Sonntagspredigt

 

Allerheiligen, Allerseelen

Liebe Besucherin, lieber Besucher unserer Homepage! 


Was halten Sie von Heiligen, welche Vorstellungen haben Sie von ihnen? Sie werden vielleicht sagen: „Die haben vor langer Zeit gelebt und haben ein ordentliches Leben geführt. Sie sind nun in der Herrlichkeit Gottes“. – Das stimmt. Aber die Heiligen sollen nicht nur Vergangenheit sein, sondern auf die Gegenwart bezogen werden.


Darum meine nächste Frage: Glauben Sie, dass es in der heutigen Zeit auch Heilige gibt? -  Ich sage ja! Um diese zu  erkennen, müssen Klischee-Vorstellungen von Heiligen abgelegt werden. Sie haben keinen sichtbaren „Glorienschein“. Wenn wir nach heilig mäßigen Menschen Ausschau halten, müssen wir sie an den Kriterien der Seligpreisungen messen. Diese werden uns im Matthäus-Evangelium (Mt 5, 1– 12) vorgestellt.


Das erste wichtige Kennzeichen ist: arm sein vor Gott. Das heißt aber nicht, dass nur die Armen heilig werden können und die anderen nicht. Die eigentliche Bedeutung ist: Sich vor Gott klein vorkommen, sich ihm als sein Geschöpf anvertrauen. Man setzt nicht mehr auf irdische Dinge seine Hoffnung, sondern orientiert sich an überirdischen Werten.


Charles von Foucauld, der Gründer der Kleinen Brüder, hat gesagt: „Herr, ich  überlasse mich dir ganz, mache mit mir, was du willst!“ - Setzen auch wir unser Vertrauen auf Gott!


Oder der hl. Franziskus. Er verzichtete auf den Reichtum. Fragen wir uns: Hängen wir zu sehr an irdischen Dingen? Sind diese ein Hindernis in der Beziehung zu Gott? Diene ich dem Mammon?


Die zweite Seligpreisung: „Selig die Trauernden, sie werden getröstet werden.“ Allerheiligen und Allerseelen sind besinnliche Tage. Man denkt an die Verstorbenen. Trauer und Schmerz erfüllen viele Menschen. Gott will uns durch die Auferstehung trösten.


Diese Seligpreisung kann man auch anders verstehen: Man soll traurig sein über persönliche Verfehlungen. Heilige waren Sünder, oft ganz große. Paulus war ein Christenverfolger und hat Menschen umbringen lassen. Petrus hat den Herrn dreimal verleugnet. Der Apostel Thomas war ein großer Zweifler, Augustinus ein Lebemann und David ein Ehebrecher. Dennoch sind sie große Heilige geworden. Warum? Weil sie sich bekehrt haben. Heilige sind bekehrte Menschen.


Das gilt auch für uns: Eingestehen der Schuld und Umkehr sind wichtig. Nehmen Sie darum die Beichte in Anspruch. Wochentags ist im Dom von Dienstag bis Samstag vor der 8 Uhr-Messe Beichtgelegenheit, am Sonntag um 8.45 Uhr. Ich habe auch im Dompfarramt ein eigenes Aussprachezimmer, telefonische Anmeldung unter 02742/35 34 02.


Heiligwerden hat eine ganz besondere Grundlage, nämlich die Liebe. Dies drücken die weiteren Seligpreisungen aus: „Selig die keine Gewalt anwenden, selig die Barmherzigen, selig die ein reines Herz haben“.


Überzeugende Beispiele der Liebe gibt es: Die hl. Monika vergoss aus Liebe Tränen für ihren Sohn Augustinus. Elisabeth von Thüringen wurde durch ihren sozialen Einsatz die Patronin der Nächstenliebe (Caritas). Theresia von Lisieuex sagte: „Meine Berufung ist die Liebe“. Mutter Theresa aus Kalkutta sammelte mit ihren Schwestern tausende Sterbende aus den Gossen von Kalkutta. Maximilian Kolbe starb freiwillig im Konzentrationslager für einen Familienvater.


Die Liebe kann man vielfältig leben. In welchen Lebensbereichen können Sie Ihre Liebe weiterschenken?


Wenn wir das tun, ist es ein Glaubenszeugnis. Denn ein wichtiges Merkmal eines Heiligen ist, sich zu Gott und zu seiner Botschaft zu bekennen. Christsein soll nicht nur im stillen Kämmerlein gelebt werden, sondern auch öffentlich. Es gibt keinen Heiligen, der seinen Glauben versteckt hat. Im Gegenteil: Überzeugend haben sie den Glauben gelebt und verkündet. Darum sind sie auch Friedensstifter geworden.


Nikolaus von Flüelie wurde in seiner Zelle im Wald zu einem großer Ratgeber für die Menschen in der heutigen Schweiz. Stephan von Ungarn war als König ein guter Ratgeber für seine Untertanen, ebenfalls der Markgraf Leopold. – Seien auch wir m Alltag Glaubenszeugen. Dann gilt für uns: „Selig die Friedensstifter“.


Wenn wir so leben, werden wir es nicht leicht haben. Denn es ist ein anderer Lebensstil als der in der Welt von heute. Wir können bei manchen Herausforderungen der Gesellschaft nicht  mitmachen. Oftmals ist es ein geistlicher Kampf.  Man eckt an und hat sogar persönliche Nachteile.


Aber wenn wir auf den Herrn vertrauen, werden wir seinen göttlichen Beistand erhalten: „Selig, die um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet  werdet, freut euch und jubelt, euer Lohn im Himmel wird große sein.“


Denken wir an die vielen Blutzeugen der Kirchengeschichte. Durch ihr Lebensbeispiel hat sich der Glaube auf der ganzen Welt verbreitet. Martin Luther King starb als Märtyrer für die Freiheit der Schwarzen in den USA. Das war wichtig für die Freiheit aller Rassen. Der hl. Stefan betete für seine Verfolger, daraufhin hat sich Paulus bekehrt.


Heilige sind markante Personen der Vergangenheit, sie wirken auch in der heutigen Zeit nach. Nehmen wir diese Herausforderung an und streben wir persönlich nach Heiligkeit.

Allerseelen


Was wäre, wenn es kein Leben nach dem Tod gäbe? Was hätte das Leben für einen Sinn, wenn nachher alles aus ist? Das Leben wäre sinnlos, absurd, furchtbar und schrecklich.


Doch wenn es weitergeht hat das irdische Leben eine wichtige Bedeutung.  Man kann nicht  mehr aus dem Leben herausfallen. Man lebt ewig.


Gibt es dafür Beweise? Manche sagen doch: „Es ist noch  niemand zurück gekommen!“ - Das stimmt nicht! Es gibt einen, der diese Schwelle übersprungen hat, der den Tod besiegt hat: Jesus Christus!


Die Berichte der Bibel geben davon Kunde: Die Auferstehung des Herrn ist die zentrale Stelle der Offenbarung Gottes. Er hat Tote lebendig gemacht. Lazarus wurde von Jesus aus dem Grab geholt.  Der Herr  erweckte den Jüngling von Nain und ein zwölfjähriges Mädchen zu neuem Leben. Dem Schächer am Kreuz versprach er nach dessen Tod das Paradies.


Was haben diese Berichte mit unserem konkreten Leben zu tun? Sehr viel! Nicht  nur diese Handlungen Christi sollen uns Mut machen, sondern vor allem seine Worte: „Ich  bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich  glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.“ D.h. wenn wir an Gott glauben, werden wir Anteil an der Herrlichkeit des Himmels erhalten. Der Glaube an Gott ist somit ein entscheidendes Kriterium für das zukünftige Leben. Gott bietet uns eine neue Heimat  an, eine neue Wohnung, ein neues Leben, ein unsterbliches Leben.


Natürlich muss der Glaube sich in konkreten Taten auswirken, vor allem in der Nächstenliebe. Dies ist ebenfalls ein entscheidendes Kriterium.


 


Die Entscheidung liegt bei uns! Gott akzeptiert auch, wenn man sich gegen ihn entscheidet. Er lässt uns diese Freiheit, ob wir die Seligkeit des Himmels erreichen wollen oder nicht. Wenn sich jemand bewusst gegen Gott entscheidet und sein Leben so aufbaut, dann wird ihm der Herr als Richter begegnen. 


Ein Mensch, der trotz Fehler und Sünden auf Gott vertraut, kann immer auf die Barmherzigkeit des Herrn rechnen. Gott hat grundsätzliche zwei Eigenschaften: Er ist einerseits Richter, andererseits barmherzig.


Wenn wir uns der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, dann werden wir die „Seligkeit des Himmels“ erfahren. Von dieser Seligkeit haben wir kein Foto, aber anschauliche Gleichnisse in der Bibel. Jesus spricht vom Hochzeitsmahl. Alle sind glücklich, alle feiern, sie haben Anteil an der Herrlichkeit Gottes.


 


Die Einlassbedingungen sind der Glaube und die konkrete Liebe. Nicht alle Verstorbenen werden in Vollform diese Bedingungen erreicht haben, die Heiligen schon. Bei manchen Verstorbenen wird noch einiges fehlen. Manche dunkle Flecken werden noch an ihnen haften, die sie sich  im irdischen Leben angeeignet haben. Diese passen nicht für die Reinheit des Himmels. Sie würden die Herrlichkeit des Herrn  nicht aushalten. Darum bedürfen die Verstorbenen einer Reinigung, einer Läuterung. In diesem Sinn spricht man auch von den „Armen Seelen“


Darin liegt nun die Bedeutung von „Allerseelen“: Es soll nicht nur ein Gedenken der Verstorbenen sein, sondern wir können etwas für sie tun. Bitten wir Gott um Abkürzung bzw. Beendigung dieses Läuterungsprozesses. Darin liegt  die Bedeutung des Gebetes für die Verstorbenen.


 


Gleichzeit ist das auch für uns persönlich wichtig. Wir setzen ein Glaubenszeugnis: Wir vertrauen, dass Gott uns erhört. Dadurch soll gleichzeitig unser Glaube gestärkt werden, vor allem der Glaube an die Auferstehung und an die Barmherzigkeit Gottes.


In diesem Zusammenhang möchte ich hinweisen auf die polnische Schwester Faustine. Diese selig gesprochene Ordensfrau sah Jesus, wie von ihm Strahlen der Barmherzigkeit ausgehen und die Menschen erreichen.


 


Eine noch größere Möglichkeit, um geistiger Weise die Verstorbenen der erlösenden Liebe Jesu anzuvertrauen, ist die hl. Messe. Bei der Eucharistiefeier werden der Tod und die Auferstehung Christi gegenwärtig gesetzt. Man soll bewusst die Verstorbenen in das Erlösungsopfer Christi hineinlegen. Man kann selber bei der hl. Messe ein Gedenken vollziehen oder dem zelebrierenden Priester das konkrete Anliegen mitteilen. Bei den entsprechen Messgebeten wird der Verstorbene besonders eingeschlossen.


Praktisch geht das so vor sich, dass man, „eine Messe aufschreiben lässt“. Im Dom werden die Mess-Intentionen in der Sakristei entgegengenommen. Der finanzielle Betrag ist dabei ein Zeichen, dass einem dieses Anliegen sehr wertvoll ist. Das Geld wird für die Kirche verwendet.


 


Eine andere Möglichkeit ist auch ein Licht am Kerzenständer im Dom beim Sakramentsaltar im Gedenken an die Verstorbenen anzuzünden. Dort ist ein Bitt- und Dankbuch, wo Sie Ihre Anliegen und Ihre Gebete hineinschreiben können.


„Allerseelen“ hat eine große Bedeutung.  Den Verstorbenen gilt unsere Zuwendung.  Wir bitten auch für sie um die Zuwendung Gottes und vertrauen auf seine Barmherzigkeit. Die Auferstehung des Herrn soll uns Hoffnung und Trost schenken.


Dompfarrer Norbert Burmettler


 


 

 

 

 

Gottesdienstzeiten

Sonntag:
09:15 - 10:30 - 11:45 Uhr

Samstag:18:30 Uhr
Vorabendmesse


Wochentags:
Mo-Sa 7:00 u. 8:00 Uhr
Di, Do, Fr 18.00 Uhr

Laudes:
Di-Do 7.30 Uhr

Vesper:
Mi 18.00 Uhr

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