Geschichtliches

Die erste urkundliche Nennung der Kirche St. Martin findet sich in einer Urkunde vom 1. Mai 1147, in der Bischof Reginbert von Passau dem Kloster Waldhausen eine Kirche (Niuwenstat - Neustadtl) "in der Nachbarschaft des Berges, der gemeiniglich Hengist gennant wird", verleiht. Im Frühjahr 1147 hatten der deutsche König Konrad III., der erste hohenstaufische Kaiser, und sein Halbbruder mütterlicherseits, der Babenberger Markgraf von Österreich Heinrich, ihr Heer in Regensburg versammelt. An und auf der Donau zog das Kreuzfahrerheer stromabwärts. In Ardagger waren die Fürsten an Land gegangen, um auf das nachfolgende Heer zu warten.

Zu Wien wurde abermals eine mehrtägige Pause eingelegt, Zeit genug, einige Urkunden auszufertigen u. a. die Waldhausen betreffende, in der die Hengstbergpfarre und die Martinspfarre erwähnt werden.
Bei der Grenzbestimmung der Neustadtler Platte wird als zweiter Grenzpunkt, nach der Gaißgstetten, eine Kirche des Hl. Martin genannt. Diese Kirche reicht in ihren Anfangsgründen in die Mitte des 9. Jhdts. zurück.

In einem Einkommensverzeichnis aus dem Jahre 1332 des Bistums Passau erscheint der Name "de sancto Martino" unter den "Ecclesiae Parochiales totius diocesis Patauiensis" - Pfarrkirchen der gesamten Diözese Passau - im Dekanate "ypolitensis" - St. Pölten.
Demnach war St. Martin 1332 bereits Pfarre.

Nach einer alten Schrift im Ybbser Pfarrarchiv aus dem Jahre 1771 soll die Gründung der Pfarrkirche Ybbs und der beiden Vikariate Neumarkt und St. Martin zur Zeit der Babenberger erfolgt sein. Die Annahme dafür geht daraus hervor, dass am Kirchturm zu St. Martin noch 1875 das Babenbergerwappen, der Bindenschild, zu sehen war. Wann dieses Wappen angebracht wurde, ist ungewiss, man kann es daher nicht als sicheres Zeichen für eine babenbergische Besitzung geltend machen, denn die landesfürstliche Vertretung hätte in der Mitte des 16. Jhdts. in der Folge des Patronatsstreites, der zwischen der Herrschaft Karlsbach und der Pfarre Ybbs um das Pfarrvikariat St. Martin ausgefochten wurde, sicher darauf hingweisen, wenn es sich dort befunden hätte. Eher ist anzunehmen, dass dieses Wappen nachträglich im Anschluss an den Patronatsstreit, angebracht wurde, um die Kirche zweifellos landfürstlich erscheinen zu lassen.

Das Jahr 1948 war in den Monaten Mai bis November der Kirchenrenovierung gewidmet. Nach den Dachreparaturen in den Jahren 1941 und 1946 sollte der Innen- und Außenputz der Kirche und des Turmes erneuert werden. In Folge dessen kam es zu allerhand neuen Entdeckungen. An der Wand gegenüber der Sakristei entdeckte man eine Teilansicht der Leiden Jesu und ein Reiterbildnis des Hl. Martins. Weiters fanden sich in allen übrigen Wandfeldern des Presbyteriums und des Langhauses der Kirche Überreste von Fresken.

Im Laufe der Zeit überlegte man eine Erweiterung der Pfarrkirche. Am Samstag, den 20. Juni 1987, beginnen freiwillige Helfer mit der Räumung der Kirche. Der Um- und Zubau erfolgte. Am 23. Oktober 1988, fand nach glücklich vollendetem Werk die Kirchweihe statt.

Text auszugsweise aus: "Die Martinspfarre am Ybbsfeld" Festschrift anlasslich des 800-jährigen Jubiläums der Oktavglocke an der Pfarrkirche St. Martin von Fritz Zotl, 2000