Gedanken unseres Herrn Pfarrers zu Papst Franziskus ...

  Wie ich Papst Franziskus charakterisieren möchte

 

            Niemand hatte ein Konklave erwartet, da der Heilige Vater nicht gestorben war. Papst Benedikt XVI. hat am 11. Februar 2013 die Entscheidung getroffen, sein Amt nicht mehr auszuüben. Er hat sich am 28. Februar um 20 Uhr in den Ruhestand verabschiedet. Dasselbe geschah übrigens im 13. Jahrhundert (1294) bei Papst Coelestin V.


So kam es, dass am 13. März 2013 der 265ste Nachfolger des hl. Petrus gewählt wurde, der den Vornamen Franziskus angenommen hat. Dieser Papst gewann in kurzer Zeit eine sehr große Beliebtheit. Daher scheint es begründet zu sein, sich einen Überblick über die 18 Monate des Pontifikats zu verschaffen, sowie dessen Schwerpunkte darzustellen. Wenn man sich die Vorstellung des neuen Papstes (Habemus Papam), seinen Vornamen (Franziskus) und seine offiziellen Urkunden näher betrachtet, erscheint eine gewisse Charakteristik des Papstes Franziskus. Hiermit möchte ich kurz einige, meines Erachtens, wichtigste Merkmale des Pontifikatanfangs aufzeigen.

 
1. Habemus Papam


Die Vorstellung des neuen Papstes erfolgte der alten Formel nach: Annuntio vobis gaudium magnum, habemus Papam! Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum Georgium Marium Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Bergoglio qui sibi nomen imposuit Franciscum. Auf dem Balkon erschien Papst Franziskus, begrüßte die Menschenmassen, die den Petrusplatz gefüllt haben mit folgenden Worten: "Buona Sera" (Guten Abend). Das waren überraschende Worte, denn normalerweise sind wir an: "Gelobt sei Jesus Christus" gewöhnt. Diesmal aber klang die Begrüßung "Buona Sera" sehr laizistisch. Man kann das auch anders deuten. Der Papst stammt aus Argentinien, einem armen Land, und jene Begrüßung drückt eine Art Verbundenheit zu den Notleidenden aus. Bereits die ersten Worte dieses Pontifikats weisen auf sein Anderssein hin. Er sagt über sich selbst, er sei der "Bischof von Rom", ohne dabei die Bezeichnung Papst, Heiliger Vater genannt zu haben. Ferner spricht er von einem gemeinsamen Weg des Bischofs und dessen Volkes:Und jetzt beginnen wir mit diesem Weg - Bischof und Volk -, den Weg der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt, gegenüber allen Kirchen, einen Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens.“[1] Das dritte neue Element, das Franziskus kennzeichnet, ist nämlich das Gebet.  Zuerst betet er für den pensionierten Papst Benedikt XVI., dann ermutigt er alle zum Gebet füreinander, und der Höhepunkt ist der Wunsch an die Gläubigen, für ihn selbst zu beten. Der Bischof von Rom kniet und bittet um ein Gebet. Das Gebet ist der grundsätzliche Bestandteil des religiösen Lebens. Zu jenem Zeitpunkt hatte er aber eine besondere Dimension. Ich erinnere mich an die Begegnungen der charismatischen Gruppen, während denen der Prediger ums Gebet bittet, damit alles, was er sagen wird, vom hl. Geist kommt. Papst Franziskus wird deutlich sagen: „Und nun möchte ich den Segen erteilen, aber zuvor bitte ich euch um einen Gefallen. Ehe der Bischof das Volk segnet, bitte ich euch, den Herrn anzurufen, dass er mich segne: das Gebet des Volkes, das um den Segen für seinen Bischof bittet. In Stille wollen wir euer Gebet für mich halten.“[2] Das ist ein Ausdruck der Demut vor der Aufgabe, die er auf seine Schultern genommen hat. Es ist jedoch auch das Bewusstsein, dass es ohne die Unterstützung des hl. Geistes nicht geht. Die Bitte um ein Gebet geht Hand in Hand mit den Worten über den gemeinsamen Weg des Bischofs und dessen Volkes.


Der Pontifikatsanfang ist der Bote von etwas anderem. In der Ursprungsform sind es die Begrüßungsworte "Buona Sera". Der auf einen gemeinsamen Weg des Bischofs und dessen Volkes, sowie auf das Gebet (insbesondere die Bitte um ein Gebet für sich selbst) gelegte Akzent, weist auf die Geistlichkeit des Papstes Franziskus hin.

 
2. Franziskus


Ein Papst hat das besondere Privileg, sich selber seinen Vornamen aussuchen zu können. Oft stützte man sich auf den Vornamen des Vorgängers, weil er schon ein gewisses Programm beinhaltete. Der Jesuit Bergoglio entschied sich für den Vornamen des Heiligen aus Assisi. Bei der Erklärung dieser Namenswahl wies er auf die Armut hin, die er aus seinem Herkunftsland gut kennt. Außer Armut und Elend gibt es jedoch noch die Geistesarmut, von der reiche Länder betroffen sind. Als Papst, also als Pontifex (Brückenbauer) möchte er die Kraft für den Dialog aufbringen. Der Heilige aus Assisi hat eben eine so große Bedeutung für den Papst Franziskus, weil er den Armen das Evangelium verständlich verkündet hatte. Das Schlüsselwort sind daher die Armen, denn Armut ist mit der Freiheit verbunden, die ein Gegensatz von jeglicher Form des Egoismus ist. Das wiederum steht im Gegensatz zur Bruderschaft. Papst Franziskus lenkt seine Aufmerksamkeit auf die materielle Armut und insbesondere auf die Geistesarmut. Das Thema der Notleidenden war im Christentum stets aktuell, war aber kein Gegenstand ausführlicher Bearbeitungen. Es musste ein Papst aus Süden kommen, um sich für eine arme Kirche für die Armen einzusetzen. Kardinal Bergoglio wollte durch die Wahl seines Vornamens die Notleidenden in der Kirche zum Vorschein bringen und an die Evangelisierung als eine prinzipielle Aufgabe eines jeden Christen erinnern.

 
3. Evangelii gaudium


Evangelii Gaudium ist ein Programmtext des Papstes Franziskus, der sich einerseits in der Verkündung des Evangeliums auf das bezieht, was seine Vorgänger geäußert haben, andererseits setzt er aber neue Akzente.


  1. Arme Kirche für die Armen

    Der neue Bischof von Rom, Franziskus aus Argentinien, wurde als Kardinal der Armenbezeichnet. Die Kirche in Europa ist der Kirche in Lateinamerika nicht ähnlich. Der Papst möchte dies ins Gleichgewicht bringen. In einem Interview mit dem Jesuiten Antonio Spadaro sagte er: Man darf sich nicht mit Erinnerung an die allgemein bekannten Probleme (Abtreibung, Homo-Ehen oder Anwendung von Verhütungsmitteln) begnügen. Die Einstellung der Kirche ist bekannt und unveränderlich. „Die Lehren der Kirche – dogmatische wie moralische – sind nicht alle gleichwertig. Eine missionarische Seelsorge ist nicht davon besessen, ohne Unterscheidung eine Menge von Lehren aufzudrängen. Eine missionarische Verkündigung konzentriert sich auf das Wesentliche, auf das Nötige. Das ist auch das, was am meisten anzieht, was das Herz glühen lässt – wie bei den Jüngern von Emmaus. Wir müssen ein neues Gleichgewicht finden, sonst fällt auch das moralische Gebäude der Kirche wie ein Kartenhaus zusammen.“[3] Papst Franziskus bezeichnet die Kirchenlage als ein Feldlazarett nach einem Kampf, dessen grundsätzliche Aufgabe darin besteht, die Wunden zu heilen und eine Bruderschaft aufzubauen.[4] Der Papst übt Kritik, weil er sich um die Armen Sorgen macht. Der Heilige Vater deutet auf die Geschichte des bedrängten Israels hin. „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie zu befreien […] Und jetzt geh! Ich sende dich.” (Ex 3,7-8.10) Die größte Diskriminierung, die sie erfahren, ist der Mangel an einer geistigen Obhut. Die Armen in Südamerika und Afrika sind offen für den Glauben und Gott, man muss also alles tun, um ihren religiösen Hunger zu stillen. Niemand darf von dieser Aufgabe befreit sein, denn es ist die Pflicht aller Christen, sich um die soziale Gerechtigkeit und evangeliumsbezogene Behandlung der Armen zu kümmern. „Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben?“ (1 Joh 3,17). Das Schicksal der Bedrückten erwähnt auch der Apostel Jakobus: „Der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere.“ (5,4) Jesu Auftrag: "Gebt ihnen zu essen!” (Mk 6,37) wird mehr verständlich im Kontext der Notwendigkeit, auf den Ruf der Notleidenden zu hören, und die Barmherzigkeit und Solidarität zu praktizieren. Den Ruf der Notleidenden zu vernehmen ist ein Postulat für den Frieden. Es bezieht sich nämlich auf die Wahrung der Menschenrechte. „Die am meisten Begünstigten müssen auf einige ihrer Rechte verzichten, um mit größerer Freigebigkeit ihre Güter in den Dienst der anderen zu stellen.“[5] Die brasilianischen Bischöfe vertreten den Standpunkt, indem sie den Ruf der Notleidenden hören, die „ohne Land, ohne Obdach, ohne Brot, ohne Gesundheit”[6] leben müssen, nur weil man unfähig ist, die Lebensmittel gerecht zu verteilen. Im Endeffekt führt dieser Skandal zu Verschwendung und Hunger. Die Barmherzigkeit und Solidarität mit den Armen heißt jedoch nicht nur Hunger stillen, sondern auch „die Erziehung, den Zugang zum Gesundheitswesen und besonders zu der Arbeit. Denn in der freien, schöpferischen, mitverantwortlichen und solidarischen Arbeit drückt der Mensch die Würde seines Lebens aus und steigert sie. Der gerechte Lohn ermöglicht den Zugang zu den anderen Gütern, die zum allgemeinen Gebrauch bestimmt sind.“[7] Auf den Ruf der Armen aufmerksam hören, ist eben ein Postulat der Bibel. Aus dem Evangelium entnehmen wir: „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.” (Mt 5,7) Der Apostel Jakobus erinnert an die Barmherzigkeit. „Redet und handelt wie Menschen, die nach dem Gesetz der Freiheit gerichtet werden. Denn das Gericht ist erbarmungslos gegen den, der kein Erbarmen gezeigt hat. Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht” (2,12-13). Die Kirchenväter vertreten denselben Standpunkt: „Wie wir in der Gefahr eines Brandes eilen, um Löschwasser zu suchen […] so ist es auch, wenn aus unserem Stroh die Flamme der Sünde aufsteigen würde und wir darüber verstört wären: Wird uns dann die Gelegenheit zu einem Werk der Barmherzigkeit gegeben, freuen wir uns über dieses Werk, als sei es eine Quelle, die uns angeboten wird, damit wir den Brand löschen können.“[8] Das Nachdenken über diese Texte ist einfach und man soll sie aber nicht verwässern. Man soll den Aufruf der Bibel in die Tat umsetzen. Jesus zeigte uns den Weg der Nächstenliebe. Der hl. Paulus beurteilt seine möglicherweise vergeblichen Handlungen, ob er (vgl. Gal 2,2) mit der grundsätzlichen Frage, ob er an die Armen gedacht hat. (vgl. Gal 2,10). Papst Franziskus setzt sich für eine arme Kirche, eine Kirche für die Armen ein.[9] Sie sind nämlich die erste Form, die christliche Liebe zu verwirklichen. Die ganze Kirchentradition zeugt davon. Die Option für die Armen ist „im christologischen Glauben an jenen Gott implizit enthalten, der für uns arm geworden ist, um uns durch seine Armut reich zu machen.”[10] Das ist eine Erlaubnis, uns von den Armen evangelisieren zu lassen. Sie ist ein Appell, „ihre Freunde zu sein, sie anzuhören, sie zu verstehen und die geheimnisvolle Weisheit anzunehmen, die Gott uns durch sie mitteilen will.“[11]

  2. Erneuerung der Kirche

     Die Rede ist von der Kirchenerneuerung, die sich durcheinen Missionsschlüsselvollziehen soll. Das Verkünden des Evangeliums ist die wichtigste Aufgabe der Kirche, unabhängig davon, wie lange das Christentum bereits existiert. Die Einstellung zur Evangelisierung muss jedoch geändert werden. Anstatt der passiven Erwartung in den Kirchen, ist eine aktive Evangeliumsverkündung anzunehmen. „In jeglicher Form von Evangelisierung liegt der Vorrang immer bei Gott, der uns zur Mitarbeit mit ihm gerufen und uns mit der Kraft seines Geistes angespornt hat.”[12] Es ist erwähnenswert, dass es in der Evangelisierung keine Teilung in Laien und Geistlichen gibt, da sowohl die Laien als auch die Geistlichen demselben Volk Gottes angehören.

    Der Papst weist auf die Pfarrei als die richtige Struktur hin, wo sich die Missionskreativität vollbringen kann. Durch Pfarreien kann ein lebendiger Kontakt zu Familien und aktiven Laien bestehen. „Die Pfarrei ist eine kirchliche Präsenz im Territorium, ein Bereich des Hörens des Wortes Gottes, des Wachstums des christlichen Lebens, des Dialogs, der Verkündigung, der großherzigen Nächstenliebe, der Anbetung und der liturgischen Feier.”[13] Es liegt in der Obliegenheit der Pfarrgemeinde, ihre Gläubigen zur Evangelisierung anzuregen. Der Papst weist auf kleine Gruppen hin, die sich für den Evangelisierungsprozess einsetzen. Diese dürfen jedoch den Kontakt zu den Pfarreien nicht verlieren, denn es kann sich erweisen, dass sie lediglich Nomaden ohne Wurzeln sind.

    Der Bischof soll auch den Missionseifer erwecken, damit wie bei den ersten Christen alle durch ein Herz und einen Geist belebt werden (vgl. Apg 4, 32). Der Bischof ist eben derjenige, der den Weg zeigen, die Hoffnung geben, sowie mit der Nächstenliebe dienen soll. Auch das Papsttum erfordert Änderungen. Den Worten des Bischofs von Rom nach: "Da ich berufen bin, selbst zu leben, was ich von den anderen verlange, muss ich auch an eine Neuausrichtung des Papsttums denken.”[14] Papst Franziskus sucht nach solch einer Form der Kirchenverwaltung, damit sie der Idee Jesus konvergent ist, und den Bedürfnissen der Evangelisierung entspricht. Selbst Johannes Paul II. hatte dies verlangt. Sein Wunsch ist wohl nicht in Erfüllung gegangen.

    Die Evangelisierung erfordert einen neuen Blick auf das Christentum. Solche Bezeichnungen, dass man stets so gehandelt hat, sind zu verwerfen. Die Seelsorger wurden zur Kreativität in der Methoden- und Zielannahme aufgerufen. Angst soll man beiseite lassen. Diese Aufgabe ist jedoch einzeln nicht zu bewerkstelligen, sondern immer in einer Gemeinschaft und unter Vorsitz des Bischofs. Der Papst bringt das in Erinnerung, was er den Priestern und Laien in Buenos Aires gesagt hatte: „Mir ist eine „verbeulte“ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“[15]

    Im Evangelisierungsprozess geht die wesentliche Initiative von Gott aus. Der Mensch wird nur dann zum Evangelisierer, wenn er sich Gottes Gedanken anschließt. Der Primat der Gnade muss stets die Evangelisierung begleiten. Papst Franziskus wünscht sich eine solche Art der Evangelisierung, die die Kanzel verlässt und zur wesentlichen und prinzipiellen Aufgabe eines jeden Christen wird. Das Evangelium wird nun an alle Bekannten und Menschen, denen wir alltäglich begegnen, verkündet. Das ist eine informelle Art der Verkündung, die während jedes Gesprächs stattfinden kann. An erster Stelle steht natürlich der Dialog als eine Vorgehensweise zur Konfliktlösung, dann folgt das Verkünden der Frohen Botschaft über die Erlösung, die ein Zeugnis dessen sein soll, dass „die persönliche Liebe Gottes, der Mensch geworden ist, sich für uns hingegeben hat, und als Lebender sein Heil und seine Freundschaft anbietet.“[16] Die Frohe Botschaft lässt sich allerdings ohne die zum Aufbau der Kirche geeigneten Charismen nicht verkünden. Die persönliche Haltung und das Lebenszeugnis eines Evangelisierers spielen eine sehr wichtige Rolle.

    Papst Franziskus machte auf eine gewisse Volksfrömmigkeit aufmerksam, die für das Werk der Evangelisierung von Bedeutung ist. Sie drückt sich in Form von Symbolen aus. Man braucht aber eine außergewöhnliche Sensibilität des guten Hirten, um in den einfachen Gesten den verborgenen Glauben entdecken zu können. Eine Mutter, die beim Bett ihres kranken Kindes instinktiv nach dem Rosenkranz greift, selbst wenn das Credo ihr Schwierigkeiten bereitet, versinnbildlicht in diesem Zeichen Gottes Anwesenheit. Man braucht lediglich einen guten Willen, um das Symbol zu verstehen.

    Die neue Art der Evangeliumsverkündung, die uns Papst Franziskus nahelegt, wird sich in einem fortschreitenden Säkularisierungsklima vollbringen. Das bedeutet wiederum, dass der Glaube und die Kirche immer mehr in den Privatbereich verdrängt werden. Trotzdem ist die Kirche stets als eine vertrauenswürdige Institution angesehen worden. Die Familie aber befindet sich in einer großen Krise. Der bevorzugte Individualismus schwächt die familiären Bindungen. Viele Lebensbereiche brauchen Heilung und Reinigung. Der Papst deutet auf die Dominanz der Männer, Alkoholkonsum, Gewalt und eine immer geringere Anteilnahme am Sonntagsgottesdienst hin. Viele Menschen verwechseln die religiöse Frömmelei mit der Volksfrömmigkeit. Dann entwickelt sich die Enttäuschung, man identifiziert sich nicht mit dem katholischen Glauben. Infolgedessen werden Kinder nicht getauft, beten nicht und nehmen am Religionsunterricht nicht teil.

    In diesem Zusammenhang scheint der Aufruf des Heiligen Vaters zur Kirchenerneuerung im Geiste des Evangeliums sehr aktuell zu sein. Hierzu werden alle Christen aufgefordert, in den Ursprung, in die Quelle zurückzugelangen, damit man die christliche Berufung verstehen kann. Die Evangelisierung soll das laute Bekenntnis zu Jesus, sowie die Einladung der Nächsten zu einer Wiederentdeckung der Frohen Botschaft versinnbildlichen. Eine gute Vorbereitung und die Haltung des Gleichgewichts sind notwendig, damit die Evangelisierung nicht nur ein Vorgehen, sondern auch eine innere Formation und Bezeugung sein wird. Lediglich auf diese Art und Weise kann das Verkünden der Frohen Botschaft seine Aufgabe erfüllen.  








[2] Ebda.



[3] A. Spadaro, Das Interview mit Papst Franziskus. Hg. Von Andreas Batlogg SJ. Freiburg-Basel-Wien 2013, S. 51.



 



[5] Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 190.



[6] Ebda 191



[7] Ebda 192



[8] Augustinus, De catech. Rudibus, I, XIV, 22: PL 40, 327.



 



[10] Benedikt XVI., Ansprache zur Eröffnung der Arbeiten der V. Generalversammlung der Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik (13. Mai 2007), 3: AAS 99(2007), 450.



[11] Papst Franziskus, op. cit, 198.



[12] Ebda 12.



[13] Ebda 28.



[14] Papst Franziskus, op. cit., 32.



[15] Ebda 49.



[16] Ebda 128.