigung von Frau und Mann bei der Ehe und Eheschließung fand passendweise auch Eingang in das neue Kirchenrecht in Gestalt des Codex Iuris Conici von 1983. Jeder Versuch der Zwangsverheiratung einer Frau oder sogenannter Brautkauf ist abzulehnen und dies nicht zuletzt auch im Sinne der heiligen Kunigunde. 
Nicht umsonst hat die katholische Kirche nicht wenige Konflikte wegen Eheangelegenheiten mit sich selber „christlich“ nennenden Herrschern durchgefochten, wobei der Fall des englischen Gewaltherrschers Heinrich VIII. wohl der berüchtigtste Fall ist. Als Gegner des HeiligenStuhles mag man da zum Beispiel auch an französische Herrscher bis hin zu Napoleon I. denken.

Genauso ist die heilige Kunigunde ein sehr starkes Beispiel, dass die katholische Kirche schon vor Jahrhunderten Frauen in Spitzenpositionen, ja in gewissermaßen absoluten Spitzenpositionen, nicht ablehnend gegenüberstand. Die heilige Kunigunde hatte politisch bis militärisch ihre enorme Bedeutung und führte auch selbständig Regierungsgeschäfte. Sie steht mit ihren eigenen Akzenten in einer Reihe mit den anderen Herrscherinnen des ottonischen Herrscher- oder eben auch Herrscherinnenhauses, Mathilde und Adelheid, die ja gleichfalls heiliggesprochen wurden.     
Der so wichtige protestantische Reformator Schottlands, John Knox, machte es dann im 16. Jahrhundert bezeichnenderweise der Katholischen Kirche zum Vorwurf, dass es für diese selbstverständlich war, Frauen in Führungspositionen bis hin als Staats-und Regierungschefinnen zu akzeptieren. Laut dem Spitzenprotestanten John Knox dürften Frauen gar keine Leitungsämter innehaben. Eine katholische Königin, wie die legendäre Maria Stuart, war für ihn und seine ja ganz offensichtlich zahlreichen Gesinnungsfreunde ein Graus. Es war dann noch in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts im Schottland benachbarten Nordirland ein Markenzeichen der katholischen Republikaner und natürlich Republikanerinnen, dass dort Frauen seit jeher politische und militärische Leitungsfunktionen innehaben konnten. Vielleicht hat ja dort wie in Schottland so manche katholische Aktivistin sich auch durch die heilige Kunigunde ermutigt gefühlt beziehungsweise tut es gerade heute!

 

 

Gedanken zur Woche 17, Dr. Matthias Martin

 

Die uns durch die heute übliche Leseordnung für den 14. Sonntag im Jahreskreis vorgelegten biblischen Texte weisen uns in kühner, ja visionärer Weise über menschliche Grenzen hinweg, über geografische, nationale wie soziale oder standesmäßige. 
Da ist die erste Lesung aus dem alttestamentlichen Buch Sacharja. Dieses sehr vielen, um nicht zu sagen den meisten, heute lebenden Katholikinnen und Katholiken wohl ziemlich unbekannte biblische Buch gehört dem Zwölfprophetenbuch innerhalb des Alten Testaments, des Ersten Testaments, an. Oft werden die darin enthaltenen einzelnen biblischen Bücher auch die „Kleinen Propheten“ genannt. Diese Bezeichnung rührt nicht von einer vermeintlich kleinen inhaltlichen Bedeutung, sondern vom eher bescheidenen Umfang her. So ist das Buch Obadjas die einzige Schrift des Alten bzw. Ersten Testaments, welche so kurz ist, dass es keine Unterteilung in Kapitel, sondern nur in Verse besitzt und gerade einmal aus 21 Versen besteht. Wie das Buch Obadja im Alten bzw. Ersten Testament so weisen nur vier Schriften des Neuen bzw. Zweiten Testaments lediglich Verse ohne Kapiteleinteilung auf: der Brief an Philemon, der Zweite und der Dritte Johannesbrief sowie der Judasbrief. Wie die katholische Kirche zu verschiedenen Gelegenheiten so auch auf Konzilien betonte, sind all die verschiedenen biblischen Einzelschriften in Ehren zu halten und zu würdigen.      
Aus dem Zwölfprophetenbuch, den „Kleinen Propheten“, ist am meisten das Buch Jona bekannt. Ja, Jona, das ist der mit dem großen Fisch! Auf Jona wird in anderen Schriften des Alten Testaments und sogar öfter noch im Neuen Testament ausdrücklich hingewiesen. Zum Zwölfprophetenbuch gehört auch das Buch Joel, wobei heutzutage mancher und manchem dazu wohl spontan der männliche Hauptheld in dem international für Furore sorgenden Computerspiel „The last of us“ in den Sinn kommen mag.

Um eine internationale, ja globale, Ausrichtung ging und geht es auch im Buch Sacharja, nicht zuletzt in den Versen für diese erste Lesung am 14. Sonntag im Jahreskreis. Heißt es doch hier, dass „den Nationen“ der Frieden verkündet werde und nicht etwa nur einer bestimmten, und dass Gottes Herrschaft reichen werde „von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde“. Die Gedanken werden damit schon in eine Richtung geführt, wie es dann zu einem Höhepunkt kommt am Ende des Matthäusevangeliums mit dem allgemeinen Missionsbefehl, hinauszugehen zu allen Völkern und die Menschen zu taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie alles zu lehren, was Jesus geboten hat. Petrus als der Erste der Apostel wurde zum ersten Heidenmissionar und Paulus, auf den der Römerbrief mit den Versen für die zweite Lesung zurückgeht, hat dann diese allgemeine Mission besonders vorangetrieben.

In die Richtung der Überwindung sozialer, standesmäßiger Schranken weist uns eigens der Evangeliumstext. Man kann darin eine gedankliche Fortführung zahlreicher Aussagen sehen, die sich bereits im Ersten Testament der Bibel, dem Alten Testament, finden. So wird bereits in den Büchern Mose zur Hilfe für die Armen aufgefordert, sind im Buche Rut zwei einfache Frauen die großen Heldinnen und wird im Buch Jesus Sirach zu Respekt und Hilfsbereitschaft den Armen gegenüber gemahnt. In Psalm Neun wird verheißen, dass der Herr der Retter der Armen und Bedrängten sei und im Buch der Sprichwörter wird betont, dass Gott auch der Schöpfer der Armen ist. Wie so oft mag dem Menschen guten Willens dazu eigens der neutestamentliche Jakobusbrief in den Sinn kommen, wo es im zweiten Kapitel heißt:

„(1) Meine Brüder und Schwestern,
haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit,
frei von jedem Ansehen der Person! . . .
(5) Hört, meine geliebten Brüder und Schwestern!
Hat nicht Gott die Armen in der Welt zu Reichen im Glauben
und Erben des Reiches erwählt,
das er denen verheißen hat, die ihn lieben? . . .
(9) Wenn ihr aber nach dem Ansehen der Person handelt,
begeht ihr eine Sünde und werdet vom Gesetz überführt,
dass ihr es übertreten habt.“

Umso mehr sollen die Katholikinnen und Katholiken sich redlich bemühen, im guten Sinne menschliche Grenzen zu überwinden und Vorurteile und Ausgrenzung zu vermeiden.

  

1. Lesung: Sach 9,9-10
2. Lesung: Röm 8,9.11-13
Evangelium: Mt 11,25-30

 

 

 

Gedanken zur Woche 17-b, Dr. Matthias Martin

 

Im Frankenlied mit seinem Text von Joseph Victor von Scheffel und der Melodie von Valentin Eduard Becker wird er gepriesen als „der Winzer Schutzherr“. Es ist die Rede vom heiligen Kilian, dessen die Kirche gerade am 8. Juli gedenkt. Fürwahr, es ist eine große Ehre in der inoffiziellen Regionalhymne des Frankenlandes und hier insbesondere der drei fränkischen Regierungsbezirke des jetzigen Freistaates Bayern Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken namentlich genannt zu werden. Dies gilt umso mehr, da dieses von der Deutschen Romantik nicht zu trennende Lied gerne auch bei offiziellen Anlässen in diesen Regierungsbezirken gesungen beziehungsweise gespielt wird.

 

Man sollte sich durch den gewissermaßen „netten“ Text des Frankenliedes und die freundliche Erwähnung des heiligen Kilians als „der Winzer Schutzherr“ aber nicht irreleiten lassen. Der heilige Kilian mit seinen beiden ebenfalls als Heiligen verehrten Gefährten Kolonat und Totnan war nicht der lustige Geselle für Weinseligkeit, der halt auf ein Achtel oder wie man im Frankenland gerne sagt, einen Schoppen, anstieß. Er war vielmehr einer jener iro-schottischen Missionare, die seit der Spätantike aus ihrer Heimat Schottland und Irland aufbrachen, um den christlichen Glauben zumeist auf dem europäischen Kontinent zu bezeugen und möglichst zu verbreiten. Die Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan haben dann insbesondere im Gebiet des heutigen Unterfrankens gewirkt. Ging es hier ganz allgemein um die Festigung des schon irgendwie verbreiteten Christentums, so ging es im Besonderen darum, den Menschen christliche Moralvorstellungen konsequent zu vermitteln. Die drei auch als „die drei Frankenapostel“ bezeichneten Kilian, Kolonat und Totnan müssen dabei sehr konsequent, ja todesmutig, vorgegangen sein. Wird gerade heutzutage Kirchenvertretern oft vorgeworfen, es sich mit den Reichen und Mächtigen zu richten und am liebsten auf die nicht so starken in der Gesellschaft zu schimpfen, so war ein solches Verhalten ganz offensichtlich nichts für die drei Frankenapostel.
In dem bei uns üblichen Deutschen Messbuch heißt es über den heiligen Kilian, dass er nach Würzburg gekommen war und schließlich

 

„als er gegenüber der dortigen thüringischen Herzogsfamilie das kirchliche Eherecht geltend machte, mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan um 689 in Würzburg ermordet <wurde>“.

 

In der allgemeinen Überlieferung wie eher speziellen historischen Erörterungen wird immer wieder betont, dass diese Auseinandersetzung mit den „besseren Kreisen“ der damaligen Gesellschaft, Leuten aus „feiner Familie“, sprich dem vorhandenen Adel, für Kilian, Kolonat und Totnan schließlich ins Martyrium führte.            
Dementsprechend wurde schon vor Jahrzehnten in einem Beitrag des öffentlich-rechtlichen Radioangebots für Unterfranken dieser Zusammenhang herausgestellt. Hätte Sankt Kilian einfach irgendetwas Frommes zum Thema christlicher Glauben geäußert, gewissermaßen harmlose fromme Sprüche geklopft und Leute getauft, wäre ihm und seinen Gefährten sicher nichts passiert. Mit seiner Kritik an den Zuständen im Herzogshaus wäre aber sein Schicksal besiegelt gewesen. Sankt Kilian hätte wohl gewusst, was ihm bevorstand, sei aber nicht bereit gewesen, sich beim Hochadel anzupassen, Großen der Gesellschaft gegenüber willfährig zu sein.

 

Leben und Sterben des heiligen Kilians und seiner Gefährten erinnern an das Schicksal Johannes des Täufers wie des heiligen Thomas Morus und des heiligen John Fisher samt all der anderen ungezählten Märtyrer gerade englisch-britischer Katholikenverfolgungen seit den Tagen des berüchtigten Heinrichs VIII. Auch sonst hatte die katholische Kirche immer wieder Auseinandersetzungen mit sich selber „christlich“ nennenden Adeligen und Königen zu bestehen, die meinten, ihnen käme etwa in Ehefragen ein Sonderstatus zu. So verurteilte der Heilige Stuhl seinerzeit auch konsequent die zweite Heirat Kaiser Napoleons Bonapartes mit der habsburgischen Erzherzogin Marie-Louise. Damals waren insbesondere Papst Pius VII. und sein langjähriger Kardinalstaatssekretär Ercole Consalvi bei aller persönlichen Friedfertigkeit nicht bereit, dem Gewaltherrscher Napoleon, vor dem Europa zitterte, gefällig zu sein. Ebenso konsequent widersetzte sich damit die Kirchenleitung der Heiratspolitik der angeblich so katholischen Habsburger.

 

Vielleicht haben in ihren eigenen schweren Stunden der Auseinandersetzung mit den damaligen Kaiserhäusern Papst Pius VII. und seine Getreuen an das Leben und Sterben Kilians, Kolonats und Totnans gedacht.    
Von vielen Menschen sind sie auf jeden Fall offensichtlich nicht vergessen worden. So erschienen zum Gedenken an den Heiligen Kilian und seine Gefährten eigene Briefmarken. Schon Jahre vor der Einführung der gemeinsamen Währung Euro brachten hierzu die Republik Irland als das Heimatland der Märtyrer und die Bundesrepublik Deutschland eine gemeinsame Briefmarke heraus. In der bildenden Kunst und der Musik stoßen wir auf zahlreiche Beispiele für die Verehrung des heiligen Kilians.

 

Gedanken zur Woche 16, Dr. Matthias Martin

 

Dafür, dass einzelne Verse, Halbverse wie Gruppen von Versen der Bibel nicht aus dem Zusammenhang zu reißen und in einem solchen einseitigen Sinne zu verabsolutieren sind, ist das Evangelium vom 13. Sonntag im Jahreskreis ein gutes Beispiel. Wird hier doch dazu gemahnt, die Treue zu Jesus Christus nicht aufzugeben aus Sorge vor familiären Beziehungen. Dabei liegt dies auf einer Linie mit manch anderer Aussage mit der Bibel. So wird bereits in den Makkabäerbüchern, die wir im Alten, im Ersten Testament finden, aufgerufen, sich nicht aus Rücksicht auf Familienangelegenheiten von der Glaubenstreue zu distanzieren. Etwas nach dem Evangelium in diesem Jahr für den 13. Sonntag heißt es im Matthäusevangelium:

 

„(12,48) Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er:
Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
(49) Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte:
Siehe, meine Mutter und meine Brüder!
(50) Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut,
der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“.

 

Eine ganz ähnliche Formulierung finden wir dazu jeweils im Markusevangelium und im Lukasevangelium.

 

Der Wert von Familie, von Ehe, von Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern, soll aber keineswegs kleingeredet werden. Vielmehr geht es für die Christin, den Christen darum, all dies in den richtigen Kontext einzuordnen. Dazu ist eben der Blick auf die Gesamtheit der biblischen Bücher des Alten und des Neuen Testamentes, auch genannt Erstes und Zweites Testament, unverzichtbar. So wird auf die Intaktheit familiärer Beziehungen, sowohl denen zwischen den Ehepartnern wie denen zwischen Eltern und Kindern ziemlich direkt gleich dreimal in den Zehn Geboten eingegangen. Im ebenfalls alttestamentlichen Buch Tobit wird verdeutlicht, wie sehr ein intaktes Familienleben helfen kann, Gutes zu tun und dies gerade auch in schwierigen Zeiten. Die Bedeutung guten Ehe- bzw. Familienlebens wird in verschiedenen Versen des über Jahrhunderte in der Christenheit besonders geschätzten Buches Jesus Sirach unterstrichen. Der Gedanke, dass eine intakte Familie besondere Bedeutung für die Ausbreitung des Christentums und so etwas wie kirchliches Leben vor Ort gewinnen kann, wird in einer neutestamentlichen Schrift wie der Apostelgeschichte deutlich. Dass es auch zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter ein sehr gutes Verhältnis geben kann, wird schon im alttestamentlichen Buch Rut deutlich. Obwohl Noomi und Rut der Herkunft nach verschiedenen Volksgruppen angehören, sind sie unzertrennlich, sorgt Rut gerne für ihre Schwiegermutter Noomi. Bis in moderne Film- und Videoproduktionen eingegangen sind Ruts Worte, mit denen sie klarstellte, dass sie sich auch bei Schwierigkeiten nicht von ihrer Schwiegermutter Noomi trennen werde:

 

„(1,16) . . . Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren!
Wohin du gehst, dahin gehe auch ich,
und wo du bleibst, da bleibe auch ich.
Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.
(17) Wo du stirbst, da sterbe auch ich,
da will ich begraben sein.
Der Herr soll mir dies und das antun -
nur der Tod wird mich von dir scheiden“.

 

Später wurde Rut dann, als die vom moabitischen Ausland zugewanderte Frau, sogar zur Stammmutter des Königshauses von David. Im Erläuterungstext der neuen Ausgabe der deutschen Einheitsübersetzung heißt es bezeichnenderweise über dieses Buch Rut: „Mit großer Intensität werden gegenseitiges Wohlwollen, Treue und Solidarität innerhalb der Familie thematisiert, speziell zwischen den beiden starken Figuren von Schwiegertochter und Schwiegermutter“.

 

Zum Ausschluss von Missverständnissen wurde der sakramentale Charakter der Ehe in der kirchlichen Überlieferung immer wieder betont. Dies geschah auch bei mehr als einem Konzil, so insbesondere bei dem von Florenz und dem Konzil von Trient. Dabei wurde jeweils, wie schon im IV. Laterankonzil, die Gleichrangigkeit beider Ehepartner betont. Der oder die eine steht nicht unter oder über dem/der anderen in der Ehe. Beide Eheleute befinden sich nach katholischer Auffassung auf gleicher Augenhöhe zueinander. Dafür einzutreten ist eine dauernde Herausforderung, eine bleibende Aufgabe für die Kirche. Denken wir hier nur an die Auseinandersetzung zwischen katholischer Kirche und dem mitunter sogar seine jeweilige Frau hinrichtenden englischen Gewaltherrscher Heinrich VIII. und dem daraus erwachsenden anglikanischen Staatskirchentum.

 

1. Lesung: 2 Kön 4,8-11.14-16a
2. Lesung: Röm 6,3-4.8-11
Evangelium: Mt 10,37-42

 

 

Gedanken zur Woche 16-b, Dr. Matthias Martin

Dem aus Nordafrika stammenden Kirchenvater Augustinus wird die Aussage zugeschrieben, dass es auf einem Gemälde der dunklen Farben bedürfe, um die hellen Farben um so besser zu sehen, sie um so besser richtig wahrzunehmen. Er machte diese eher gleichnishafte Aussage offensichtlich  in Zusammenhang mit der Diskussion, warum es in dieser Welt so viel Leid gibt.   
Eine recht deutliche Gegenüberstellung von Hell und Dunkel, von Licht- und Schattenseiten gerade mit Hinblick auf das Verhältnis von Kirche und Staat bietet uns der heutzutage übliche liturgische Kalender in dieser Woche. Da findet zunächst am 29. Juni das Hochfest bzw. das Fest I. Klasse der Apostel PETRUS UND PAULUS statt. Auch wenn dieses Hochfest wie in diesem Jahr nach der weltlichen Ordnung auf einen Werktag fällt, so ist es doch für die Kirche ein wahrhaft hoher Feiertag. Traditionell finden an diesem Tag an zahlreichen Orten der Weltkirche Priesterweihen statt. Das liturgische Rot an diesem Hochfest, diesem Fest I. Klasse, erinnert an das Martyrium, welches die beiden im Neuen Testament so häufig erwähnten Apostel Petrus und Paulus in der Christenverfolgung des berüchtigten römischen Kaisers Nero erlitten. Diese Christenverfolgung und das damit verbundene Martyrium von Petrus und Paulus sind in neuerer Zeit auch in so manche Verfilmung eingegangen. In so mancher Verfilmung wird dabei deutlich gemacht, dass Petrus und Paulus in dieser neronischen Christenverfolgung beileibe nicht die einzigen Todesopfer waren. All der anderen damaligen Opfer gedenkt die Kirche insbesondere am Tag nach dem Hochfest von PETRUS UND PAULUS, eben dem 30. Juni.

Diese Tage des Märtyrergedenkens verdeutlichen, dass das Verhältnis von Kirche und Staat sehr negativ sein kann, erst recht wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Verfolgung unter Kaiser Nero erst so etwas wie der Beginn einer langen Reihe von immer wieder ausbrechenden Christenverfolgungen im Römischen Reich war. Die Schwierigkeiten mit dem römischen Kaisertum bzw. römischer Staatsmacht endeten auch nicht mit der offiziellen Anerkennung des Christentums durch Kaiser Konstantin, manchmal genannt „der Große“. Vielmehr bereitete nicht zuletzt dieser Kaiser Katholiken wie dem Kirchenvater Athanasius ernste Probleme bis hin zu einem ungerechten Verbannungsurteil. Der Sohn und (Haupt-)Erbe Kaiser Konstantins, Constantius II., versuchte mit massiver Gewaltanwendung die Anhänger des hauptsächlich auf das Konzil von Nicäa im Jahre 325 zurückgehenden Großen Glaubensbekenntnisses zu einer ganz anderen Form von “Christentum“ zu bringen, dem von ihm unterstützen Arianismus. Mit solcher Unterdrückungspolitik war Constantius II. nicht der letzte römische Kaiser. Umso aussagekräftiger sind das Märtyrergedenken von PETRUS UND PAULUS sowie das vom 30. Juni für die anderen Opfer der damaligen römischen Christenverfolgung.

Dass es aber auch ein positives Verhältnis von Kirche und Staat, von Bekenntnis des christlichen Glaubens und Reich, geben kann, wird dann im Laufe derselben liturgischen Woche deutlich. Hier gedenkt die Kirche unter anderem des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg. Der heilige Ulrich stand stets treu und unerschütterlich an der Seite seines Freundes, des deutschen Königs und dann Kaisers Ottos des Großen. In dem bei uns üblichen Deutschen Messbuch heißt es über Ulrich, den bischöflichen Mitstreiter Ottos des Großen:

„Als solcher erfüllte er treu seine Pflichten und spielte auch eine wichtige politische und militärische Rolle (Abwehr der Ungarn 955). In der pastoralen Reform seiner Zeit war er eine der führenden Bischofsgestalten, besonders verdient um die Domschule, die Synodaltätigkeit, die Predigt und eine würdige Feier der Liturgie, durch sein persönliches Leben ein Vorbild für Volk und Klerus“.

Bald schon nach seinem Tod wurde dann genau dieser Ulrich von Augsburg der erste Mensch, welcher vom Papst nach einem offiziellen kirchenrechtlichen Verfahren heiliggesprochen wurde!  
Mit dem heiligen Ulrich kann auch der heiligen Königin Elisabeth von Portugal gedacht werden. Ihren Taufnamen bekam sie von ihrer Großtante her, der heiligen Elisabeth von Thüringen. Ihre Familie, das Königshaus von Aragon, war nicht zuletzt mit dem deutschen Kaisergeschlecht der Hohenstaufen verwandt. Durch ihre Heirat als Königin nach Portugal gelangt, tat sie in vielfältiger Weise gutes, auch als Friedensstifterin. Damit verkörperte Elisabeth von Portugal aus dem Königsgeschlecht von Aragon wie der heilige Ulrich ein Beispiel von gutem Zusammenspiel von Kirche und Staat. Zugleich war sie ein bemerkenswertes und natürlich nicht das einzige Beispiel katholischer Frauenpower in den Zeiten des Mittelalters, welches durch die katholische Kirche heiliggesprochen wurde. Sie steht damit in Reiher nicht zuletzt mit heiliggesprochenen Frauen der Dynastie Ottos des Großen, auf die in “Gedanken zur Woche VIII-b“ hingewiesen wurde. Mit solchen Powerfrauen hat ja nicht zuletzt der heilige Ulrich von Augsburg, der Freund Ottos des Großen, sehr positiv zusammengearbeitet.

 

 

 

Gedanken zur Woche 15, Dr. Matthias Martin

Aus dem gegebenen Anlass der besonderen Sammlung für die Caritas wurde seitens der Diözese St. Pölten ausdrücklich auf die Möglichkeit hingewiesen, anstelle des für diesen Sonntag üblicherweise vorgesehenen Evangeliums die ebenfalls im Matthäusevangelium nachzulesende Erzählung von der Speisung der Fünftausend in der Heiligen Messe vorzutragen (Mt 14,12-21). Natürlich ist es jedes Stück der Bibel im Allgemeinen, der vier Evangelium im Besonderen es wert, gelesen, betrachtet und nach Möglichkeit Menschen nahegebracht zu werden. Immer wieder hat die Kirche betont, dass in diesem Sinne alle Einzelschriften der Bibel aus Altem und Neuem Testament in Ehren zu halten sind. In „Gedanken zur Woche VII“ wurde dazu bereits aus den Beschlüssen des Konzils von Florenz im 15. Jahrhundert zitiert. In diesem wie in einer Reihe anderer Punkte hat dieses Konzil jene Position nur noch einmal festgehalten, welche die Kirche eh schon seit langem vertrat. Bereits im 4. Jahrhundert war grundsätzlich geklärt gewesen, welche Einzelschriften als biblisch anzuerkennen seien und welche nicht.

So verdient es natürlich auch jenes Stück des Matthäusevangeliums, welches normalerweise in diesem Lesejahr an diesem Sonntag nach der bei uns üblichen Leseordnung auf dem Programm steht, beachtet zu werden.         
In diesem Stück des Matthäusevangeliums werden wir aufgefordert, mutig für Jesus Christus Zeugnis abzulegen. Es ist, erst recht wenn man die Bibel in ihrer Gesamtheit betrachtet, klar, dass es dabei nicht einfach nur um vielleicht schöne Worte, sondern gerade um gute Werke, um die praktische Bewährung im Alltag geht. Dies wird umso deutlicher, wenn man auch nur auf einige andere, ebenfalls im Matthäusevangelium enthaltene, Stellen blickt. So heißt es dort bereits im fünften Kapitel:

„So soll euer Licht vor den Menschen leuchten,
damit sie eure guten Taten sehen
und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,16)

Im siebten Kapitel desselben Evangeliums heißt es herausfordernd:

„Nicht jeder, der zu mir sagt:
Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen,
sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“
 (Mt 7,21)

Recht bekannt ist die Rede, das Gleichnis vom Jüngsten Gericht mit der jeweils zusammenfassenden Feststellung Jesu Christi „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder, Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40) und „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan“ (Mt 25,45).

In der vielleicht ältesten Schrift des Neuen Testaments, dem Jakobusbrief, wird in scharfen Worten davor gewarnt, die Armen in der Gesellschaft beziehungsweise Kirche zurückzusetzen und die Reichen zu hofieren. Gleich zweimal wird im Jakobusbrief festgestellt, dass der Glaube tot ist ohne die Werke, wobei natürlich gute Werke gemeint sind. So heißt es in einem Teil des zweiten Kapitels:

„Was nützt es, meine Brüder und Schwestern,
wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlten die Werke?
Kann etwa der Glaube ihn retten?
Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot,
und einer von euch zu ihnen sagt:
Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!,
ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das?
So ist auch der Glaube für sich allein tot,
wenn er nicht Werke vorzuweisen hat“
 (Jak 2,14-17).

Im Weiteren wird bei der Darlegung der Unverzichtbarkeit von guten Werken Rückgriff auf das Alte Testament, auch genannt das Erste Testament, genommen, bis hin zum Buch Genesis, dem ersten Buch der Bibel überhaupt. Vater Abraham wird hier als bemerkenswertes Vorbild nahegebracht.    
So wird tatsächlich zweierlei deutlich: Zum einen der Zusammenhang der ganzen Bibel mit ihren Einzelschriften des Alten und des Neuen Testaments, auch genannt das Erste und das Zweite Testament. Zum anderen wird deutlich, wie unverzichtbar das Tun guter Werke ist. Eine jede und ein jeder ist eingeladen, im Rahmen je eigener Möglichkeiten, im Rahmen eigener Ressourcen und Fähigkeiten sich einzubringen beim Tun des Guten. Ermutigungen und Hinweise dazu finden wir immer wieder in der Bibel wie in der unverfälschten kirchlichen Überlieferung.

 

1. Lesung: Jer 20,10-13
2. Lesung: Röm 5,12-15

Evangelium: Mt 10,26-33  

  

Gedanken zur Woche 15-b, Dr. Matthias Martin

Am 24. Juni feiert die katholische Kirche das Hochfest, das Fest I. Klasse, von der GEBURT DES HEILIGEN JOHANNES DES TÄUFERS. Johannes der Täufer wird in verschiedenen Schriften des Neuen Testaments immer wieder erwähnt. Im Matthäusevangelium heißt es sogar: „Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer“ (Mt 11,11). Ganz ähnlich lautet eine Formulierung im siebten Kapitel des Lukasevangeliums. So wundert es gar nicht, dass Johannes der Täufer weit über konfessionelle Grenzen hin verehrt wird. Es begeht eine ganze Reihe anderer christlicher Konfessionen  wie die katholische Kirche die Erinnerung an seine Geburt als Festtag. Auch im Islam erfreut sich Johannes der Täufer großer Wertschätzung, wird er doch dort eigens als Prophet anerkannt. Die im Nahen Osten beheimatete Religionsgemeinschaft der Mandäer betrachtet ihn als größten ihrer Propheten und wurde wegen ihrer außerordentlich stark ausgeprägten Verehrung Johannes des Täufers mitunter „Johanneschristen“ genannt. Dabei sind die Mandäer allerdings selber keine christliche Konfession, sondern eine eigene, wenn auch zahlenmäßig kleine, Religion. Nicht zuletzt fand Johannes der Täufer Berücksichtigung bei jüdischen Autoren, so dem berühmten Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Sehr starken Niederschlag fand Leben und Sterben des Täufers in der bildenden Kunst. So findet sich in der Pfarrkirche von Stein ein großes Gemälde des Martin Johann Schmidt, genannt auch Kremser Schmidt, welches die Taufe Jesu durch Johannes am Jordan zeigt.

Im Neuen Testament wird eigens berichtet, wie es schließlich zum Martyrium Johannes des Täufers kam. Nahm er sich ganz allgemein kein Blatt vor dem Mund, wenn es darum ging, einflussreiche Kreise seiner Zeit zu kritisieren, so griff er den von Rom gestützten jüdischen Teilherrscher Herodes Antipas, einem der Söhne des sogenannten Herodes des Großen, wegen dessen Verhaltens in Eheangelegenheiten direkt an. Dies führte zur Verhaftung und dann zur Hinrichtung Johannes des Täufers.            
Mit diesem Martyrium weist Johannes der Täufer eine ins Auge springende Gemeinsamkeit mit den heiligen Thomas Morus und John Fisher auf, deren gerne am 22. Juni gedacht wird. Beide lebten vom 15. zum 16. Jahrhundert, erwarben sich den Ruf großer Bildung und waren in bemerkenswerter Weise schriftstellerisch tätig. Sowohl der Jurist und Familienvater Thomas Morus wie der Bischof John Fisher weigerten sich, die Ehescheidung des englischen Königs Heinrichs VIII. anzuerkennen. Ausdrücklich verurteilten beide die gewaltsame Einführung der anglikanischen Staatskirche in England und von England beherrschten Gebieten samt der davon nicht zu trennenden Katholikenverfolgung. Mit ihrem Tod durch das Regime eines tyrannischen Monarchen sind Johannes der Täufer, Thomas Morus und John Fisher Leidensgenossen des heiligen Johannes Nepomuk. Wie in „Gedanken zur Woche IX-b“ erwähnt, wird dieser in der Gegend von Stein und überhaupt im Deutschen Sprach- und Kulturraum sehr verehrt wird und starb als Opfer des damaligen böhmischen Königs. Auch von ihm findet sich ja in der Steiner Pfarrkirche ein durch den Kremser Schmidt geschaffenes Gemälde.

Thomas Morus und John Fisher sind die berühmtesten Vertreter der zahllosen Opfer englischer beziehungsweise britischer Katholikenverfolgungen, welche sich bis in die britischen Überseekolonien erstreckten. Selbst der sonst so zurückhaltende Papst Benedikt XVI. sprach dies bei seinem Besuch in den USA 2008 an und stellte klar, dass die Katholiken sich eifrig am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Herrschaft beteiligten. Das bis auf den heutigen Tag sehr negative Verhältnis der Katholiken zur britischen Herrschaft und der sie ausdrückenden Monarchie in Nordirland ist allgemein bekannt. Im benachbarten Schottland spielen Katholiken eine große Rolle in der dortigen Unabhängigkeitsbewegung und die allermeisten stimmten 2014 für die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die katholische Kirche weigert sich bis auf den heutigen Tag, eine britische Bischofskonferenz oder gar eine für das ganze, wie es offiziell heißt, Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland zu akzeptieren. Stattdessen gibt es weiterhin eine eigene katholische Bischofskonferenz für Schottland und eine für England und Wales, womit die möglichste Eigenständigkeit dieser jeweiligen Länder betont wird. Nordirland wird nicht nur von der katholischen Kirche als Teil Irlands betrachtet und ist dementsprechend der Irischen Bischofskonferenz zugehörend. Das kritische Verhältnis von Katholiken zur Staatsform der Monarchie im Allgemeinen und zur britischen Monarchie im Besonderen führte dazu, dass die Begriffe Katholiken und Republikaner mitunter als deckungsgleich verwendet werden, manchmal als so etwas wie Synonyme betrachtet werden.

 

Sowohl der heilige Johannes der Täufer, die heiligen Thomas Morus und John Fisher wie der heilige Johannes Nepomuk sind ja doch jeweils  als Opfer eines brutalen Monarchen in Treue zu ihrer Überzeugung gestorben!

 

 

 

Gedanken zur Woche 14, Dr. Matthias Martin

 

 

Die Pfarrgemeinde zum Heiligen Nikolaus in Stein an der Donau ist nicht die einzige, in welcher das Hochfest, das Fest I. Klasse, von FRONLEICHNAM insbesondere am Sonntag nach dem Donnerstag der 2. Woche nach dem Hochfest von PFINGSTEN gefeiert wird. In dem bei uns üblichen offiziellen Deutschen Messbuch ist tatsächlich der „Donnerstag der 2. Woche nach Pfingsten“ als Feiertag angegeben. Es ist aber ebenfalls ausdrücklich erwähnt, dass FRONLEICHNAM, das HOCHFEST DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI, auch noch am darauffolgenden Sonntag gefeiert werden kann.

 

Die Frage, an welchem Tag das Hochfest tatsächlich gefeiert werden kann, hängt nicht zuletzt von der Gesetzeslage ab. So wurde sogar in Italien längst FRONLEICHNAM der Status als gesetzlicher Feiertag aberkannt, während in der auch sonst mit der katholischen Kirche in besonderer Weise verbundenen Republik San Marino FRONLEICHNAM weiterhin ein gesetzlicher Feiertag ist. Der gleiche hervorgehobene Status blieb für das Hochfest im kleinen Fürstentum Monaco erhalten, während er längst im Machtbereich der sich auch sonst betont von der katholischen Kirche distanzierenden Republik Frankreich abgeschafft ist. Das betrifft rein machtpolitisch bedingt auch Elsass-Lothringen, also jenes Gebiet des Ersten und dann des Zweiten Deutschen Reiches, in dem schon lange vor Martin Luther die Bibel in deutscher Sprache gedruckt wurde. Dabei haben sich die beiden dort gelegenen Diözesen Straßburg und Metz an der Herausgabe des Deutschen Messbuches und der betreffenden Lektionare beteiligt. Gleiches verwirklichten die für das unter italienischer Oberhoheit stehende Südtirol zuständige Diözese von Bozen-Brixen und die Erzdiözese Luxemburg. Es ist daher umso verständlicher, dass bereits im Deutschen Messbuch die beiden möglichen Tage für die Feier von FRONLEICHNAM erwähnt sind.

 

Die Feier von FRONLEICHNAM, des HOCHFESTES DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI, besitzt tatsächlich herausragende Bedeutung. Die Allerheiligste Eucharistie, auch genannt das Allerheiligste Sakrament des Altares, ist mit der Taufe eines der beiden sacramenta maiora, als größeren Sakramente. FRONLEICHNAM ist genau das besondere Fest der Allerheiligsten Eucharistie. Dieses Sakrament des Leibes und Blutes Christi bildet ein Wesenselement der christlichen Gesamtüberlieferung und nicht nur einen Aspekt unter vielen oder gar nur eine Art Nebenaspekt. Wie stark das Sakrament des Leibes und Blutes Christi für christliche Überlieferung überhaupt steht, wird bereits im Ersten Korintherbrief deutlich. Dort heißt es:

 

„Denn ich habe vom Herrn empfangen,
was ich euch dann überliefert habe:
Jesus, der Herr, nahm in der Nacht,
in der er ausgeliefert wurde, Brot,
sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte:
Das ist mein Leib für euch.
Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte:
Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut.
Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis
!“ (1 Kor 11,23-25).

 

Christliche Überlieferung und das Gedächtnis Christi verwirklichen sich also ganz zentral in der Eucharistiefeier, vom Lateinischen beeinflusst auch Messfeier genannt. Diese zentrale Bedeutung der Eucharistiefeier, der Wandlung, wird noch durch eine Mahnung des Apostels Paulus direkt im Anschluss an die obigen Verse unterstrichen:

 

„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt,
verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.
Wer also unwürdig von dem Bort isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt,
macht sich schuldig am Leib und Blut des Herrn“
 (1 Kor 11,26-27).

 

Die Rückbindung der Mess-, der Eucharistiefeier an die Bibel aus dem Alten und dem Neuen Testament wird im I. Hochgebet, dem Römischen Messkanon, verdeutlicht, wenn es dort unter anderem heißt:

 

„Blicke versöhnt und gütig darauf nieder
und nimm sie an
wie einst die Gaben
deines gerechten Dieners Abel,
wie das Opfer unseres Vaters Abraham,
wie die heilige Gabe, das reine Opfer
deines Hohenpriesters Melchisedek“.

 

Alle drei Personen, Abel, Abraham und Melchisedek, begegnen bereits im ersten Buch der Bibel, dem Buch Genesis. Das Opfer des Melchisedek ist künstlerisch dargestellt am neugotischen Hauptaltar der Pfarrkirche von St. Nikolaus in Stein.   
Umso mehr dürfen wir hoffen, dass FRONLEICHNAM, das HOCHFEST DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI, gute Impulse für das religiöse Leben und ganz allgemein für menschliches Miteinander vermittelt.

 

 

Gedanken zur Woche 14-b, Dr. Matthias Martin

 

Sein Bischofssitz wurde Jahrhunderte nach seinem eigenen Wirken hier auf Erden erst richtig sehr vielen Menschen bekannt, auch solchen, die mit der katholischen Kirche im Allgemeinen und der Persönlichkeit eines katholischen Bischofs im Besonderen keine persönliche Beziehung haben. Dieser Woche gedenkt die katholische Kirche nämlich eigens des heiligen Bennos von Meißen. Anders als manche und mancher spontan vermuten mag, hat dieser Heilige aber nichts mit Gründung und Aufstieg der weltberühmten Porzellanmanufaktur von Meißen zu tun, welche tatsächlich erst Jahrhunderte nach seinem Tod entstand. Verstarb der heilige Benno vermutlich am 16. Juni 1106, so geht die Porzellanmanufaktur auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück, verbunden mit dem Wirken des damaligen sächsischen Kurfürsten August den Starken.

 

Der heilige Benno seinerseits war aber schon in seiner Zeit sehr um die allgemeine Landesentwicklung bemüht. Verschiedene Ortsgründungen wie der Beginn des regionalen Weinbaus werden mit ihm in Verbindung gebracht. Im Sinne des damaligen Kaisers Heinrichs IV. unterstützte Benno das mutige Projekt eines reichsweiten Landfriedens, also den Versuch, das friedliche Miteinander zwischen den Menschen anstellte einer Unkultur der Gewalt zu fördern. Dies macht deutlich, wie sehr der heilige Benno ein Mensch war, der bereit war, über einen engen rein spirituellen Bereich hinaus zu blicken und in diesem Sinne zu wirken. In unseren Tagen war es dann etwa Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger, der in dem dreibändigen theologischen Werk „Jesus von Nazareth“ betonte, dass das Evangelium nicht nur eine (rein) spirituelle, sondern auch eine soziale, ja politische Dimension hat. Dass christliches Leben und Denken sich nicht auf Kirchenmauern eingrenzen lassen, sondern sich immer in der jeweiligen gesellschaftlichen Dimension zu bewähren haben, thematisierte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger bereits Jahre vorher in dem Interviewbuch „Zur Lage des Glaubens“. In Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen, Nöten und Hoffnungen der Menschen haben Päpste seit dem 19. Jahrhundert eigens Sozialenzykliken veröffentlicht. Umso mehr mag man das knapp angeschnittene gesellschaftlich-soziale Wirken des heiligen Benno von Meißen zu schätzen wissen.

 

Blickt man auf seinen Einsatz für die ja von Kaiser Heinrich IV. geförderte Landfriedensbewegung, so bestärkt dies den Eindruck, dass der heilige Benno von Meißen ein Mensch war, der gerne das Gemeinsame vor das Trennende stellte, dem Ausgleich, Zusammenarbeit und Miteinander wichtig waren. So war er schließlich auch bereit, den in Deutschland offensichtlich sehr beliebten, später aber oft als Gegenpapst eingestuften bis abqualifizierten, Clemens III., anzuerkennen und aktiv zu unterstützen. Das hat aber den im 16. Jahrhundert unumstritten amtierenden Papst Hadrian VI, selber Vorkämpfer von Kirchenreform, nicht gehindert, Benno heiligzusprechen. Hat es da gerade in unserer Zeit in den letzten Jahrzehnten infolge von sich fromm gebenden Übereifer, um nicht zu sagen Fanatismus, in der Kirche manche eigentlich unnötige Verletzung und Verwirrung gegeben, so hat das päpstliche Rom stets daran festgehalten, dass auch Weihen, die außerhalb der vollen Gemeinschaft mit dem jeweils oder zumindest später allgemein anerkannten Papst gespendet wurden, gültig sei können. In diesem Sinne hatte sich bereits das Erste Allgemein Konzil von Nicäa im Jahre 325 geäußert. Getrennt von der vollen Einheit der offiziellen Hierarchie bzw. kirchlichen Spitze geweihte Geistliche wurden auch später immer wieder anerkannt, ja eingeladen, in der allgemeinen Kirche mitzuarbeiten. Im mutmaßlichen Todesjahr des heiligen Benno 1106 bestätigte die im heute italienischen Guastalla abgehaltene Synode, dass auch und nicht zuletzt vom damals nun allgemein anerkannten Papst getrennt geweihte Geistliche gültig geweiht seien und in der Kirche zur Mitarbeit eingeladen sein können. Dies geschah unter ausdrücklichem Hinweis auf die kirchliche Praxis vorhergehender Jahrhunderte, man sei „durch die Beispiele und Schriften unserer Väter belehrt“. In diese Richtung ging auch der selige Papst Pius IX., als er im 19. Jahrhundert das Erste Vatikanische Konzil einberief. Leben, Wirken und Nachruhm des heiligen Benno samt seiner Heiligsprechung passen damit gut zusammen.

 

Gutes tun, Gott und die Menschen lieben, sich für Frieden und Verständigung einsetzen, dazu mag ein Vorbild wie das des heiligen Benno von Meißen auch heute noch Anregung geben.

 

 

 

Gedanken zur Woche 13, Dr. Matthias Martin

 

Das Hochfest von PFINGSTEN, auch genannt das HOCHFEST DES HEILIGEN GEISTES, liegt hinter uns. Wird zu OSTERN die Auferstehung Jesu Christi gefeiert und schließt PFINGSTEN die Osterzeit ab, so ist es umso passender, dass im liturgischen Jahreskreis nun ein eigenes Hochfest der ALLERHEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT in ihrer Gesamtheit gewidmet ist. Und tatsächlich stehen wir jetzt vor dem Hochfest, dem Fest I. Klasse, welches der DREIFALTIGKEITSSONNTAG ist.         

Wie insbesondere in den berühmten Schlussversen des Matthäusevangeliums bezeugt ist, sandte der Herr Jesus Christus die ersten Jünger aus, allen Menschen das Evangelium zu verkünden und sie zu taufen auf den Namen des VATERS und des SOHNES und des HEILIGEN GEISTES. Natürlich weisen nach christlichem Verständnis auch andere Bibelstellen auf die ALLERHEILIGSTE DREIFALTIGKEIT hin, sowohl im Alten wie im Neuen Testament, auch genannt das Erste und das Zweite Testament. Dies beginnt schon mit dem ersten Buch der Bibel überhaupt, dem Buche Genesis. So heißt es im ersten Schöpfungsbericht: 

„Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild,
uns ähnlich!“ 
(Gen 1,26) 

Es fällt beim aufmerksamen Lesen bzw. Zuhören auf, dass hier auf engstem Raum gleich dreimal die Mehrzahlform verwendet wird. Besonders häufig wird über die Grenzen einzelner christlicher Konfessionen hinweg Bezug genommen  auf die im 18. Kapitel des Buches Genesis geschilderte Begegnung Gottes mit Stammvater Abraham bei den Eichen von Mamre. Da ist einerseits von drei (!) Männern und andererseits in Einzahlform von dem HERR<N> die Rede. Der russische Maler und höchstwahrscheinlich Mönch Andrei Rublev schuf dazu im 15. Jahrhundert eine weltberühmte Ikone, welche auch in der katholischen Kirche sehr geschätzt ist.            

Darüberhinaus nimmt im Alten Testament etwa das Buch der Sprichwörter für das Verständnis von der ALLERHEIGSTEN DREIFALTIGKEIT in christlicher Theologie eine eigene Stellung ein. Aus dem Neuen Testament werden insbesondere der Prolog, die Einführung, des Johannesevangeliums, wie dessen Abschiedsreden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Auch Stellen in den neutestamentlichen Briefen besitzen dazu ihre eigene Bedeutung. Dies gilt sowohl für die Paulusbriefe wie etwa den Ersten Johannesbrief. 

Es waren dann bereits die beiden ersten Allgemeinen Konzilien, zu Nicäa im Jahre 325 und Konstantinopel im Jahre 381, welche sich schwerpunktmäßig mit der Lehre von der ALLERHEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT, der TRINITÄT, befassten. Das aus diesen beiden ältesten Konzilien hervorgegangene Große Glaubensbekenntnis ist abgedruckt in dem bei uns üblichen Deutschen Messbuch und sogar zweisprachig lateinisch-deutsch im Gebet- und Gesangbuch GOTTESLOB. Ebenso entstanden bereits in den ersten Jahrhunderten des Christentums weitere Glaubensbekenntnisse und theologische Erklärungen in diesem Sinne. So kommt dem Glauben an die ALLERHEILIGSTE DREIFALTIGKEIT und dem dementsprechenden Bekenntnis ganz zentrale und zugleich grundlegende Bedeutung zu. Im Glauben an die ALLERHEILIGSTE DREIFALTIGKEIT stimmen die allermeisten sich irgendwie „christlich“ nennenden Gemeinschaften, Konfessionen oder Denominationen überein. So hat die katholische Kirche seit jeher die in getrennten Gemeinschaften/Konfessionen mit der richtigen Absicht unter Verwendung von Wasser auf den Namen des VATERS und des SOHNES und des Heiligen GEISTES gespendete Taufe als gültig anerkannt.

So hielt der von 254 bis 257 amtierende heilige Papst Stefan I. unter Berufung auf die in der römischen Kirche schon üblichen Praxis fest, dass Menschen, die bereits in einer anderen christlichen Gemeinschaft getauft worden waren, nicht noch einmal zu taufen waren. Die Anerkennung der in getrennten Gemeinschaften gespendeten Taufe auf den Namen des VATERS, des SOHNES und des HEILIGEN GEISTES wurde in der katholischen Kirche immer wieder bestätigt. Man mag hier gerade an den Kirchenvater Augustinus wie an das Konzil von Trient denken. Wer solche Respektierung der einmal gespendeten Taufe nicht anerkennen wollte, wurde seinerseits mit kirchlichen Strafen bedroht. Umso mehr ist gerade wieder in unseren Tagen vor falschem pastoralem Übereifer, nicht gerechtfertigter Ausgrenzung und Herabwürdigung, Mitmenschen verletzender Wichtigtuerei zu warnen. Die Anerkennung eines betreffenden Taufempfangs außerhalb der sichtbaren katholischen Kirche hat über die Jahrhunderte sicher vielen Menschen den Eintritt in die katholische Kirche erleichtert. Mitunter haben sich auch ganze Gruppen der katholischen Kirche angeschlossen bzw. mit ihr wiedervereinigt. 

Ganz im Sinne bereits von Kirchenvätern, Konzilien und frühen Päpsten ist, wo vorhanden, das Gemeinsame im Glauben zu pflegen und zu würdigen. Das Hochfest vom DREIFALTIGKEITSSONNTAG mag dazu ein guter Anstoß und eine richtungsweisende Ermutigung sein.

 

 

Gedanken zur Woche 13-b, Dr. Matthias Martin

 

Diese Woche ist fürwahr liturgisch dichtgedrängt. Stand doch am ersten Tag der Woche, dem Sonntag, das Hochfest vom DREIFALTIGKEITSSONNTAG auf dem Programm, so folgt am Donnerstag bereits ein weiteres Hochfest, das von FRONLEICHNAM.

 

Das Wort FRONLEICHNAM stammt wie so manch anderes aus dem Mittelhochdeutschen und steht für so viel wie „des Herren Leib“ oder „Leib des Herrn“. Manch eine, manch einer, mag sich erinnern, dass etwa das Wort für ein anderes Hochfest, GRÜNDONNERSTAG, sogar auf das Althochdeutsche zurückgeht und gar nichts mit der Farbe Grün zu tun hat. Wie beim GRÜNDONNERSTAG mit der Bezeichnung HOHER DONNERSTAG, so gibt es auch beim Hochfest, dem Fest I. Klasse, von FRONLEICHNAM eine andere Bezeichnung, die für manchen heutigen Menschen vielleicht etwas leichter verständlich ist. Es ist dies die Bezeichnung HOCHFEST DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI. Diese Bezeichnung wird beispielsweise in dem bei uns üblichen Deutschen Messbuch zusammen mit dem Wort FRONLEICHNAM ebenso verwendet, wie im offiziellen Direktorium der Diözese St. Pölten. Ich erinnere mich, wie seinerzeit, als ich noch als Schüler das Gymnasium in Bayern besuchte, ein der katholischen Kirche durchaus freundlich gesinnter protestantischer Mitschüler im Deutschunterricht meinte, die Katholiken begingen wohl an diesem Tag ein Leichengedächtnis. Er war dann dankbar, dass er durch die Deutschlehrerin über seinen, ja nicht böse gemeinten, Irrtum aufgeklärt wurde und zumindest ansatzweise etwas über den tatsächlichen Inhalt des HOCHFESTES DES LEIBES UND BLUTES CHRISTI erfuhr.

 

So ein Hochfest, so ein Fest I. Klasse, wie FRONLEICHNAM oder GRÜNDONNERSTAG, ist ein gutes Beispiel, wie sehr sich menschliche Sprache entwickelt und dass die Vermeidung von Missverständnissen gerade in der Kirche und für die Kirche eine dauernde Herausforderung ist. So wurde unter Bezugnahme auf die Konstitution des II. Vatikanischen Konzil über die Liturgie noch zur Zeit des inzwischen ja offiziell heiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. in dem Dokument LITURGIAM AUTHENTICAM vor der Verwendung von Dialekten in der Liturgie ausdrücklich gewarnt. Um Probleme zu vermeiden sei nur die jeweilige Hochsprache zu verwenden. Die jeweilige Hochsprache sei doch eher präzise, wurde im Jahre 2001 festgehalten.

 

Natürlich ist auch ansonsten gerade im kirchlichen Leben vor Missverständnissen zu warnen. So war es bezeichnenderweise eine Frau im angeblich so finsteren Mittelalter, die den Anstoß zur Einführung des Hochfestes von FRONLEICHNAM gab. Es war dies die heilige Ordensfrau Juliana, manchmal mit dem Beinamen „von Kornelienberg“ bezeichnet, die für dieses Hochfest den Anstoß gab. Es war dann im Jahre 2010 Papst Benedikt XVI., der in einer eigenen Ansprache bei einer Generalaudienz diese beeindruckende Frau eigens würdigte und unter anderem festhielt:

 

„Auch am heutigen Vormittag möchte ich euch eine Frauengestalt vorstellen, die kaum bekannt ist, der aber die Kirche zu großem Dank verpflichtet ist, nicht nur aufgrund der Heiligkeit ihres Lebens, sondern auch, weil sie durch ihren großen Seeleneifer zur Einführung eines der wichtigsten liturgischen Hochfeste des Jahres beigetragen hat: des Fronleichnamsfestes. Es handelt sich um die hl. Juliana von Cornillon, die auch als die hl. Juliana von Lüttich bekannt ist. Wir besitzen einige Angaben über ihr Leben vor allem durch eine Biographie, die wahrscheinlich von einem zeitgenössischen Kleriker geschrieben wurde und in der verschiedene Zeugnisse von Personen, die die Heilige unmittelbar kannten, zusammengetragen werden“.

 

Sowohl die erwähnte Instruktion LITURGIAM AUTHENTICAM aus der Amtszeit Johannes Pauls II. wie die Ansprache Benedikts XVI. lassen sich in ihrer Gesamtheit auf Deutsch auf der offiziellen Seite des Vatikans im Internet nachlesen. Dazu passt sehr gut, dass Lüttich, die Heimatdiözese der heiligen Juliana, sich nach dem II. Vatikanischen Konzils sowohl an der Herausgabe des Deutschen Messbuchs wie des Deutschen Lektionars beziehungsweise der betreffenden Lektionare beteiligte. Im heutigen Staatsverband von Belgien mit seinen verschiedenen autonomen Regionen und Gemeinschaften ist Deutsch eine der drei allgemein anerkannten Amtssprachen.

 

 

Gedanken zur Woche XII, Dr. Matthias Martin

  

In diesen Tagen dürfen wir einen ganz besonderen Höhepunkt im Kirchenjahr erleben. So begeht die Kirche das Hochfest von PFINGSTEN. Die besondere Bedeutung dieses Hochfestes wird dadurch unterstrichen, dass es eigens das HOCHFEST DES HEILIGEN GEISTES wie auch GEBURTSTAG DER KIRCHE genannt wird. Allein diese Bezeichnungen verdeutlichen, wie wichtig dieses Hochfest ist, in der katholischen Überlieferung auch als Fest I. Klasse bezeichnet. 

Der Heilige Geist ist ja die Dritte Göttliche Person. Im Großen Glaubensbekenntnis, wie es auf das Erste Konzil von Nicäa im Jahre 325 und das Erste Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 zurückgeht, heißt es im dritten Abschnitt: 

„Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten
“.

Im zweiten Abschnitt dieses Großen Glaubensbekenntnisses, wie es u.a. abgedruckt ist in dem bei uns üblichen Deutschen Messbuch und im Katholischen Gesang- und Gebetbuch für den größten Teil des deutschen Sprachraums, GOTTESLOB, wird mit Blick auf den Herrn Jesus Christus ausgesagt: 

„hat Fleisch angenommen,
durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden“.

In der Theologie wird gerne von der Wesensgleichheit oder auch von der Wesenseinheit der drei Göttlichen Personen, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, gesprochen bzw. geschrieben. Der Heilige Geist steht also nach der seit alters her bekannten Überzeugung der katholischen Kirche wie der allermeisten anderen christlichen Konfessionen auf ein und derselben Ebene wie die Erste Göttliche Person, Gott Vater, und die Zweite Göttliche Person, Gott Sohn. Ausdrücke wie (Göttliche) Dreieinigkeit und (Allerheiligste) Dreifaltigkeit sind fest in der christlichen Überlieferung verankert.       

Mit der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die ersten Jünger entsteht die Kirche. Bezeichnenderweise heißt es im Großen Glaubensbekenntnis direkt im Anschluss an die oben zitierten Worte, mit denen Christinnen und Christen ihren Glauben an den Heiligen Geist bekennen: 

„und die eine, heilige, katholische
und apostolische Kirche
.“ 

Im Katechismus der Katholischen Kirche, abgekürzt KKK und manchmal genannt Weltkatechismus, ist zu lesen:

„Der Geist des Sohnes, den der Vater in unsere Herzen gesandt hat, ist wirklich Gott. Mit dem Vater und dem Sohn eines Wesens, lässt er sich weder im inneren Leben der Dreifaltigkeit noch als Gabe der Liebe für die Welt von ihnen trennen. Die Kirche betet die lebendigmachende, wesensgleiche und untrennbare heiligste Dreifaltigkeit an“ (ARTIKEL 8/I). 

Diese unaufhebbare und grundsätzliche Beziehung des Heiligen Geistes, der Dritten Göttlichen Person, zur Kirche wird gerade zu Pfingsten deutlich. Seine Herabkunft zu Pfingsten bezeichnet ja gewissermaßen den GEBURTSTAG DER KIRCHE.   

Um so überraschender ist es da eigentlich, dass dieses Hochfest von PFINGSTEN, dieses Fest I. Klasse, nur vergleichsweise bescheiden begangen wird, wenn man es mit WEIHNACHTEN und OSTERN vergleicht. Daran kann offensichtlich der Umstand wenig ändern, dass wie der Pfingstsonntag auch der Pfingstmontag in zahlreichen Ländern gesetzlicher Feiertag ist. 

Ein Grund mag sein, dass es für Pfingsten wohl nicht solch beliebte Lieder wie für Weihnachten und Ostern gibt. Kirchenlieder zu Ostern wie „Wir wollen allen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit“, „Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn“ und „Freu dich erlöste Christenheit“ sind nur drei Beispiele für populäres Osterliedgut. Und wer kennt sie nicht, Weihnachtslieder wie etwa „Alle Jahre wieder“, „Oh Tannenbaum“ oder „Stille Nacht, heilige Nacht“? Letzteres wurde gar schon „Das ewige Lied“ genannt, so die Verfilmung zu seiner Entstehung.     

Die Verankerung von Ostern und Weihnachten in der Volkskultur überschreitet besonders augenfällig Länder- wie Konfessionsgrenzen, denken wir nur Osterhasen und Ostereier, Weihnachtsmärkte, Weihnachtspunsch und Weihnachtsgeschenke, Krippen, Verfilmungen und so weiter.       

Da kann das doch so wichtige, ja unverzichtbare, Hochfest von PFINGSTEN wohl nicht so einfach mithalten. Umso mehr sollten wir es in unserem eigenen Bereich in Ehren halten und mit Leben erfüllen. Vielleicht findet sich einmal auch jemand, der bzw. die ein besonders mitreißendes, alle möglichen Grenzen überschreitendes, Pfingstlied verfasst. Die Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Stein war zum Glück auch früher schon aufs engste mit christlichem Musikschaffen verbunden.

 

 

 

Gedanken zur Woche XII b, Dr. Matthias Martin

 

 

Einer Reihe bemerkenswerter Heiliger wird in der ersten Woche nach dem Hochfest von Pfingsten gedacht. Dabei mag der Blick zuerst auf die Märtyrer Marcellinus und Petrus fallen. Beide starben nach sehr gut bezeugter Überlieferung in der Verfolgungszeit unter dem römischen Kaiser Diocletian zu Beginn des 4. Jahrhunderts den Märtyrertod. Es wird ihrer am 2. Juni gedacht, sowohl, wenn man dem jetzt bei uns üblichen Deutschen Messbuch und dem damit verbundenen liturgischen Kalender, wie wenn man der Tridentinischen Liturgie folgt, die mitunter als „Außerordentliche Form des römischen Ritus“ bezeichnet wird. In letzterem Fall kann es dabei geschehen, dass wie in diesem Jahr 2020 die Feier der Pfingstwoche liturgisch zum Schlagen kommt.    
Auf jeden Fall war das Ansehen dieser beiden römischen Märtyrer Marcellinus und Petrus in der frühen Kirche schon so groß, dass sie in der ungekürzten Fassung des Römischen Messkanons, auch genannt das I. Hochgebet, namentlich genannt werden. So heißt es in der Bitte um Gemeinschaft mit den Heiligen nach der Wandlung:

„Auch uns, deinen sündigen Dienern,
die auf deine reiche Barmherzigkeit hoffen,
gib Anteil und Gemeinschaft
mit deinen heiligen Aposteln und Märtyrern:
Johannes, Stephanus, Matthias, Barnabas,
Ignatius, Alexander, Marcellinus, Petrus,
Felizitas, Perpetua, Agatha, Luzia,
Agnes, Cäcilia, Anastasia
und mit allen deinen Heiligen“.

Es fällt auf, dass in dieser ungekürzten Fassung des Römischen Messkanons, des I. Hochgebets, eine ganze Reihe heiliger Frauen genannt sind! Offensichtlich wurde in der offiziellen Römischen Liturgie schon so etwas wie eine Frauenquote verwirklicht, sehr lange bevor etwa in modernen Parlamenten über Frauenquoten und ähnliches diskutiert wurde, als es noch keine Gewerkschaften und dergleichen gab, die sich in einem solchen Sinne engagierten.
Dazu passt auch die römische Praxis von Heiligsprechungen. Wie in „Gedanken zur Woche VIII b“ zumindest bereits angeschnitten wurde, kam es schon vor Jahrhunderten dazu, dass Frauen, die einst politische bis militärische Spitzenpositionen bekleidet hatten, zur Ehre der Altäre erhoben wurden. Über die damals in Zusammenhang mit der ottonischen Dynastie des Ersten Deutschen Reiches erwähnten heiligen Frauen hinaus mögen da zum Beispiel die heilige Margareta von Schottland und die heilige Johanna von Orleans spontan in den Sinn kommen.

Über die Jahrhunderte wirkten Frauen als Ordensgründerinnen, bedeutende Äbtissinnen bis hin zu Kirchenlehrerinnen. Gerade in der Grundstruktur des Ersten Deutschen Reiches konnten betreffende Reichsäbtissinnen eine ernstzunehmende Rolle spielen. In der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT heißt es in Zusammenhang mit „Macht in Frauenhand“: „Doch ausgerechnet im Raum der Kirche bekamen Frauen die Möglichkeit, kraft eignen Amtes als (Fürst-)Äbtissinnen der berühmten Reichsabteien . . . zu Macht und Ansehen zu gelangen“.
Die heilige Hildegard von Bingen ist längst weit über den Bereich praktizierender Katholikinnen und Katholiken bekannt. Maria Stuart erhielt zwar nicht die offizielle Heiligsprechung, wird aber gerne Schottlands Märtyrerkönigin genannt.

Die erwähnten heiligen Frauen im Römischen Messkanon/I. Hochgebet verweisen auf diese heute verdrängte Bedeutung von Frauen in der Geschichte des Christentums. Diese Zeugnisfunktion im liturgischen Hochgebet wurde aber sicher massiv geschwächt, als mit der Liturgiereform Ende der 60er Jahre die Möglichkeit aufkam, den Römischen Messkanon in gekürzter Form zu zelebrieren. Die betreffenden heiligen Frauen wurden wie einige ihrer männlichen „Kollegen“, darunter die heiligen Marcellinus und Petrus, eingeklammert, und damit weitgehend weggeklammert. Betreffende Aufzählungen von Heiligen, eben auch von heiligen Frauen, finden sich jeweils gar nicht mehr in dem Ende der 60er Jahre im Rahmen der Liturgiereform eingeführten II., III. und IV. Hochgebet.           
Der Gedenktag des heiligen Marcellinus und des heiligen Petrus mag Menschen guten Willens auf die ungekürzte Aufzählung eben auch betreffender Frauen in der ursprünglichen, der ungekürzten, Fassung des Römischen Messkanons aufmerksam machen.

So eine liturgische Aufzählung hat dann sicher doch ihre eigene, gewaltige Aussagekraft. Das verdeutlicht, dass die Würdigung der Leistung von Frauen gar nichts in einem bedenklichen Sinne Revolutionäres ist. Es passt vielmehr sehr gut zur Bewusstwerdung eigener Wurzeln als Kirche wie als sprachlich-kultureller Gemeinschaft.

 

 

Gedanken zur Woche XI, Dr. Matthias Martin

 

 

Das durch die bei uns übliche Form der Leseordnung als Sonntagsevangelium gebotene Stück ist wieder, wie schon an den beiden vorhergehenden Sonntagen, aus den Abschiedsreden des Johannesevangeliums genommen.

Konkret bekommen wir den ersten Teil des längeren Hohepriesterlichen Gebetes geboten. Darin wendet sich Jesus beim Letzten Abendmahl an den Himmlischen Vater. Ganz rasch wird die besondere, man möchte sagen, unerschütterliche, Verbundenheit des Sohnes mit dem Himmlischen Vaters deutlich, oder, wie es in der christlichen Überlieferung sehr gerne formuliert ist, von Erster und Zweiter Göttlicher Person.

An anderer Stelle der Abschiedsreden wurde bereits auf das Kommen des Heiligen Geistes eingegangen, damit die Dritte Göttliche Person. So passt es um so besser, dass wir mit dem jetzt anstehenden 7. Sonntag der Osterzeit schon sehr nahe an das Hochfest von PFINGSTEN, auch genannt das HOCHFEST DES HEILIGEN GEISTES, herangekommen sind. Tatsächlich steht dieses Hochfest oder Fest I. Klasse am nächsten Sonntag auf dem Liturgischen Kalender, was in diesem Jahr 2020 auf den 31. Mai fällt.

PFINGSTEN, das HOCHFEST DES HEILIGEN GEISTES, wird auch der GEBURTSTAG DER KIRCHE genannt. Genau dorthin führt bereits das jetzige Sonntagsevangelium. Wird hier doch ausdrucksstark die Gemeinschaft der Jünger, die spätere Kirche, in den Blick genommen. Solche Gemeinschaft der Gläubigen verwirklicht sich gerade, wenn auch nicht nur, im gemeinsamen Gebet, im gemeinsamen Feiern von Gottesdienst.       

Dies unterstreicht die erste Lesung, die aus der Apostelgeschichte ist. Dort heißt es für die Zeit zwischen CHRISTI HIMMELFAHRT und PFINGSTEN:

„Dann kehrten sie von dem Berg . . . nach Jerusalem zurück.
Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf,
wo sie nun ständig blieben . . .
Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet,
zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu,
und seinen Brüdern“
(Apg 1,12-14)

Es fällt auch an dieser Stelle umgehend auf, welch wichtige Stellung Frauen im Neuen Testament einnahmen, waren doch nicht allein die männlichen Apostel im Gebet vereint, sondern diese Vereinigung im Gebet geschah eben „zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu“. Dies wird unterstützt und bekräftigt durch die künstlerisch-darstellerische Überlieferung der Christenheit.

So wird auf Bildern immer wieder Maria, die Mutter Jesu, sogar als im Zentrum, genau in der Mitte, von diesen ersten Jüngerinnen und Jüngern gezeigt. Solche christliche bzw. katholische Tradition mag immer wieder helfen, uns Aussagen aus der Bibel bewusst zu machen, sie klar zu sehen und nicht aus den Augen zu verlieren. Manch traditionsbewusster Katholik, manch traditionsbewusste Katholikin, hat sich dementsprechend gefreut, als vor nicht allzu langer Zeit Papst Franziskus den der heiligen Maria Magdalena in der frühen Kirche zuerkannten Ehrentitel als „Apostelin der Apostel“ erneut hervorhob und vielen Menschen zu Bewusstsein brachte.

Solch eine päpstliche Initiative mag dazu beitragen, dass sich viele Menschen wieder möglichst vorurteilsfrei mit Bibel und kirchlicher Überlieferung beschäftigen. Inzwischen anerkennen ja auch immer mehr Priester, Bischöfe und Kardinäle die Bedeutung von Frauen bei der Aufdeckung, der Bekämpfung und der Prävention von Missbrauch. Dass Christentum keineswegs zur Rechtfertigung solch schlimmer Taten wie sexuellem Missbrauch oder anderer Vergehen herhalten darf, macht die zweite Lesung aus dem 1. Petrusbrief deutlich. Die getauften und gefirmten Christinnen und Christen sollen sich redlich bemühen, gute Werke zu tun und böse Taten zu meiden. Gerade so etwas wie amtliche Kirchenvertreter sollten darin ein gutes Beispiel sein.

 

1. Lesung: Apg 1,12-14
2. Lesung: 1 Petr 4,13-16
Evangelium: Joh 17,1-11a

 

Gedanken zur Woche XI/b, Dr. Matthias Martin

 

In dieser Woche des liturgischen Jahreskreises gedenkt die Kirche eines Heiligen, dessen Beinamen bei manchem Menschen Anlass für ein Missverständnis sein kann: Es ist dies der heilige Augustinus von Canterbury. Ähnlich wie beim heiligen Anselm von Canterbury mag mancher denken, der heilige Augustinus von Canterbury habe aus dem heutigen England bzw. Großbritannien gestammt. Wie beim heiligen Anselm ist dies aber keineswegs der Fall. 

Vielmehr stammte dieser heilige Augustinus vom europäischen Kontinent und wirkte zunächst als Abt eines berühmten Benediktinerklosters in Rom. Es war Papst Gregor der Große, der ihn um das Jahr 596/597 mit etwa vierzig Mönchen zu Bekehrung der Angelsachsen in das spätere England entsandte. Angeln und Sachsen, wie auch Jüten, waren im Rahmen der Völkerwanderung nach England gekommen und hatten dort eine Reihe verschiedener Königreiche gegründet. Demgegenüber verblieben Schottland, Wales und Cornwall, auch genannt Kornwales, noch Jahrhunderte lang unter keltischer Herrschaft und verfügen auch heute noch jeweils über eigene keltische Sprachen und werden manchmal als „keltische Nationen“ bezeichnet. Der heilige Augustinus, später eben genannt von Canterbury, konnte König Ethelbert von Kent und dessen Volk bekehren und taufen. Dieser heilige Augustinus machte das im heute südostenglischen Gebiet liegende Canterbury zu seinem Hauptsitz. Insgesamt schuf er eine Reihe von Diözesen und einen zweiten Erzbischofssitz in York. Ein berühmter Nachfolger von ihm wurde der aus dem Gebiet des Ersten Deutschen Reiches stammende Anselm, genannt von Canterbury. Dieser hatte, wie in „Gedanken zur Woche VI/b“ erwähnt, heftige Konflikte  mit dem inzwischen vorhandenen englischen Königtum durchzustehen, während ein weiterer katholischer Erzbischof von Canterbury, der heilige Thomas Becket, sogar von Anhängern des englischen Königtums im Jahre 1170 ermordet wurde. Schließlich ging der katholische Erzbischofssitz von Canterbury wie so vieles andere in der mit König Heinrich VIII. beginnenden Katholikenverfolgung unter. So ist jetzt Canterbury Sitz des ranghöchsten Erzbischofs der anglikanischen Staatskirche mit der britischen Königin als Oberhaupt.      

Das Andenken dieser heiligen Erzbischöfe von Canterbury, Augustinus, Anselm und Thomas Becket ist in der katholischen Weltkirche aus sehr gutem Grunde aber nicht in Vergessenheit geraten. 

Ebenfalls in dieser Woche wird eines weiteren Heiligen gedacht, dessen Leben mit dem Gebiet des heutigen England verbunden ist. Es ist der heilige Beda der Ehrwürdige. Vom siebten zum achten Jahrhundert lebend war dieser wie der heilige Augustinus von Canterbury Benediktiner. Er verfasste zahlreiche Schriften und bemühte sich generell, die Bibel und die Lehre der katholischen Kirche den Menschen verständlich nahezubringen. Besonders bekannt ist seine „Kirchengeschichte des Volkes der Angeln“. Er gewann großen Einfluss auf das intellektuelle Leben auf dem europäischen Kontinent. Wie gerade auch das Grab des heiligen Thomas Becket wurden die Reliquien des heiligen Beda des Ehrwürdigen in der Katholikenverfolgung des berüchtigten englischen Herrschers Heinrichs VIII. zerstört. Es war dann Ende des 19. Jahrhunderts, dass Beda der Ehrwürdige durch Papst Leo XIII. zum Kirchenlehrer erhoben wurde. Leo XIII. war überhaupt jemand, der bereit war, klar Position gegen britische Machtpolitik und deren Ergebnisse zu ziehen. So setzte er sich mutig für die Schotten ein wie für die im damals britisch beherrschten Kanada lebenden Katholiken und verfasste dazu eigene Enzykliken. So hat er eben auch mitgeholfen, dass das Erbe Beda des Ehrwürdigen der Menschheit nicht verloren geht.

 

 

Gedanken zur Woche X, Dr. Matthias Martin

 

Dass es sich beim Christentum um eine handfeste Angelegenheit, eine ziemlich herausfordernde Angelegenheit, handelt, macht jener Teil des Johannesevangeliums deutlich, der nach der gerade im deutschen Sprachraum üblichen Leseordnung an diesem 6. Sonntag der Osterzeit auf dem Programm steht. Werden in diesem Teil der sogenannten Abschiedsreden doch die Jünger eindrücklich aufgefordert, die Gebote Christi zu halten. Am Halten dieser Gebote sei die Liebe zu Christus zu erkennen: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15).

Tatsächlich wird im Neuen Testament, auch genannt das II. Testament, immer wieder betont, dass es sich beim Christentum nicht einfach um eine Angelegenheit schöner Worte, vielleicht mit einem irgendwann einmal halt so zu vollziehenden Ritus wie eine Taufe verbunden, handelt. Es wird mit unterschiedlichen Akzentsetzungen, in verschiedenen Formulierungen immer wieder eingeschärft, dass es sich beim Christentum um eine im Alltag zu verwirklichende Herausforderung handelt, die sich zu beweisen hat im Tun des Guten und Meiden des Bösen. Passend zum jetzt anstehenden Sonntagsevangelium mögen wir spontan an die Mahnung Jesu im Matthäusevangelium denken:

„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!,
wird in das Himmelreich kommen,
sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut“
(Mt 7,21). 

Wenig später finden wir die aufmunternden Worte: 

„Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt,
ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten,
als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten,
da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut“
(Mt 7,24-25).

Berühmt ist sicher die gleich zweimal im Jakobusbrief ausgesprochene Feststellung, dass der Glaube tot ist ohne die Werke. Verbunden ist dies mit der Aufforderung, Bedürftigen zu helfen, jede Diskriminierung von Armen zu vermeiden und sich böser Worte zu enthalten. Solches ist das Programm für die Christin, den Christen. Darauf wurde bzw. wird schon im Alten Testament, dem I. Testament, hingeführt. Im Buch Tobit etwa wird uns der Titelheld vorgestellt als Mann „mit gerechten Taten  . . . und viele<n> Werken der Barmherzigkeit“ (Tob 1,3), der sich auch durch ein ungerechtes Regime nicht vom Tun des Guten, gerade für notleidende Mitmenschen, abhalten ließ. Die Bewährung im Alltag als Herausforderung für die Gläubigen wird breiter entfaltet im ebenfalls alttestamentlichen Buch Jesus Sirach. Nicht umsonst war dann eben dieses Buch Jesus Sirach über Jahrhunderte das in der Christenheit besonders häufig, ja wohl am meisten, herangezogene Buch der ganzen Bibel aus Altem und Neuem Testament.

In diesem Sinne sind dann die Apostel hinausgezogen in die Welt, um den christlichen Glauben zu verkünden. Die erste Lesung für den anstehenden Sonntag der Osterzeit aus der Apostelgeschichte verdeutlicht, dass dabei mutig menschliche Grenzen überwunden wurden. Es wird berichtet, wie das Evangelium durch den Apostel Philippus umgehend in Samarien verkündet wurde, dort christlicher Glauben ausgebreitet wurde. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, wie sehr Juden und Samariter verfeindet waren. Die Apostel wie die Familie Jesu waren ja bekanntlich Juden. Auf der anderen Seite sind noch heute die Samariter als eigene Volksgruppe im Nahen Osten vorhanden und wird von den nationalen Regierungen Israels wie Palästinas auch in religiösen Angelegenheiten ihre Eigenständigkeit anerkannt.

Umso mehr mögen wir selber bereit sein, für christliche Überzeugungen mutig einzutreten und in diesem Sinne gute Werke zu tun und böse Taten zu unterlassen.

  

1. Lesung: Apg 8,5-8.14-17
2. Lesung: 1 Petr 3,15-18
Evangelium: Joh 14,15-21

 

 

Gedanken zur Woche X/b, Dr. Matthias Martin

 

Die Woche zwischen dem 6. und dem 7. Sonntag der Osterzeit hat es wahrlich in sich. Diese Woche ist liturgisch bemerkenswert dicht gepackt.      

Da stehen von Montag bis Mittwoch erst einmal die Bitttage auf dem Programm. Diese Tradition wurde gerade in der Pfarrgemeinde zum heiligen Nikolaus in Stein an der Donau seit alters her in Ehren gehalten. Liturgische Texte finden sich für Bitttagsmessen eigens in dem bei uns heutzutage üblichen Deutschen Messbuch. Wer sich für betreffende liturgische Texte interessiert, wird auch bereits in der früher üblichen lateinischen Liturgie fündig, wie ein Blick in das dazu passende, einst allgemein verwendete, Messbuch zeigt. So ist es umso mehr würdig und recht, die Tradition der Bitttage nach besten Kräften auch in den schwierigen Zeiten von Corona-Krise aufrecht zu erhalten, zu pflegen und an Mitmenschen weiter zu geben.

Dann steht am Donnerstag dieser Woche das Hochfest oder das Fest 1. Klasse von CHRISTI HIMMELFAHRT auf dem Programm. Verbunden sind damit die berühmten Schlussverse des Matthäusevangeliums, in denen es unter anderem heißt:

„Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen:
Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
und lehrt sie, alles zu befolgen,
was ich euch geboten habe.
Und siehe, ich mit euch alle Tage
bis zum Ende der Welt“
(Mt 28,18-20)

Auf diesen allgemeinen, universellen Missionsbefehl wurden die Jünger bereits vorher hingeführt, finden wir eine Vorbereitung, welche im Alten Testament, dem I. Testament beginnt. So ist bereits im Ersten Lied vom Gottesknecht im Buch Jesaja davon die Rede, dieser sei berufen, das „Licht für die Völker/Nationen“ zu sein (Jes 42,6). Im ebenfalls alttestamentlichen Buch Jeremia werden die „Völker“ im Allgemeinen angesprochen (Jer 31,10). Im 100. Psalm werden „alle Lande“ bzw. „alle Länder der Erde“ angerufen. Völkergrenzen überschreitendes wird uns nicht zuletzt schon im frühen alttestamentlichen Buch Rut geboten, mit der unerschütterlich herzlichen Beziehung der moabitischen Rut zu ihrer israelitischen Schwiegermutter Noomi. Jesus selber bezog sich in seiner Rede in der Synagoge von Nazaret, wie sie uns im vierten Kapitel des Lukasevangeliums überliefert wird, ganz stark auf die Bedeutung von Menschen aus verschiedenen Völkern im Alten Testament.

So wurden dann die Apostel ausgesandt allen Völkern die unverkürzte Botschaft Jesu Christi zu verkünden. Diese Botschaft ist dementsprechend nicht an menschliche Grenzen gebunden, seien es solche der Sprache, der Volksgruppe oder der sozialen Zugehörigkeit. Auch an anderen Stellen des Neuen Testamentes, des II. Testamentes, wird diese universelle Ausrichtung unverfälschten Christentums angesprochen. 

In der Internationalen Gemeinschaft kann man sich auch heutzutage nicht einigen, wie viele Staaten es geben solle oder wie viele anzuerkennen wären, Grenzkonflikte gibt es in ganz verschiedenen Teilen der Welt einschließlich gegen bestehende Verhältnisse gerichtete Unabhängigkeitsbewegungen und mitunter auch Anschlussbestrebungen. Da gibt es immer wieder auch deutliche Meinungsverschiedenheiten unter den Katholikinnen und Katholiken. Dies ändert nichts an dem allgemeinen Missionsauftrag, ganz im Gegenteil!

So mögen wir alle nach besten Kräften Zeugnis ablegen für die christliche Botschaft und den damit verbundenen Werten, wahrhaft christlichen Verhaltensweisen. Unsere Gedanken, Worte und Werke mögen in glaubwürdiger Weise zusammenstimmen und so ein gutes christliches Zeugnis ergeben.

 

 

Gedanken zur Woche IX, Dr. Matthias Martin

 

 

 Das Evangelium für den 5. Sonntag der Osterzeit in der bei uns verwendeten Leseordnung ist ein Teil der berühmten Abschiedsreden des Johannesevangeliums. Diese Abschiedsreden enthalten ganz wesentliche Punkte christlichen Glaubens und Handelns. So wird im Johannesevangelium auf diese Abschiedsreden hingeführt durch die Erzählung von der Fußwaschung. Darin wäscht Jesus den Jüngern die Füße, um ihnen so als der wahre Meister ein Beispiel zu geben, wie sie sich selber dienstbereit verhalten sollen. Im Kernbereich der Abschiedsreden finden sich dann wesentliche Aussagen über das Kommen des Heiligen Geistes, der Dritten Göttlichen Person, wie über das unerschütterliche Verhältnis von Gott Vater und Gott Sohn zueinander, also von Erster und Zweiter Göttlicher Person. Sehr stark ist die Aufforderung Jesu an seine Jünger, auch und gerade in den kommenden Bedrängnissen, ja Verfolgungen, ihm treu zu bleiben und an seinen Geboten festzuhalten. So finden wir im Kapitel nach dem heutigen Sonntagsevangelium die Ermutigung:

  

„Wie mich der Vater geliebt hat,
so habe auch ich euch geliebt.
Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet,
werdet ihr in meiner Liebe bleiben,
so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe
und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist
und damit eure Freude vollkommen wird“
(Joh 15, 9-11)

 

 Im Evangelium für den 5. Sonntag der Osterzeit wird eigens der Zusammenhang, die gegenseitige Bestärkung, der beiden christlichen Grundtugenden von Glauben und Hoffnung thematisiert. Wer an Christus glaubt, hat die Hoffnung, dass dieser ihm einen Platz beim himmlischen Vater vorbereiten wird. Solche Hoffnung ihrerseits kann den Glauben erfüllen, ihn stärken, den Christen, die Christin, zu einem Leben aus dem christlichen Glauben motivieren. Sehr gut zusammenspielend mit der oben zitierten Stelle aus den Abschiedsreden heißt es im 1. Korintherbrief über die drei christlichen Grundtugenden von Glauben, Hoffnung und Liebe: 

 

„Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
 doch am größten unter ihnen ist die Liebe“
(1 Kor 13,13).

 

 Diese Liebe verwirklicht sich in der Gottes- und zugleich in der Nächstenliebe. So antwortet nach dem Zeugnis des Markus-, des Matthäus- wie des Lukasevangeliums Jesus auf die Frage eines jüdischen Gesetzeslehrers, was denn das wichtigste am überlieferten Gesetz wäre, mit dem doppelten Liebesgebot. Unter Rückgriff auf bereits im Alten Testament vorhandene Aussagen wird aufgefordert, Gott und den Nächsten zu lieben. Ja es heißt, dass man den Nächsten lieben soll wie sich selbst!

 

Diese Liebe zum Nächsten verwirklicht sich in tätiger Hilfsbereitschaft, im Tun guter Werke, wofür wir im Alten und im Neuen Testament, auch genannt das I. und das II. Testament, zahlreiche Aussagen finden. In der kirchlichen Überlieferung wurden etwa die Liste der sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit und der sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit als nützlicher Leitfaden für die Verwirklichung der Nächstenliebe entwickelt.


Wie sehr die tätige Nächstenliebe, das Tun guter Werke gerade für die Notleidenden, schon in der Urkirche als unverzichtbar angesehen wurden, macht die 1. Lesung für diesen Sonntag deutlich. Dort erfahren wir, dass sich umgehend ein Fürsorgesystem begonnen hatte zu entwickeln, wobei es gerade um die Versorgung von Witwen ging. Um in der wachsenden Gemeinschaft der Christinnen und Christen das Funktionieren dieses Hilfssystems auf Dauer zu gewährleisten, wurden die ersten Diakone berufen.

 

Es wird deutlich, dass die glaubwürdige Verwirklichung von Nächstenliebe seit jeher einezentrale Herausforderung für Christentum, für Kirche ist. Bibel und unverfälschte katholische Überlieferung machen dies immer wieder deutlich.

 

1. Lesung: Apg 6,1-7
2. Lesung: 1 Petr 2,4-9
Evangelium: Joh 14,1-12

 

 

 

Gedanken zur Woche IX/b, Dr. Matthias Martin

 

 

In der 5. Osterwoche wird in diesem Jahr nach dem bei uns üblichen Deutschen Messbuch und dem damit verbundenen liturgische Kalender gerade des heiligen Johannes Nepomuk gedacht. Der heilige Johannes Nepomuk, kurz der heilige Nepomuk, ist besonders eindrücklich mit unserer Pfarrgemeinde in Stein an der Donau verbunden.

 

So springt Besuchern, wenn sie die Pfarrkirche durch das Haupttor betreten, das durch den Barockmaler Martin Johann Schmidt, genannt „Kremser Schmidt“, geschaffene Bild dieses Heiligen ins Auge. Es ist integraler Bestandteil des barocken Seitenaltars. Dieses Gemälde wie der unter anderem mit Blattgold verzierte ganze Seitenaltar wurden im Rahmen der jüngst abgeschlossenen Kirchenrenovierung erfolgreich restauriert. Dass nun das Gemälde des heiligen Johannes Nepomuk in der Pfarrkirche in erneuertem Glanz erstrahlt, gab Anlass zur Freude bei Einheimischen wie bei Gästen, einschließlich solchen aus den USA. 

 

Damit der Verehrung des heiligen Johannes Nepomuk in Stein aber noch nicht genug. Am Steiner Rathausplatz finden wir ein eigenes eindrucksvolles Denkmal des Heiligen und auf dem Weg zur Mautener Brücke am westlichen Ortsende von Stein eine überdachte Statue. Eine ganze Reihe weiterer Darstellungen finden sich im Förthof mit seiner St. Matthias-Kirche und im historischen Krems. Überhaupt erfreut sich der heilige Nepomuk großer Beliebtheit im Volk. Er ist, wenn man etwa die Zahl von ihm gewidmeten Standbildern, Kapellen und Kirchen nimmt, gerade im Deutschen Sprach- und Kulturraum so etwas wie ein Spitzenheiliger. 

 

Wie am Barockaltar der Steiner Pfarrkirche mit der dazugehörenden Marienstatue verdeutlicht wird, ist der heilige Johannes Nepomuk der einzige Heilige neben der Jungfrau Maria, der mit einem Sternenkranz abgebildet wird. Historisch belegt starb er als Opfer des tyrannischen böhmischen Königs Wenzel IV. Der Überlieferung nach bezeichnete ein Kranz von Sternen Gläubigen die Stelle in der durch Prag fließenden Moldau, an der sich der Leichnam des Opfers monarchistischen Machtanspruchs befand. Die üblicherweise fünf Sterne in der Darstellung des heiligen Nepomuk stehen für die fünf Buchstaben des lateinischen Wortes TACUI, was so viel heißt wie „Ich habe geschwiegen“. Der heilige Nepomuk wird insbesondere als Märtyrer des Beichtgeheimnisses verehrt wegen seiner Weigerung, dem böhmischen König gegenüber das Beichtgeheimnis zu verraten, nachdem die Ehefrau des Tyrannen bei ihm zur Beichte gegangen war. Dabei hatte sich der heilige Johannes Nepomuk ganz grundsätzlich der Politik des böhmischen Königs widersetzt und ist umso mehr ganz generell als Märtyrer gewaltlosen Widerstands gegen ein Unrechtsregime zu betrachten. Johannes Nepomuk ist beileibe nicht das einzige Opfer eines sich selber als „christlich“ ausgebenden Monarchen. Denken wir nur an den heiligen Thomas Becket, der bereits im 12. Jahrhundert von Anhängern der englischen Monarchie ermordet wurde. Denken wir mit dem heiligen Thomas Morus und dem heiligen John Fischer an die tatsächlich ungezählten Opfer, der mit dem Gewaltherrscher Heinrich VIII. einsetzenden systematischen Katholikenverfolgung im englischen Machtbereich.            

 

Der Märtyrertod und die Verehrung des heiligen Johannes Nepomuk können helfen, wesentliche Dinge im Leben klarer zu sehen. Da ist zum einen die Tatsache, dass in der (Macht)Politik etwa von Monarchen gelinde gesagt nicht immer „christlich“ drinsteckte bzw. drinsteckt, wo die Bezeichnung „christlich“ in Anspruch genommen wurde oder wird.

 

Da ist auch die unaufhebbare Bedeutung des Beichtsakramentes. Dies ist gerade in unseren Tagen so bedeutsam, gilt doch das Beichtsakrament seit den 80er Jahren als das „vergessene“ oder auch das „verlorene“ Sakrament.            

 

Eigens verdeutlicht die Verehrung des heiligen Johannes Nepomuk, wie sehr religiöses Leben, der Glauben, und künstlerisches Wirken miteinander verbunden sind. Der heilige Johannes Nepomuk und die ihm geltenden Verehrung haben gerade in der bildenden Kunst ihren herausragenden Platz, wie eben nicht zuletzt in Stein und Krems deutlich wird. Schon Jahrhunderte vor dem Leben und Leiden dieses Heiligen hatte sich im Jahre 787 das II. Konzil von Nicäa insbesondere mit Bedeutung bildlicher Darstellungen für das kirchlich-religiöse Leben befasst. Es wird deswegen auch das „Bilderkonzil“ genannt. Passend zum späteren Lebens- und Leidensweg des heiligen Johannes Nepomuk sprach sich bereits dieses Konzil scharf gegen die Einmischung sich selber als „christlich“ bezeichnender Fürsten, Könige und Kaiser in das kirchliche Leben aus.

 

 


Gedanken zur Woche VIII, Dr. Matthias Martin

 

 Im Evangelium für den 4. Sonntag der Osterzeit nach der bei uns gerade im deutschen Sprachraum üblichen Leseordnung begegnet uns ein, christlichen Leserinnen und Lesern vertrautes, sprachliches Bild. Es ist dies das Bild von Hirten und den Schafen.


Die bildliche Darstellung Jesu als des guten Hirten, der fürsorglich ein Schaf trägt, finden wir schon in den frühchristlichen Katakomben Roms. Glaube, moralische Überzeugungen, christliches Selbstverständnis drücken sich immer wieder in bildliche Darstellungen aus. Mitunter kann dies sehr beeindruckend geschehen. Die Gestaltung unserer Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus in Stein ist dafür sicher ein sehr gutes Beispiel. Die vielen positiven Rückmeldungen nach Abschluss der Renovierung einschließlich von Menschen, welche nicht der katholischen Kirche angehören, bestätigen dies.

  

Jesus seinerseits stellt sich im Evangelium vor als der gute Hirte. Damit verbunden warnt er aber auch vor Eindringringlingen in den Schafstall, denen nicht das Wohl der, bildhaft so bezeichneten, Schafe am Herzen liegt. Nach offiziellem Abschluss des Sonntagsevangeliums  wird das Johannesevangelium mit deutlichen Worten fortgeführt, wenn es heißt:

 

„Ich bin der gute Hirt.
Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Der bezahlte Knecht aber,
der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören,
sieht den Wolf kommen,
lässt die Schafe im Stich und flieht;
und der Wolf reißt sie und zerstreut sie.
Er flieht,
weil er nur ein bezahlter Knecht ist
 und ihm an den Schafen nicht liegt“ (Joh 10,11-13)

 

Dem Vorbild des guten Hirten verlässlich nachzustreben ist seit jeher Herausforderung und Aufgabe für jeden kirchlichen Amtsträger. Seit Anbeginn des Christentums gab es aber entgegengesetzte, regelrecht abschreckende Beispiele. Denken wir da nur Judas Iskariot, der Jesus Christus verriet und die Einkünfte der Kasse veruntreute. Denken wir da an die dreimalige Verleugnung Jesu durch Petrus. In den Briefen des Neuen Testaments wird deutlich, dass die Verhältnisse innerhalb des Urchristentums oft ganz und gar nicht harmonisch waren. Nicht umsonst wird im Sonntagsevangelium davor gewarnt, dass jemand, der in den Schafstal einsteigt, statt einer guter Hirte, „ein Dieb und ein Räuber“ sein könne.


In neuester Zeit haben Bischofskonferenzen in verschiedenen Teilen der Welt in Zusammenhang mit Missbrauchsskandalen immerhin zugegeben, dass das Verhalten so manches kirchlichen Amtsträgers regelrecht kriminell war. Die drastischen Aussagen des früheren Wirtschafts- bzw. Finanzchefs des Vatikans, Kardinal George Pell, beweisen, dass Vorwürfe zum Thema Finanzkorruption im Vatikan keine Hirngespinste, sondern sehr berechtigt waren. Interessant nicht zuletzt, dass jetzt erstmals die bundesdeutschen Bischöfe deutlich Kritik am Verhalten deutscher Bischöfe in der Herrschaftszeit des Nationalsozialismus geäußert haben. In diesen Bereichen war ja lange, sehr lange, stattdessen Schönreden, Verdrängen bis hin zur Diffamierung der Opfer angesagt. Der Massenexodus aus der Kirche in zahlreichen Ländern kam und kommt nicht von ungefähr, wie von verschiedener Seite längst festgestellt wurde. Gerade im amerikanisch-englischsprachigen Raum gab es dazu bereits aufschlussreiche bis drastische Veröffentlichungen.


Umso mehr bleibt so hoffen, dass jetzt endlich eine schonungslose, ehrliche Aufarbeitung im kirchlichen Bereich vorankommt. An einer Stelle im Johannesevangeliums wird Jesus mit den Worten zitiert: „ . . . und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32). Von Vertuschung, Tarnen und Täuschen war da ganz und gar nicht die Rede!           


Umso mehr mag das Sonntagsevangelium verbunden mit anderen Bibelstellen Anstoß sein für eine im guten Sinne selbstkritische Erneuerung im kirchlichen Leben.

  

1. Lesung: Apg 2,14a.36-41
2. Lesung: 1 Petr 2,20b-25
Evangelium: Joh 10,1-10

 

 

Gedanken zur Woche VIII/b, Dr. Matthias Martin

 

In der bei uns üblichen Einteilung liturgischer Gedenktage ereignet sich in dieser Woche etwas ganz bemerkenswertes. Da wird am 04. Mai des berühmten Märtyrers Florian samt der heiligen Märtyrer von Lorch gedacht. Am nächsten Tag steht der heilige deutsche Bischof Godehard im Blickpunkt.


Diese Heiligen stehen für die entgegengesetzten Richtungen, in welche sich das Verhältnis von Kirche und jeweiligem Staat entwickeln kann. Der heilige Florian und die Märtyrer von Lorch starben in der Christenverfolgung des römischen Gewaltherrschers Diocletian zu Beginn des 4. Jahrhunderts. Sie wurden also Opfer eines seine Macht gezielt gegen Christinnen und  Christen einsetzenden Staatsapparates, in diesem Fall augenscheinlich dem des Römischen Reiches. In Zeiten des Römischen Reiches kam es wiederholt zu Übergriffen bis hin zu systematischen Verfolgungen gegen Christinnen und Christen. Hinweise, dass es schon sehr früh in diese Richtung ging, finden wir in Schriften des Neuen Testamentes. In dem als Lesung für den Gedenktag des heiligen Florian und der Märtyrer von Lorch vorgeschlagenen Teil des 1. Petrusbriefes soll offensichtlich bedrängten Christinnen und Christen Trost und Mut zugesprochen werden, wenn es heißt:

„Deshalb seid ihr voll Freude,
wenn es für kurze Zeit jetzt sein muss,
dass ihr durch mancherlei Prüfungen betrübt werdet.
Dadurch soll sich eure Standfestigkeit im Glauben,
die kostbarer ist als Gold,
das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist,
herausstellen .
. .“ (1 Petr 1, 6-7).

Beispielsweise auch in der Apostelgeschichte wird deutlich, dass es im Römischen Reich und von ihm abhängigen Staatswesen, den sogenannten Klientelstaaten, schon sehr früh ernst, ja todernst, für Christinnen und Christen werden konnte. Nicht umsonst sind im Römischen Messkanon, ebenso genannt das I. Hochgebet, jeweils Märtyrerinnen und Märtyrer der frühen Zeit angeführt.   


Demgegenüber steht der Weg des heiligen Godehard für ein betont freundliches Zusammenwirken von christlicher Kirche und jeweiligem Staat. Godehard wirkte vom 10. zum 11. Jahrhundert im I. Deutschen Reich, auch bezeichnet als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Durch Kaiser Heinrich II. wurde er Bischof des Reichsbistums Hildesheim. Dort entwickelte er im guten Verhältnis mit der Spitze des Reiches eine vielfältige Tätigkeit, weit über den engeren religiös-spirituellen Bereich hinaus, so im Bau- und im Schulwesen. Passend dazu bemühte Godehard sich um eine bessere Ausbildung der Geistlichkeit. Bezeichnenderweise wurde auch der ihn fördernde deutsche Kaiser Heinrich II. heiliggesprochen, wie auch dessen Ehefrau, die Kaiserin Kunigunde. Die heilige Kaiserin Kunigunde war selber eine für das Gemeinwohl engagierte Frau und nicht ein Heimchen am Herd oder ein armes Hascherl. Dabei waren Heinrich II. und Kunigunde nicht die einzigen Mitglieder ihrer Dynastie, den Ottonen, die heiliggesprochen wurden. Heiliggesprochen wurde auch Königin Mathilde, Ehefrau Heinrichs I. und Mutter Ottos des Großen. Sie wird mitunter als Mitbegründerin des I. Deutschen Reiches angesehen. Ihr Sohn Bruno diente in hohen Ämtern der Kirche und dem Reich und wurde später gleichfalls als Heiliger anerkannt. An ihm hatte sein Bruder Otto der Große stets eine verlässliche Stütze. Das gleiche lässt sich von Ottos zweiter Ehefrau Adelheid sagen, die in schwierigen Zeiten Kurs zu halten verstand und ebenfalls heiliggesprochen wurde.           


Die Gegenüberstellung der Opfer von Staatsmacht, des heiligen Florian samt der Märtyrer von Lorch, und eines die positive Zusammenarbeit von Kirche und Staat verkörpernden heiligen Bischofs Godehard und mit ihm verbundener weiterer Heiliger mag für uns ein Ansporn sein, den Glauben zu bekennen und gute Werke zu tun - unabhängig von den Zeitumständen. Zugleich verdeutlichen die erwähnten heiliggesprochenen Frauen, dass eine ihres Auftrages bewusste Kirche beizeiten keine Probleme mit Frauen in Führungs-, ja in Spitzenpositionen hatte. Das mag durchaus manchen heute lebenden Mann in der Kirche zum Nachdenken anregen.

 

 

Gedanken zur Woche VII, Dr. Matthias Martin

 

  

Mit Blick auf das Angebot der bei uns üblichen kirchlichen Leseordnung zum 3. Sonntag der Osterzeit kann spontan das bekannte deutsche Sprichwort „Doppelt genäht hält besser!“ in den Sinn kommen. So wird uns ein doppelter Vorschlag für das Sonntagsevangelium gemacht, wenn wir dem Direktorium der hiesigen Diözese St. Pölten folgen. Da wird uns zum einen die berühmte Geschichte mit den Emmausjüngern aus dem Schlusskapitel des Lukasevangeliums geboten und als Alternative dazu aus dem Schlusskapitel des Johannesevangeliums die Erzählung von der Erscheinung des Auferstandenen bei Jüngern einschließlich dem Simon Petrus am See von Tiberias.

 

Das Stück aus dem Johannesevangelium ist natürlich schon in Hinblick auf den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi höchst bemerkenswert. Nicht übersehen werden sollte dazu der stattfindende erfolgreiche Fischfang. Vorher schon Jesus den Aposteln verheißen, er werde sie zu Menschenfischern machen. Die vielen Fische im Netz werden in einer Linie damit als sinnbildlich für die Völker der Erde gesehen. Alle sollen durch die christliche Mission angesprochen, niemand soll ausgegrenzt werden. Es geht damit um die Umsetzung des Allgemeinen Missionsauftrages Jesu Christi, wie er sich in besonders bekannter Weise im Schlusskapitel des Matthäusevangeliums findet:

 

„(28,19) Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
(20) und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
 Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“.

 

Die Aufzählung ganz unterschiedlicher Volksgruppen im Pfingstbericht der Apostelgeschichte und weitere Bibelstellen etwa in den Paulusbriefen wie im Buch der Geheimen Offenbarung weisen uns in dieselbe Richtung des umfassenden Missionsauftrages und der von daher kommenden Entwicklung des Christentums.

 

Dann ist da natürlich auch die Geschichte nach Lukas von der Begegnung des auferstandenen Herrn Jesus Christus mit den Emmausjüngern. Zum einen wird auch hier Zeugnis abgelegt von der Auferstehung Jesu Christi. Zum anderen werden wir hier auf die Gesamtheit der Bibel mit ihren Einzelschriften aus dem Alten und dem Neuen Testament hingewiesen. So ist ausdrücklich „von Mose und allen Propheten“, „der gesamten Schrift“ und dem „Sinn der Schriften“ die Rede. Seinerseits bezieht sich Petrus in der 1. Lesung aus der Apostelgeschichte ausdrücklich auf die alttestamentliche Persönlichkeit David und es wird dazu aus dem Buch der Psalmen zitiert. Die katholische Kirche hat dementsprechend über die Jahrhunderte die Gesamtheit der Bibel, die verschiedenen Einzelschriften, verteidigt. In diesem Sinne haben sich Päpste und Konzilien deutlich geäußert. So schärfte im 15. Jahrhundert das Konzil von Florenz ein:

 

„Sie <,die Kirche,> bekennt ein und denselben Gott als Urheber des Alten und Neuen Bundes, das heißt des Gesetzes und der Propheten sowie des Evangeliums; denn die Heiligen beider Bünde haben unter Einhauchung desselben Heiligen Geistes gesprochen; sie nimmt ihre Bücher an und verehrt sie“.

 

Die Erzählung von der Begegnung des auferstandenen Jesus Christus mit den Emmausjüngern eben aus dem Lukasevangelium hat Eingang in den neugotischen Hochaltar der Pfarrkirche von Stein gefunden. So wird dort Jesus bei Tisch mit den beiden Emmausjüngern abgebildet. Passenderweise wird darauf auch im gedruckten Kirchenführer hingewiesen. 
Umso mehr mögen wir uns am Herrn Jesus Christus orientieren, die verschiedenen Schriften der Bibel wertschätzen und in diesem Sinne unser Leben gestalten. Dazu mag uns auch die Betrachtung des Hochaltares in der Pfarrkirche St. Nikolaus manche Anregung bieten.

 


1. Lesung: Apg 2,14.22-33
2. Lesung: 1 Petr 1,17-21
Evangelium: Lk 24,13-35 oder Joh 21,1-14

 

  

 

Gedanken zur Woche VII/b, Dr. Matthias Martin

 

 

Betrachtet man die nun anbrechende Arbeitswoche im Sinne des bei uns üblichen liturgischen Kalenders, so mag bei den hier gefeierten Kirchenlehrern das deutsche Sprichwort in den Sinn kommen „Aller guten Dinge sind drei!“.

 


Tatsächlich wird am 27. April des heiligen Petrus Kanisius und am 29. April gerne der heiligen Katharina von Siena gedacht. Am 2. Mai ist der Gedenktag des heiligen Athanasius, der in der Überlieferung mit dem ehrenden Beinamen „der Große“ ausgezeichnet wurde.

  

Der in der chronologischen Reihenfolge zuerst genannte Petrus Kanisius ist besonders eng und augenfällig mit unseren Breiten, mit dem, was man gerne den Deutschen Sprach- und Kulturraum nennt, verbunden. So wurde er in den Gebieten des damaligen I. Deutschen Reiches geboren. Er wurde der erste deutsche Jesuit, wie in der Literatur über Selige und Heilige betont wird. Sein Wirken im 16. Jahrhundert wurde so bedeutsam, dass er sogar der „Zweite Apostel Deutschlands“ genannt wurde, eine Bezeichnung die eigens auch Papst Leo XIII. in einer Enzyklika verwendete. Aus dem reichen literarischen Schaffen des Petrus Kanisius wurden besonders berühmt die drei verschiedenen Katechismen, die hunderte von Auflagen erlebten und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Wie wichtig für Petrus Kanisius eine gründliche Ausbildung und die Pflege von Wissenschaft und Bildung waren, kann man nicht zuletzt an seinem eigenen Lebensweg sehen, seinem Bemühen um eine Neuordnung des Studienbetriebes wie der Verfassung einer eigenen Grammatik des Lateinischen. Dabei ließ er sich auch nicht durch die vielfältigen politischen Schwierigkeiten, bis hin zur offenen Katholikenverfolgung namentlich im englischen Machtbereich, in Skandinavien und verschiedenen Reichsstädten, Fürstentümern wie Grafschaften des damals schon innerlich zerrissenen I. Deutschen Reiches, entmutigen.    

 

Unerschütterliches Durchhaltevermögen bewies auch die heilige Katharina von Siena. In ihrem kurzen Leben hier auf Erden leistete sie gewaltiges für die religiöse Erneuerung. Namentlich trat sie unerschrocken für die Rückkehr des Papsttums aus dem unter schädlichem französischem Einfluss stehenden, wenn auch nicht offiziell zu Frankreich gehörenden, Avignon nach Rom ein. 1376/77 folgte Papst Gregor XI. ihren Vorstellungen. Als es wenig später zum sogenannten Abendländischen Schisma kam, stand die heilige Katharina in unerschütterliche Treue zum rechtmäßigen Papst in Rom und kritisierte heftig das ohne politisches Ränkespiel nicht denkbare Gegenpapsttum mit Sitz in Avignon. Sie hatte keine Scheu, hohe und höchste männliche Würdenträger in Kirche und Welt heftig anzugehen. Ihre theologische Bedeutung wird durch die Anerkennung als Kirchenlehrerin unterstrichen. Papst Johannes Paul II. erhob Katharina ausdrücklich zur Mitpatronin Europas.

 

Ebenfalls besonderen Mut bewies der dritte der genannten Kirchenlehrer, Athanasius. Schon in jungen Jahren wurde er zum Patriarchen seiner Geburtsstadt Alexandrien gewählt. Auf ihn geht ein großes Schrifttum zu verschiedenen Bereichen der Theologie, des kirchlichen Lebens bis hin zu eher allgemeinen menschlichen Fragen zurück. In der Geistesgeschichte der Menschheit gewann Athanasius bleibende Bedeutung. Besonders bekannt wurde das unerschrockene Eintreten des Athanasius für die Lehre von Allerheiligsten Dreifaltigkeit und der Göttlichen Natur Christi im Sinne des I. Konzils von Nicäa. Dies trug ihm mehrfach die Verbannung ein. Offiziell christliche römische Kaiser missbrauchten damals oft ihre Macht gegen die freie Entfaltung von Kirche und Theologie bis hin zur Verfolgung von Anhängern des Glaubensbekenntnisses von Nicäa. Athanasius hat sich von so etwas nicht einschüchtern lassen, ebenso wenig wie in späteren Jahrhunderten die heilige Katharina von Siena und der heilige Petrus Kanisius. Das mag für uns alle Ermutigung sein, in unserer Zeit konsequent einzustehen für Glaube, Hoffnung und Liebe.

 

 

Gedanken zur Woche VI, Dr. Matthias Martin

 

Der kommende Sonntag nach Ostern hat es in sich. So wird dieser erste Sonntag nach dem höchsten Fest der Christenheit, Ostern, traditionell der WEISSE SONNTAG genannt. An diesem Tag findet heute noch in vielen Pfarrgemeinden die Erstkommunion statt. Aus praktischen Gründen kann die Erstkommunion aber auch zu einem anderen Zeitpunkt begangen werden, etwa wenn der Priester sonst nicht verfügbar ist. Seit dem Jahre 2000 wird dieser Sonntag auch als SONNTAG DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT begangen. In Zusammenhang damit sind die Gläubigen besonders eingeladen, sich in Beichte und aufrichtigem Gebet der Gnade des Dreieinigen Gottes anzuvertrauen.          

Damit ist aber gerade in diesem Jahr noch kein Ende des Guten. So fällt nach dem bei uns meist verwendeten liturgischen Kalender auf diesen Sonntag im Jahre 2020 mit dem 19. April der Gedenktag des heiligen Papstes Leos IX. Wird dieser heilige Papst und Verwandte des deutschen Kaiser Heinrichs III. gerne „der deutsche Papst aus dem Elsass“ genannt, so wurde genau am 19. April 2005 ein anderer deutscher Geistlicher, Joseph Ratzinger, als Benedikt XVI. zum Papst gewählt.    

Bemühte sich Leo IX. in seiner Zeit um eine Erneuerung des kirchlichen Lebens gerade im Kampf gegen Korruption und das unmoralische Leben vieler Geistlicher, so ist ein Markenzeichen Benedikts XVI. sein Herausstellen eines positiven Verhältnisses von Glaube und Vernunft. Dazu passt umso besser das Evangelium von diesem Sonntag. Bei diesem geht es um die Begegnung des auferstandenen Herrn Jesus Christus mit dem Apostel Thomas. Dieser war ein wacher, ja kritischer, Geist, der sich nicht einfach irgendwelche Geschichten erzählen lassen wollte. Wegen seines kritischen Nachhackens wird er mitunter in unfreundlichem Ton der „ungläubige“ Thomas genannt. Tatsächlich aber hat der auferstandene Herr Jesus Christus das Anliegen des heiligen Apostels Thomas positiv aufgegriffen. Jesus Christus hat ihn wegen seiner aufgeweckten Geisteshaltung nicht verdammt, sondern in Liebe angenommen!

So wird schon an dieser Stelle des Johannesevangeliums die unaufhebbare Bedeutung der Vernunft gerade in der Religion, im kirchlichen Leben, verdeutlicht. Der Christ, die Christin soll sich nicht mit dem zufrieden geben, was irgendjemand so daher erzählt, was man halt so gehört hat. Dementsprechend hat die katholische Kirche die Behauptung, nur der Glaube habe zu zählen und die Vernunft sei irrelevant, wenn nicht sogar schädlich, ausdrücklich als Irrlehre verurteilt. Diese nach dem lateinischen Wort für Glauben, fides, Fideismus genannte Richtung wurde in der unverfälschten katholischen Überlieferung seit jeher zurückgewiesen. So meinte der im 3. Jahrhundert wirkende Kirchenvater und Märtyrer Cyprian von Karthago:

 

„Nicht aus dem Herkommen ist eine Vorschrift zu begründen, es muss vielmehr die Vernunft siegen“ und
„Eine Gewohnheit ohne Wahrheit  ist nur ein alter Irrtum“.

 

Schon vor Cyprian von Karthago hatten Vertreter des ganz frühen Christentums, genannt Apologeten, mit vernunftorientierten Argumenten aus Bereichen wie Moral, Geschichte und Philosophie Stellung für das Christentum bezogen. Justin der Märtyrer aus dem 2. Jahrhundert wird bezeichnenderweise auch „Justin der Philosoph“ genannt.  

Heute wird oft vergessen, dass der berühmte Astronom Nikolaus Kopernikus ein treuer katholischer Geistlicher war, desgleichen Gregor Mendel, nach dem die Gesetze der Vererbung benannt sind. Aus sehr gutem Grund wird der heutzutage weltweit verwendete GREGORIANISCHE KALENDER nach dem Papst der Gegenreformation Gregor XIII. benannt. Solche Hinweise ließen sich fortsetzen.      

Es war dann das I. Vatikanische Konzil, welches den positiven Zusammenhang von Glauben und Vernunft, das Eintreten einer sich ihres überlieferten Auftrages bewussten Kirche für die Wissenschaften und die Künste, zusammenfassend herausstellte.     

Schon das Sonntagsevangelium von der guten Begegnung des auferstandenen Jesus Christus und des auf seine Weise kritischen Apostels Thomas weist uns in diese Richtung.    

 

1. Lesung: Apg, 2,42-47
2. Lesung: 1 Petr 1,3-9
Evangelium: Joh 20,19-31

 

 

 

Gedanken zur Woche VI/b, Dr. Matthias Martin

 

 

In der Woche nach dem WEISSEN SONNTAG, ja auch SONNTAG DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT genannt, bietet der liturgische Kalender ganz bemerkenswerte Heilige.

 

 

So gedenkt am 21. April die Kirche im besonderen Maße des heiligen Erzbischofs und Kirchenlehrers Anselm von Canterbury. Anders als der Beiname „von Canterbury“ mitunter vermuten lässt, stammte der Heilige keineswegs aus England oder dem heutigen Großbritannien. Vielmehr wurde Anselm in den Gebieten des damaligen Ersten Deutschen Reiches geboren. Später wirkte er erfolgreich in der Normandie, bevor er schließlich zum Erzbischof von Canterbury erhoben wurde. Seine Bedeutung als geistiger Vordenker schlägt sich in der Anerkennung als Kirchenlehrer nieder. Die geistesgeschichtlichen Bedeutung Anselms ist so groß, dass er sogar „Vater der Scholastik“ genannt wird. Von ihm stammt der lateinische Satz „Fidens quaerens intellectum“, zu Deutsch „Der Glaube sucht das Verstehen“. Ein von ihm formulierter sogenannter Philosophischer Gottesbeweis beschäftigt bis heute geistig rege Menschen. 

 

Zugleich war der heilige Anselm von Canterbury ein sehr mutiger Mann. Sein Kampf gegen die Einmischung des englischen Königtums in das kirchliche Leben trug ihm zweimal die Verbannung ein. Ein späterer Erzbischof von Canterbury, der heilige Thomas Becket, wurde von Anhängern des englischen Königtums sogar ermordet. In einer eigenen Enzyklika würdigte der heilige Papst Pius X. sowohl die philosophische Arbeit Anselms von Canterbury wie seinen mutigen Widerstand gegen die englische Staatsmacht.  

Seine eigene Beziehung mit England hat auch der heilige Georg, dessen am 23. April gedacht wird. Der Überlieferung nach erlitt er in der Christenverfolgung des römischen Gewaltherrschers Diocletian zu Beginn des 4. Jahrhunderts den Märtyrertod. In der ostkirchlichen Überlieferung wird Georg als „Erzmärtyrer“ verehrt und in der westlichen Tradition ist er einer der Vierzehn Nothelfer. Er ist für verschiedene Länder Nationalpatron, so für Georgien, für Katalonien, für Aragon, für sein Heimatland Palästina und für England. Die englische Fahne zeigt das rote Georgskreuz auf weißem Hintergrund. Diese eigentliche Fahne Englands gewann in den letzten Jahren stark an Beliebtheit.

 

Während es für Großbritannien als solches keinen eigenen Patron gibt, ist eben der heilige Georg Nationalpatron für England, der Apostel Andreas Nationalpatron von Schottland, der heilige David von Wales passenderweise von Wales und der heilige Patrick von ganz Irland einschließlich Nordirland. Der Gedenktag des dortigen Nationalpatrons darf als jeweiliger Nationalfeiertag von Schottland, Wales, Irland und England betrachtet werden.           


Das rote Georgskreuz auf weißem Hintergrund findet sich unter anderem auf dem Stadtwappen von Barcelona wie dem Emblem des FCs Barcelona. Der Internationale Tag des Buches, genau am 23. April, geht nicht zuletzt auf die Tradition in Katalonien zurück, dass man sich am Gedenktag des heiligen Georgs dort Blumen und Bücher schenkt. Von verschiedener Seite wird darüber hinaus betont, dass der heilige Georg von Geburt Palästinenser gewesen sei. Bis ins öffentlich-rechtliche Fernsehen Großbritanniens BBC hinein wurde dies schon vor Jahren als nicht zu bestreitende Tatsache angesprochen. Die katholische Kirche ist ihrerseits vielfältig mit Palästina verbunden. So fordert der Heilige Stuhl die Schaffung eines international anerkannten und lebensfähigen Nationalstaates Palästina. Seit dem Ersten Arabisch-Israelischen Krieg, auch Palästinakrieg genannt, unterstützt der Heilige Stuhl Aufbau und dauernde Tätigkeit des Hilfswerkes der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten.


Umso mehr lohnt es sich, immer wieder einen Blick auf so bedeutende Heilige wie den heiligen Anselm und den heiligen Georg zu werfen, und sich so Ermutigungen für eine christliche Lebensgestaltung zu holen.

 

 

 

Gedanken zur Woche V, Dr. Matthias Martin

 

Die herausragende Bedeutung von Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit, wird in vielfältiger Weise deutlich. Dies ist auch gut erkennbar außerhalb des eigentlichen kirchlichen Bereichs. So ist Ostersonntag wie auch Ostermontag in zahlreichen Ländern als staatlicher Feiertag anerkannt. Rechtsprechung, Gesetze bis hin zu internationalen Verträgen unterstützen dies. In der Volkskultur findet Ostern besonders starken Niederschlag. Gerade Ostereier stehen symbolisch für die Auferstehung Jesu Christi. Mit dem Osterei in enger Verbindung findet sich der Osterhase. Der Einsatz des  Osterhasen entwickelte sich besonders in Gebieten des damaligen I. Deutschen Reiches. Eine eigene Rolle spielte dabei das Elsass, jene Region am Rhein, in welcher schon rund sieben Jahrzehnte vor Martin Luther die Bibel in deutscher Sprache gedruckt wurde. Durch deutsche bzw. deutschsprachige Auswanderer kam der Osterhase auch in andere Weltgegenden, nicht zuletzt die USA. Längst hat sich, wie oft deutlich wird, aber der Kommerz dieses Brauchtums angenommen, um nicht zu sagen bemächtigt.           

Umso wichtiger ist es, dass wir uns der grundlegenden religiösen Botschaft von Ostern immer wieder bewusst werden. Das Fest der Auferstehung Jesu Christi steht für die Hoffnung auf das rettende Handeln Gottes. Ostern steht für die christliche Grundüberzeugung, dass nicht Leid und Tod, sondern in Jesus Christus Liebe und Leben das letzte Wort haben. Dies mag uns gerade in den Bedrängnissen dieser Zeit mit neuer Zuversicht erfüllen.      

Dabei schlägt sich die besondere Bedeutung des Osterfestes auch nieder in der eigens ausgestalteten Liturgie der Osternacht. In ihr findet sich die besondere Segnung des Feuers und der Osterkerze. Es folgt der feierliche Einzug mit seinem besonderen Gesang. Der Wortgottesdienst ist an diesem höchsten christlichen Fest mit mehr Lesungen als sonst ausgestattet. Hinzukommen die Weihe des Taufwassers und die Erneuerung des Taufversprechens verbunden mit der Möglichkeit der Spendung des Taufsakramentes. An diese schon für sich beeindruckenden liturgischen Handlungen schließt sich gemäß alter Überlieferung die Eucharistiefeier an. Fortgesetzt wird die Feier von Ostern am Tag von Ostersonntag und an Ostermontag mit eigenen Eucharistiefeiern.       

Wir alle sind eingeladen, uns gerade in dieser festlichen Zeit mit Jesus Christus zu verbinden, auf ihn zuzustreben und nach Kräften unser Leben in seinem Sinne zu gestalten. Als besonderes Vorbild stellt uns die Bibel dazu Maria von Magdala mit den anderen Frauen vor, welche am Ostermorgen zum Grab gingen, um sich um den Leichnam Jesu zu kümmern. Diese Frauen ließen sich durch die für die Jünger und Jüngerinnen so furchtbaren Ereignisse von Festnahme, Misshandlung und Kreuzigung Jesu vom vorhergehenden Freitag nicht entmutigen, sich weiterhin zu ihm zu bekennen. Maria Magdalena erhielt als erste Zeugin der Auferstehung nach biblischer Überlieferung von Jesus den Auftrag, den Aposteln bzw. männlichen Jüngern Kunde von Auferstehung zu bringen. Ihre Bedeutung war so gewaltig, dass sie in der frühen Kirche gar „Apostelin der Apostel“ genannt wurde. Auch die sie begleitenden anderen Frauen wurden in der frühen Christenheit geehrt. Der Kirchenvater und Bibelübersetzer Hieronymus nannte die Frauen am leeren Grab als Gruppe „Apostelinnen der Apostel“. Umso angemessener ist es, dass in jüngster Zeit Menschen wieder verstärkt auf die besondere Bedeutung Maria Magdalenas aufmerksam wurden.

 

Osternacht:                                       
1. Lesung: Gen 1,1-2,2    

2. Lesung: Gen 22,1-18                     

3. Lesung: Ex 14,15-15,1

4. Lesung: Jes 54,5-14

5. Lesung: Jes 55,1-11

6. Lesung: Bar 3,9-15.32-4,4

7. Lesung: Ez 36,16-17a.18-28

8. Lesung: Röm 6,3-11

Evangelium: Mt 28,1-10

 

 

Ostersonntag:                                   
1. Lesung: Apg 10,34a.37-43

2. Lesung: Kol 3,1-4/1 Kor 5,6b-8     

Evangelium: Joh 20,1-18/Mt 28,1-10                                  

 


Ostermontag

1. Lesung: Apg 2,14.22-33

2. Lesung: 1 Kor 15,1-8.11

Evangelium: Lk 24,13-35

 

  

 

Gedanken zur Woche IV, Dr. Matthias Martin

 

 

Bereits die Tage unmittelbar vor Ostern als dem höchstem Fest der Christenheit besitzen eine außerordentlich hohe Bedeutung. Da ist zum einen der oft so bezeichnete GRÜNDONNERSTAG. Dabei ist diese Bezeichnung für sehr viele heute lebende Menschen etwas irreführend. Tatsächlich hat dieser hochbedeutsame Tag des Kirchenjahres nichts mit der Farbe GRÜN zu tun, ganz im Gegenteil! Der Begriff geht vielmehr auf den Althochdeutschen Begriff „grunen“ für weinen zurück. Im Laufe der Sprachgeschichte entwickelte sich dann die Wortform „greinen“ für weinen. In manchem (Unter-)Dialekt ist diese ältere Wortform des Deutschen noch besser erkennbar. Auch sonst haben sich in Dialekten bzw. Unterdialekten mitunter ältere Ausdrücke der deutschen Sprache erhalten, die uns manchmal ganz interessant etwa in die Zeit der Völkerwanderung zurückverweisen.

Je nach Akzentsetzung in der Überlieferung beweint man den Verrat durch Judas Iskariot und die dreifache Verleugnung Jesu durch Petrus damals in Jerusalem. Manchmal bezieht sich dieses Weinen in dem Ausdruck auch auf die Kreuzigung Jesu an Karfreitag oder seine im Neuen Testament berichtete Todesangst in der Nacht zuvor. So ist denn auch die liturgische Farbe am Gründonnerstag keineswegs Grün, sondern tatsächlich Weiß. Das liturgische Weiß rührt gerade daher, dass die Kirche mit Gründonnerstag gleich die Einsetzung zweier Sakramente durch Jesus Christus verbindet: der Allerheiligsten Eucharistie und des Weihesakramentes. Deswegen wird dieser Tag auch heute noch in manchem Pfarrhaus eigens festlich begangen, gäbe es ohne diese Einsetzung des Weihesakramentes doch keine Priester und damit auch keine Pfarrer!

 Wegen der hohen Bedeutung dieses besonderen Donnerstages wird er auch HOHER DONNERSTAG genannt, eine Bezeichnung, die wir in dem bei uns üblichen Deutschen Messbuch wie in pastoralen Handreichungen finden. Umso weniger besteht irgendeine Verpflichtung oder auch nur kirchliche Empfehung, am Donnerstag der Karwoche etwas Grünes zu essen. In vielen Haushalten unseres deutschen Sprach- und Kulturraums kommt an diesem Tag insbesondere grüner Spinat auf den Tisch. Das kann, muss aber nicht sein!

Ist der HOHE DONNERSTAG oder Gründonnerstag ein Tag, an dem kulinarisch etwa in manchem Pfarrhaus etwas besonders geboten werden mag, so ist der darauffolgende KARFREITAG wie der ASCHERMITTWOCH ein Fast- und Abstinenztag. An diesem Tag wird auch keine Heilige Messe gefeiert, sondern die eigene Karfreitagsliturgie. Bei dieser können Hostien ausgeteilt werden, die vorher schon konsekriert wurden, bei denen die Wandlung in einer früheren Heiligen Messe stattfand. Wie am vorherigen PALMSONNTAG wird am KARFREITAG die Passion Jesu anhand eines der neutestamentlichen Evangelien vorgetragen. In der üblichen Leseordnung sind damit je eine alttestamentliche und eine neutestamentliche Lesung verbunden. Die Liturgiefarbe Rot weist uns eigens auf das vergossene Blut des Herrn Jesus Christus hin. Am Karfreitag sind wir besonders eindrücklich eingeladen, in uns zu gehen, uns vom weltlichen Getriebe fernzuhalten und uns umso intensiver mit dem Herrn Jesus Christus zu verbinden.

 

 

Gründonnerstag/Hoher Donnerstag     Karfreitag:

1. Lesung: Ex 12,18.11-14                 1. Lesung: Jes 52,13-53,12
2. Lesung: 1 Kor 11,23-26                  2. Lesung: Hebr 4,14-16; 5,7-9
Evangelium: Joh 13,1-15                    Evangelium: Joh 18,1-19,42

   

 

 

Gedanken zur Woche III, Dr. Matthias Martin

  

Die für sich schon bemerkenswerte und auch fest in der allgemeinen kulturellen Überlieferung verankerte Fastenzeit neigt sich ihrem Ende zu. Der Palmsonntag markiert den Beginn der für das religiöse Leben auf eigene Weise besonders intensiven Karwoche. Mit dem geistig nachvollzogenen Einzug Jesu in Jerusalem ziehen wir geistlich-spirituell ein in die Zielgerade auf das Gedächtnis des Leidens und Sterbens am Karfreitag und das Fest seiner Auferstehung am Ostersonntag hin. 

Die Auswahl der biblischen Texte nach der bei uns üblichen Leseordnung unterstreicht die Wichtigkeit des Palmsonntags. So bringt uns die erste Lesung aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja das so wichtige Dritte Lied vom Gottesknecht nahe. Die zweite Lesung aus dem neutestamentlichen Brief an die Philipper enthält den berühmten Philipperhymnus, wo es heißt:

 

„Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
     und wurde wie ein Sklave
     und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
     und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
      der größer ist als alle Namen . . .“ (Phil 2, 6-9)

 

Als Sonntagevangelium wird dann die umfangreiche Passionserzählung nach Matthäus geboten. Diese vermittelt uns ein recht ungeschminktes Bild. Da ist es nicht irgendjemand, der den Verrat an Jesus begeht, sondern einer seiner engsten Mitarbeiter, einer der Apostel: der damit so berüchtigt gewordenen Judas Iskariot. Dieser war dazu noch gewissermaßen der Finanzminister, hatte er doch die Kasse unter sich. Genau ein Mensch in solcher Vertrauensposition verriet nach dem ungeschminkten Bericht des Evangelium Jesus. Am Abend der Verhaftung Jesu hat sich auch Simon Petrus, der erste der Apostel, nicht mit Ruhm bekleckert. Hat er doch Jesus dreimal verleugnet. Dem Passionsbericht geht es hier ganz offensichtlich nicht um Vertuschung oder Beschönigung! 

Diese drastische Art der Darstellung mag in uns den Willen zur Wahrhaftigkeit stärken. Sie sollte die Grundrichtung für kirchliches Handeln im Hier und Heute vorgeben. Bei sexuellen Missbrauchsfällen, welche derzeit die katholische Kirche wie andere Konfessionen heftig erschüttern, darf eben im wahrhaft christlichen Sinne nicht Vertuschung und auf Zeit spielen angesagt sein. Die Dinge werden dadurch nur noch schlimmer, wie bei einem Krebsgeschwür, das nicht behandelt wird. Der pensionierte Papst Benedikt XVI. hat dies in seinem spektakulären Aufsatz zu den Missbrauchsskandalen eingeräumt. Gerade in Zeiten wie diesen ist ein ernst gemeinter Blick auf betreffende Bibelstellen umso wertvoller. Passend dazu wird uns von den Kirchenvätern die Mahnung überliefert, dass es besser ist, es gibt Skandal, als dass die Wahrheit zu kurz kommt.

 

1. Lesung: Jes 50,4-7
2. Lesung: Phil 2,6-11
Evangelium: Mt 26,14-27,66

 

 

Gedanken zur Woche II, Dr. Matthias Martin

 

 

Die Fastenzeit schreitet voran. Nach dem Vierten Fastensonntag, auch genannt LAETARE, mit dem möglichen liturgischen Rosa, haben wir den Fünften Fastensonntag erreicht. Dieser ist bereits der letzte Sonntag der Fastenzeit vor dem PALMSONNTAG. Die Fastenzeit ist ganz generell jene Zeit, in welcher wir in uns gehen, das religiöse Leben erneuern und besonders eifrig nach dem Tun guter Werke streben und uns so in aufrichtiger Weise auf das höchste Feste der Christenheit, Ostern, vorbereiten sollen. Sicher stellt die jetzige Situation eine ganz besondere Herausforderung dar. Umso mehr mögen uns da die biblischen Texte, welche die bei uns übliche kirchliche Leseordnung für diesen Fünften Fastensonntag bereit hält, Hoffnung vermitteln. So heißt es in der ersten Lesung aus dem alttestamentlichen Prophetenbuch Ezechiel verheißungsvoll:

 

„So spricht GOTT, der Herr:
Siehe, ich öffne eure Gräber
      und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf.
. . .
Und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin,
      wenn ich eure Gräber öffne
      und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole.
Ich gebe meinen Geist in euch,
      dann werdet ihr lebendig“. (Ez 37,12b-14a)

 

Die Verheißung auf erlösendes, lebendig machendes Eingreifen Gottes wird auch in der zweiten Lesung aus dem neutestamentlichen Römerbrief ausgesprochen. Ein ganz eigener Zuspruch in trauriger, ja schlimmer Situation, ist sicher das Sonntagsevangelium nach Johannes, in welchem es um die Auferweckung des Lazarus durch Jesus geht. Nicht übersehen dabei werden darf die starke Rolle, welche Frauen hier einnehmen. Es begegnen uns recht eindrücklich die beiden Schwestern des Lazarus, Maria und Marta. Beide Frauen begegnen uns auch an anderer Stelle im Neuen Testament ganz bemerkenswert. Es lohnt sich, das Stück aus dem Johannesevangelium für den Fünften Fastensonntag aufmerksam zu betrachten. Beide Frauen, Maria und Marta, haben eine so unangefochtene Beziehung zu Jesus, dass sie direkt nach Jesus schicken lassen können. Ihr Heimartort Betanien wird im Evangelium ausdrücklich als das „Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta“ genannt. Im betreffenden Text des Neuen Testaments wird also ein recht wichtiger Ort auf zwei Frauen hin definiert, bekommt von diesen Frauen her eine Einordnung zugewiesen! Beide Frauen treten uns als starke, ja unerschütterliche, Glaubenszeuginnen entgegen, die auch in noch so schwieriger Zeit ihre Hoffnung auf Jesus setzen. Marta spricht die bemerkenswerten Worte aus:

 

„Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist,
der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll“ (Joh, 11,27).

 

Da mag das so gerne zitierte Bekenntnis des Simon Petrus im Matthäusevangelium in den Sinn kommen. Wird dieses Bekenntnis des Petrus zu Recht immer wieder in der Christenheit zitiert, so darf das Christusbekenntnis der Marta zu Betanien ebenfalls nicht unter den Tisch fallen! Gerade Frauen wie die beiden Schwestern Maria und Marta mögen uns in schweren Zeiten wie der jetzigen als Vorbilder der Hoffnung auf Jesus Christus hin wie in der Verwirklichung echten menschlichen Zusammenhalts voranleuchten.

 

1. Lesung: Ez 37,12b-14                       

2. Lesung: Röm 8,8-11

Evangelium: Joh 11,1-45

 

  

Gedanken zur Woche I, Dr. Matthias Martin

 

Der Vierte Fastensonntag kommt heran. Seit alter Zeit wird dieser vom Lateinischen her LAETARE genannt. Das lateinische Wort LAETARE steht für so viel wie sich freuen bzw. glücklich sein. Auch die liturgische Farbgebung weist uns in Richtung auf die Hoffnung, hin auf die Vorfreude, da wir doch dem höchsten Fest der Christenheit, Ostern, schon ziemlich nahe gekommen sind. Denn an diesem Vierte Fastensonntag, LAETARE, kann der Priester anstelle des dunkleren, ernsteren Violett das hellere Rosa anziehen. Vorgesehen ist dies im liturgischen Jahreskreis sonst nur für den Dritten Adventssonntag mit dem lateinischen Namen GAUDETE. Hier steht das helle, freundliche Rosa für die Vorfreude auf das am Sonntag GAUDETE schon näher gekommenem Weihnachtsfest. Das Wort GAUDETE drückt das in starker Weise auf, heißt es doch schlichtweg „Freut Euch!“.
So mögen wir uns gerade in der jetzigen Zeit vor Ostern innerlich aufrichten, die Hoffnung erneuern. Bezeichnenderweise ist Hoffnung zusammen mit Glauben und Liebe eine der drei christlichen Grundtugenden.
In dieselbe Richtung von Hoffnung, von Vorfreude weisen uns auch die biblischen Texte für den kommenden Sonntag. So ist in der ersten Lesung aus dem ersten Buch Samuel davon die Rede, dass Samuel mit David einen erhofften Hoffnungsträger für das Volk des Alten Bundes salbte. In der zweiten Lesung aus dem neutestamentlichen Brief an die Gemeinde in Ephesus heißt es direkt euphorisch:

 

„Schwestern und Brüder!
Einst wart ihr Finsternis,
  jetzt aber seid ihr Licht im Herrn.
Lebt als Kinder des Lichts!
Denn das Licht
bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor“. (Eph 5, 8-9)

 

Im Sonntagsevangelium nach Johannes geht es darum, wie sich Jesus liebevoll einem seit seiner Geburt blinden Mann voll Liebe heilend zuwendet. Auch dieser Bibeltext mag unsere Hoffnung auf das Erbarmen Gottes stärken und uns zum Durchhalten in der jetzigen, so schwierigen, Zeit ermutigen.
Natürlich sind wir alle eingeladen, unseren Blick auch auf die heilige Corona zu richten. Die heilige Corona, auch heilige Stephana genannt, ist eine frühchristliche Märtyrerin. Schon für das Altertum lässt sich ihre Verehrung in Städten, Asiens, Afrikas und Europas nachweisen. Bezeichnenderweise wird sie der katholischen Überlieferung zufolge gerade gegen ansteckende Krankheiten beziehungsweise Seuchen angerufen. In den letzten Tagen nahm das Interesse an dieser Heiligen weit über den Kreis bisher schon praktizierender Katholikinnen und Katholiken hinaus rasant zu.
Umso mehr sind wir alle eingeladen, uns gerade im Gebet und dem Lesen der Heiligen Schrift uns bewusst mit der weltweiten Gemeinschaft der Glaubenden zu verbinden. So hat die Kirche seit den Tagen des Altertums versucht, die unaufhebbare Bedeutung der Bibel mit ihren Einzelschriften den Gläubigen nahezubringen. Zugleich wurde die Bedeutung heiliger Frauen seit jeher in der unverfälschten Überlieferung der Kirche immer hervorgehoben. So werden in der ungekürzten Fassung des Römischen Messkanons, auch genannt das I. Hochgebet, gleich eine ganze Reihe frühchristlicher Märtyrerinnen genannt.

 

1. Lesung: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b                                 

2. Lesung: Eph 5,8-14

Evangelium: Joh 9,1-41